Sicher hat jeder von uns die ein oder andere körperliche Schwäche, einen Schönheitsmakel, man fühlt sich zu groß oder zu klein, zu dünn oder zu dick. Aber gerade im Falle einer schweren Krankheit verflucht man den eigenen Körper vielleicht gelegentlich und wünscht sich einen neuen herbei. Genau diesen Schritt will der Russe Valery Spiridonov wagen und seinen Kopf auf einen neuen Körper setzen lassen. Warum er sich der gefährlichen Operation unterzieht und was zu beachten ist, erfahrt ihr bei uns.

Die Leiden des Valery Spiridonov

Der junge Valery Spiridonov – er ist gerade einmal 30 Jahre alt – leidet an der seltenen Krankheit Muskelschwund. Sie führt zum Absterben derjenigen Nervenzellen im Rückenmark, die für die Bewegung verantwortlich sind. Der Muskelapparat bildet sich dadurch immer weiter zurück – schließlich folgt der Tod. Dass dann der Gedanke reift, einfach den Körper mit jemand anderem zu tauschen, ist nicht verwunderlich. Doch so tollkühn diese Idee auch klingt – sie scheint umsetzbar.

In der Tat wäre Valery der erste Mensch, an dem diese heikle Kopftransplantation durchgeführt  werden würde. Doch für ihn ist es die letzte Rettung, da er inzwischen ununterbrochen auf fremde Hilfe angewiesen ist. Der italianische Chirurg Dr. Sergio Canavero will ihm diese einzigartige Chance ermöglichen und plant, den Kopf von Valery spätestens 2017 auf einen anderen Körper zu verpflanzen.

Die erste Kopftransplantation der Welt

Jeder der schon einmal einen komplizierten Knochenbruch erlitten hat, weiß genau wie lange es dauern kann, bis sich der Körper wieder erholt und der Knochen wieder vollständig zusammengewachsen ist. Dass eine Kopftransplantation ein ungleich schwierigeres Vorhaben ist, steht außer Frage. Folgendermaßen soll die lebensrettende Kopftransplantation ablaufen.

Zunächst müssen der Kopf von Valery und der Spenderkörper gekühlt werden, damit die Körperzellen länger ohne Sauerstoffzufuhr überleben können. Anschließend gilt es, das Halsgewebe zu entfernen und die Hauptgefäße künstlich zu verbinden. Nachdem das Rückenmark abgeschnitten wurde, erfolgt dann die eigentliche Kopftransplantation. Um die künftige Bewegungsfähigkeit sicherzustellen, sollen dann die Enden des Rückenmarks mithilfe einer Chemikalie miteinander vernetzt werden. Ob dies gelingen kann, ist nicht sicher, denn bislang wurde damit nur an Hunden experimentiert – aber immerhin erfolgreich. 

Nach dem komplizierten Eingriff wird Valery in ein künstliches Koma versetzt, damit die Wunden in Ruhe ausheilen können. Schon innerhalb eines Jahres nach Erwachen soll der junge Russe wieder gehen können. Tatsächlich sind derartige Versuche bereits bei Affen, Ratten und Hunden in den 60er Jahren geglückt, doch die Vernetzung des Rückenmarks stellte sich stets als größte Hürde heraus. Doch dies gelang dem Forscher Robert White im Jahr 2001. Ein Affe konnte nach einer erfolgreichen Kopftransplantation bereits alle Sinne nutzen und weckt so die Hoffnung, dass eine Operation am Menschen ebenfalls möglich ist.

Eine Frage der Ethik?

Der Eingriff wird schätzungsweise 10 Millionen Dollar kosten, etwa 36 Stunden dauern und ein Team aus 150 Ärzten und Schwestern erfordern. Aber nicht nur wegen der hohen Kosten ist das Vorhaben äußerst umstritten. Vor allem aus ethischer Sicht wirft die Operation Fragen auf. Verfügt der Mensch über eine Seele und wenn ja, wo sitzt sie? Ist man noch der Mensch der man war, wenn man in einem neuen Körper aufwacht? Der Präsident der amerikanischen Vereinigung der Neurochirurgen, Hunt Batjer, warnt sogar davor, dass Valery ein bislang unbekanntes Ausmaß an Wahnsinn erleiden könnte.

Doch nur ein PR-Gag?

Mitnichten! Es geht das Gerücht um, dass die Kopftransplantion ein PR-Gag des Spieleherstellers Konami für das neue Metal Gear Solid sei. Im nunmehr fünften Teil The Phantom Pain gibt es eine Figur, die eine frappierende Ähnlichkeit mit dem durchführenden Arzt aufweist. Allerdings ist dieser auf seinem Fachgebiet sehr renommiert und verfasste unzählige Papers und Bücher.

Wie es zu seinem Spiele-Doppelgänger kommen konnte, ist für Dr. Canavero nicht nachvollziehbar, weshalb er rechtliche Schritte in Betracht zieht. Möglicherweise macht sich Konami seine Berühmtheit und die außergewöhnliche Operation widerrechtlich zunutze. Insofern besteht vielleicht tatsächlich ein von Konami forcierter Zusammenhang. Um einen PR-Gag handelt es sich bei der Operation aber dennoch nicht.


Was haltet ihr von dieser Operation? Ist es aus ethischer Sicht wirklich fragwürdig, die einzige Chance auf ein Leben wahrnehmen zu wollen? Wer sind die Gegenstimmen, dass sie einem Menschen das verwehren könnten? Vielleicht ist Ethik im Zusammenhang mit medizinischem Fortschritt doch einfach nur die Angst, in neue Welten vorzudringen. Wenn man sich zurückerinnert, gab es auch bei etlichen anderen Transplantationen zunächst ethische Bedenken. Heute erhalten dadurch jeden Tag Menschen eine neue Chance, ihre Zukunft wieder selbstbestimmt gestalten zu können. Wir sind gespannt auf Eure Meinungen.


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Mich faszinieren besonders politische sowie wirtschaftliche Zusammenhänge in der Welt. Dazu recherchiere ich gern selbst und werde euch die Früchte meiner Arbeit regelmäßig präsentieren. Außerdem liebe ich Filme, sodass ihr euch auch auf das ein oder andere Review freuen dürft.