200 bis 250 Tonnen Plastik werden weltweit pro Jahr hergestellt. Der Kunststoff ist billig, flexibel und beliebig formbar. Tüten, Dosen, Flaschen, Schuhsohlen – Plastik begleitet uns im Alltag. Das hat Folgen: Der Müllberg aus Plastik wächst beständig an, denn nur 42 Prozent des Plastikabfalls können recycelt werden. Mehr als sechs Tonnen Müll landen laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (kurz: BUND) jährlich im Meer. Ein Großteil davon ist Plastik in unterschiedlichen Größen. Der kleinste Plastikabfall ist bekannt als Mikroplastik. Er stellt ein großes Problem für das Ökosystem dar und kann auch zur Gefahr für die menschliche Gesundheit werden.

Was ist Mikroplastik?

Mikroplastik bezeichnet winzige Plastikteilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind. Man unterscheidet zwischen zwei Arten: Primäres Mikroplastik, so genannte Basispellets, werden bewusst hergestellt und finden Anwendung in vielen Kosmetikprodukten. Sekundäres Mikroplastik entsteht im Meer durch den Abrieb und die Zersetzung größeres Plastikmülls.

Plastikmüll am Ufer des Roten Meeres

Plastikmüll am Ufer des Roten Meeres

Verbreitung in Deutschland

Die Kontaminierung mit Mikroplastik betrifft nicht nur die fernen Weltmeer. Untersuchungen zeigen, dass auch deutsche Seen und Gewässer mit Kunststoffteilchen durchzogen sind. Im Jahr 2013 befürchteten österreichische Politiker nach einer Untersuchung des Instituts für Seenforschung, dass bis zu 40 Prozent des Bodensee-Grunds mit Plastikmüll bedeckt sein könnten. Eine vom Umweltministerium Bayern veröffentlichte Studie kam 2015 zu dem Ergebnis, dass die bayerischen Gewässer überraschend stark mit Mikroplastikpartikeln belastet seien.

Das fast unsichtbare Mikroplastik und seine Folgen

Mikroplastik aus Kosmetikprodukten hat fatale Folgen. Durch das Abwasser gelangen die winzigen Plastikpartikel in die Kläranlagen. Die kleinsten Partikel aus dem Mikro-und Nano-Größenbereich können dort meist nicht ausreichend herausgefiltert werden und gelangen in die Umwelt und unsere heimischen Gewässer.

„Jedes kleine Stück Kunststoff, das in den letzten 50 Jahren hergestellt wurde und ins Meer gelangte, ist dort immer noch irgendwo“, diese Aussage des amerikanischen Chemikers Tony Andray verdeutlicht die Lage. Jeder winzige Partikel, der in das Meer gelangt ist, bleibt dort. Der Mikroplastikgehalt im Wasser wächst Stück für Stück. Einmal ins Wasser gelangte Teilchen können unmöglich wieder entfernt werden.

Mikroplastik zieht giftige Schadstoffe im Meer an. Es ist erwiesen, dass die Konzentration an Mikroplastik oft hundertmal höher als im Meerwasser ist. Grund für diese Bindung sind die chemischen und physikalischen Eigenschaften des Kunststoffs. Außerdem enthalten die winzigen Kunststoffpartikel bereits Chemikalien aus der Produktion. Es entsteht ein desaströser Kreislauf: Kleinlebewesen fressen kontaminierte Plastikpartikel mit, die wiederum eine wichtige Nahrungsquelle für Fische und Muscheln dar. Von diesen ernähren sich dann Vögel, Meeressäuger und wir Menschen. Mikroplastik kann somit zum Bestandteil unserer Nahrung werden.

Welche Kosmetika und Pflegeprodukte enthalten Mikroplastik?

Mikroplastik ist für den Laien schwer im Produkt zu identifizieren, da es auf der Verpackung nicht ausgeschrieben ist. Die häufigsten Kunststoffe in Kosmetik sind: Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polyethylenterephthalat (PET),  Nylon-12 (Nylon-12) Nylon-6 (Nylon-6), Polyurethan (PUR), Ethylen-Vinylacetat-Copolymere (EVA),  Acrylates Copolymer (AC), Acrylates Crosspolymer (ACS) und Polyquaternium-7 (P-7).

Mikroplastikpartikel in Zahnpasta, Quelle: Wikipedia/Dantor (talk)

Mikroplastikpartikel in Zahnpasta, Quelle: Wikipedia/Dantor (talk)

Teilerfolge sind dem BUND für Naturschutz bereits gelungen, so verzichten mittlerweile viele Zahnpasta-Hersteller darauf. In vielen Peelings und Gesichtsreinigern ist Mikroplastik aber immer noch vertreten. Das Vorkommen reicht von Drogerieprodukten aus dem Niedrigpreissegment bis zu High End-Marken. Weiter sind Duschgele, Plegebäder, Shampoo, Conditioner, Haarspray, Handseifen, Puder, Make-Up, Concealer und Rouge betroffen. Eine exakte Auflistung mit Produkten und Herstellern findet sich hier.

Was kann ich dagegen tun?

Vermieden werden kann Mikroplastik, indem Ihr Alternativen zu den Produkten mit Mikroplastik aus der Liste nutzt, keinen Müll in Seen oder Meere werft und den eigenen Plastikverbrauch überdenkt. Außerdem widmen sich Initiativen wie das Projekt „Fishing for Litter“ aktiv der Säuberung von Küsten und Flussufern.

Weiterführende Beiträge zum Thema:

Mikroplastik ist ein komplexes Umweltproblem. Wenn Ihr mehr über das Thema erfahren wollt, dann könnt Ihr Euch in folgenden Quellen weiter informi31eren.

  • Plastic Planet: Der Kinodokumentarfilm bietet einen guten Überblick über unterschiedliche synthetische Kunststoffe. Er zeigt die Gefahren, die durch diesen anfangs als revolutionär geltenden Stoff entstehen.
  • Plastik: Der Fluch der Meere: Die ARTE-Doku zeigt bildgewaltig, wie Plastikmüll Ökosysysteme zerstört und bietet viel Hintergrundwissen.

Macht Ihr Euch Gedanken über Euren täglichen Plastikabfall? Engagiert Ihr Euch vielleicht sogar für eine bessere Umwelt, indem Ihr in verpackungslosen Supermärkte einkauft? Wir sind gespannt auf Eure Kommentare.

Quelle Titelbild: Fred Dott// Greenpeace


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Politik, Kultur und Kunst sind meine Spezial-Themen. Wenn ich nicht für Bluemind oder meinen Blog Unangepasst schreibe, findet ihr mich entweder in der Ferne mit einem Literatur-Klassiker am Strand oder bei einer Ausstellung.