Anfang des 20. Jahrhunderts infizierte sich die als Typhus Mary bekannte gewordene Irin Mary Mallon mit Typhus und wurde der erste Mensch in den USA, der sich zwar mit dem Bakterium infizierte aber selbst nicht daran erkrankte. Aufgrund ihrer Unwissenheit steckte sie über fünfzig Menschen mit der tödlichen Krankheit an und verursachte somit den Tod zahlreicher Freunde und Bekannte. Zu unglaublich um wahr zu sein? Hier gibt’s die ganze Geschichte.

Das Leben der Mary Mallon

Sicherlich hätten die Eltern von Mary Mallon niemals gedacht, dass ihre am 23. September 1869 geborene Tochter später einmal die Ursache für den Tod dreier Menschen sein würde. Und hätte sie es gewusst, dann hätten sie ihr Kind sicherlich nicht im Alter von 15 Jahren in die USA geschickt. Die Familie war auf der Suche nach einem besseren Leben und wollte aus dem vom Krieg heimgesuchten Europa verschwinden. Die ersten Jahre in den USA verliefen für die kleine Mary auch besser als erwartet. Sie fand einen Job und konnte sich ein akzeptables Leben leisten.

Im Alter von 31 Jahren begann Mary Mallon allerdings als Köchin zu arbeiten und hier sollte ihr todbringendes Schicksal beginnen. Bis heute ist unklar wo sich Mary Mallon mit Typhus angesteckt hat, aber sicher ist, dass es im Zeitraum von 1900 bis 1907 geschehen sein muss. In dieser Zeit arbeitete sie nämlich als Köchin in New York City und 53 Menschen in ihrer unmittelbaren Nähe erkrankten an Typhus kurz nachdem sie mit Mary in Kontakt kamen.

Eine gute Köchin mit einem dunkeln Geheimnis

Bereits nach zwei Wochen während ihrer Tätigkeit als Köchin in einem Haus in Mamaroneck erkrankten mehrere Hausbewohner an Typhus. Zum Glück kam dabei niemand ums Leben, aber aus Angst, sie könnte sich selbst mit der Krankheit infizieren – sie wusste nicht, dass sie die Trägerin des Bakteriums war – wechselte Mary Mallon ihren Arbeitgeber. Sie zog nach Manhattan und bekochte dort eine Familie, die kurze Zeit später an Fieber und Durchfall litt. Die Haushälterin der Familie erkrankte ebenso und starb kurze Zeit später.

Aus Angst vor der Krankheit zog Mary wieder davon und arbeite von nun an für einen Anwalt, von dem sieben von acht Familienmitglieder innerhalb kürzester Zeit an Typhus erkrankten. Mittlerweile hatte Mary ihre Angst vor der Krankheit überwunden und versuchte der Familie des Anwalts deshalb zu helfen. Sie pflegte die kranken Familienmitglieder monatelang und verschlimmerte deren Gesundheitszustand hierdurch nur umso mehr.

Nach Monaten wechselte Mary wieder ihren Arbeitgeber und zog nach Long Island. Es dauerte nicht lange und auch hier erkrankten vier der zehn Familienmitglieder. Wie viele Menschen Mary Mallon genau infizierte, ist bis heute unklar, aber man geht im Moment von 53 Menschen aus, von denen drei Personen starben.

Ein Sanitärtechniker auf den Spuren der Typhus Mary

Die als Typhus Mary bekannt gewordene Mary Mallon im Krankenhaus auf der Isolierstation in New York.

Mary Mallon auf ihrer Isolierstation im Krankenhaus 1909. Quelle: Wikipedia

Es dauerte nicht lange und es begannen erste Ermittlungen zu der Erkrankung so vieler Menschen an Typhus. Einer der Arbeitgeber von Mary Mallon beauftragte den Sanitärtechniker George Soper mit der Frage, warum seine Familie sich mit der Krankheit infizierte. Nicht lang und Soper identifizierte Mary als mögliche Quelle der Erkrankung. Als er sie damit konfrontierte, wurde sie wütend und beendete die Unterhaltung. Eine notwendige Urin- und Stuhlprobe konnte George Sober somit nicht erhalten und es blieb weiterhin unklar, ob er recht behalten sollte.

Soper veröffentlichte seine Theorie sogar im Journal of the American Medical Association und versuchte Mallon weiterhin zu überreden sich untersuchen zu lassen, aber seine Bemühungen blieben ohne Erfolg. Rückenwind erhielt Mary Mallon gleichzeitig von einem Apotheker der Region, der sie untersuchte und zu dem Entschluss kam, sie könnte nicht die Trägerin der Bakterien sein.

Nichtsdestotrotz blieb George Sober weiter hartnäckig und so kam es, dass nun das Gesundheitsamt der Stadt New York in dem Fall ermittelte. Die Ärztin Sara Josephin Baker wurde zu Mary Mallon geschickt und sollte sie untersuchen. Mallon reagierte bei dem Thema aber von nun an gereizt und glaube sogar sie würde von der staatlichen Obrigkeit verfolgt werden. So kam es, dass die Polizei eingeschaltet werden musste und die mittlerweile als „Typhus Mary“ bekannte Mallon in Gewahrsam genommen wurde.

Das Ende von Mary Mallon

Ein Gesundheitsinspektor entdeckte bei ihr die Typhus-Erreger und Mary kam für drei Jahre in Krankenhausisolation. Ihr wurde verboten, je wieder mit Lebensmitteln zu arbeiten aber Mary hielt sich nicht an die Vorgabe und arbeite deshalb ab 1915 wieder als Köchin. Unglücklicherweise war ihr erster neuer Arbeitgeber das New Yorker Sloane-Krankenhaus und Mary infizierte 25 Patienten des Krankenhauses. Sie wurde deshalb wieder in Gewahrsam genommen und bis zum Ende ihres Lebens in Isolation gesteckt.

Bis an ihr Lebensende erhielt Mary besuch von Journalisten weltweit, von denen sie glücklicherweise niemanden mehr anstecke. Als sie im Alter von 69 Jahren an Lungenentzündung starb – bis zu ihrem Lebensende brach Typhus nie bei ihr aus –  wurde an ihr eine Autopsie durchgeführt, die bestätige, dass ihre Gallenblase lebende Typhusbakterien enthielt. Aus Sicherheitsgründen wurde ihre Leiche verbrannt und auf einem Friedhof in der Bronx begraben.


Was sagt ihr zu der unglaublichen Geschichte der Typhus Mary? Was würdet ihr machen, wenn alle Menschen um euch herum krank werden? Wir sind gespannt auf eure Kommentare und freuen uns, von euch zu hören.


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