Ohne Fleisch nichts los? Von wegen. Veganer Burger. Veganer Schinken. Veganes Mett. Vegane Milch. Während der Trend bei uns, man kann ihn gut finden oder nicht, darauf hinausläuft, tierische Produkte in Nahrungsmitteln durch pflanzliche zu ersetzen, wird das Fleischessen in China immer mehr zu einem Aushängeschild des Wohlstands. Darunter leiden das Klima – und die Volksgesundheit.

Großer Nachholbedarf an Fleisch

Warum aber ist die Fleischeslust so groß in China? In erster Linie wohl deshalb, weil viele Menschen nicht länger in Armut leben und es sich jetzt leisten können, Fleisch zu kaufen. Dieser Umstand verbietet es dem Westen, den Zeigefinger in Richtung China zu erheben und an einen vernünftigeren Fleischkonsum der Chinesen zu appellieren. Und es gibt auch keine Berechtigung dafür. Zwar vertilgt jeder Chinese im Jahresschnitt 63 Kilogramm Fleisch. In Deutschland sind es aber auch 60 Kilo im Jahr.

Fleisch

Soll bald ohne Schweinefleisch auskommen – Schweinefleisch süß-sauer

Das Problem an diesen Zahlen ist, dass sie sich gegenläufig entwickeln. Während Deutschland von Jahr zu Jahr weniger Fleisch isst, nimmt die Durchschnittsmenge in China immer weiter zu. Wenn der Trend anhält, stopft jeder Chinese schon in 15 Jahren mindestens 90 Kilo Fleisch pro Jahr in sich hinein. Nur ein Prozent aller Chinesen sind Vegetarier (in Deutschland zehn Prozent), und das, obwohl die Auswahl an Fleischersatz im Reich der Mitte groß ist. Seetang, Lotuswurzeln, Seitan und Tofu ersetzen Fleisch sogar in klassischen chinesischen Gerichten wie Peking-Ente oder Schweinefleisch süß-sauer so perfekt, dass der Unterschied praktisch nicht bemerkbar ist.

Schädlicher als Chinas Verkehr

Etwa 1,4 Milliarden Menschen leben in China, und mehr als ein Drittel unter ihnen leidet an einer Vorstufe von Diabetes, während die Krankheit bei mehr als 20 Millionen Chinesen bereits ausgebrochen ist. Der Kampf gegen die Fettleibigkeit hat für Chinas Gesundheitsministerium oberste Priorität, und die Wissenschaft soll der politischen Führung dabei helfen. Das Projekt heißt: die Lust der Chinesen aufs Fleischessen einzudämmen, und zwar am besten schon gestern, und nicht erst heute.

Die Kommunistische Partei, die das Land autoritär führt, sieht im Fleischkonsum in erster Linie also ein gesundheitspolitisches Problem. Den Effekt, den dieser Verzehr auf die Umwelt hat, blendet sie dagegen eher aus. Dabei sind die Zahlen alarmierend. So hat eine chinesische Wissenschaftszeitung recherchiert, dass etwa 15 Prozent der Treibhausgase, die China produziert, von der industriellen Fleischerzeugung verursacht werden. Wie die Zeitung, die „Keji Ribao“ heißt, weiter schreibt, übersteigt die Fleischproduktion in Sachen Klimaschädlichkeit sogar den Verkehr – und das will etwas heißen, wenn man die Smogbilder aus Peking, Shanghai und anderen Riesenstädten kennt.

Plan und Wirklichkeit

Die Führung des riesigen Landes setzt nun jedenfalls alles daran, ihren Landsleuten die Lust auf Fleisch zu nehmen. Wie das genau geschehen soll, dazu ist nichts bekannt. Mehr als das Bekenntnis, die Menschen aufklären zu wollen, ist noch nicht publik geworden. Chinas Rundfunkstationen und Zeitungen, fast alle in staatlicher Hand, sprechen derzeit davon, dass ein „Veggieday“ in den Kantinen der Betriebe, der Universitäten und der Schulen eigeführt werden könnte. Das Gesundheitsministerium macht inzwischen Ernst – und wendet sich mit Online-Videoclips an das Volk. Gemeinsam mit der international agierenden Umweltschutzorganisation Wild Aid hat sich das Ministerium tatsächlich etwas einfallen lassen, um die Bevölkerung zu erreichen: Hilfe aus Hollywood.

Diese Welt aus Glitzer und Glamour am Rande des Molochs namens Los Angeles hat zwar schon vieles geschafft, aber das scheint die größte Aufgabe zu sein. Größer als Unterhaltung. Wobei Wild Aid und Ministerium voll auf die kalifornische Traumfabrik und deren Unterhaltungskunst setzen: Arnie wirbt für Veggie

Tofu vom Terminator

Ganz recht: Arnold Schwarzenegger und James Cameron, Hauptdarsteller und Regisseur des Leinwand-Spektakels „Terminator“, rufen Chinas Bevölkerung in einem Videoclip zum Fleischverzicht auf. Dabei sitzen sie vor einem Greenscreen in L. A. und Arnie erzählt, dass er sich fantastisch fühle, seit er kein Fleisch mehr esse. Und dass man nicht glauben darf, dass man nur mit Fleisch so groß und stark werden kann wie er. Neben ihm sitzt Cameron und sagt ähnliche Dinge. Eine nette Idee.

Weniger Fleischberge - China wirbt mit Arnie für mehr Veggie

Weniger Fleischberge – China wirbt mit Arnie für mehr Veggie. Quelle: Flickr/Democracy Chronicles

Doch wird das China beeindrucken, dieses Riesenland, das mehr Einwohner hat als Europa, Russland und Nordamerika zusammen? Werden sich die Chinesen Tofu vom Terminator verkaufen lassen? Es erscheint etwas zweifelhaft. Dazu müsste die Kommunistische Partei und die Führung der Volksrepublik das Ganze etwas vehementer vorantreiben. Und bevor wir mit dem Finger nach China zeigen und so tun, als müsste sich dort der Fleischverzehr so schnell wie möglich verringern, sollten wir erst einmal vor der eigenen Haustür kehren. Auch hier gibt es immer noch zu viele Hühnerfarmen und Schweinemastbetriebe – und auch wir essen zu viel Fleisch.


Was denkst Du – isst Du auch zu viel Fleisch? Oder genau die richtige Menge? Und wenn ja, was ist die richtige Menge? Bist du Vegetarier oder Veganer? Und wie können wir alle, nicht nur die Chinesen, weniger Fleisch essen? Fragen über Fragen. Viel Spaß beim Kommentieren und Diskutieren!

Quelle Titelbild: Flickr/KellyB.


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About Author

Freier Journalist und Texter. Recherchiert und schreibt über alles, was nicht 08/15 ist und Eindruck hinterlässt. Ist gern unterwegs in der Weltgeschichte.