Das Reich der Mitte ist ein Land, in dem sich Rekord an Rekord reiht. In China gibt etwa es die längste Eisenbahnbrücke der Welt (165 Kilometer), die größte Shopping-Mall (zehnmal größer als das KeDeWe), es wird am meisten konsumiert (Autos, Schuhe, T-Shirts) und getüftelt, was die weltweit höchste Zahl an Patentanmeldungen zeitigt. Und, und, und, die Rekorde sind zahllos.

Ein unglaublicher Rekord

Der verrückteste Rekord aber ist mit Sicherheit der des Chinesen Poon Lim, der als Steward auf dem britischen Handelsschiff Ben Lomond diente, das am 23. November 1942 vom deutschen U-Boot U 172 mit Torpedos versenkt wurde, etwa 1.200 Kilometer östlich des Amazonasdeltas im Atlantik auf dem Weg von Kapstadt nach Surinam.

Lim überlebte als einziges der 53 Besatzungsmitglieder und hielt die ersten Stunden im Meer dank Rettungsweste durch. Dann, nach Stunden, gelang es ihm, in ein vom Torpedobeschuss freigesetztes Rettungsboot der „Ben Lomond“ zu klettern.

Südatlantik - Rekord allein auf offener See

Der Südatlantik ist riesig, Lim hätte überall hin treiben können. Quelle: Wikipedia/NASA

An Bord war Trockenbrot und Wasser – zu wenig, um auf offener See nicht verrückt zu werden. Also beschloss Lim irgendwann, einen kleinen Hai zu fangen, was ihm tatsächlich gelang. Später erzählte er, er habe das Blut der Haileber sofort getrunken, da er tagelang keine Flüssigkeit mehr zu sich genommen hatte. Das übrige Haifleisch schnitt er in Scheiben und ließ es von der Sonne trocknen.

Schiffe passierten Lims Floß und ignorierten ihn

Lim musste komplett verzweifeln, erst recht, wenn man bedenkt, dass auf seiner Irrfahrt drei Schiffe an ihm vorüberfuhren, ohne ihn an Bord zu nehmen. Abwechselnd kämpfte er gegen die Auswirkungen des Sonnenbrands, gegen die Seekrankheit – und mit jedem gesichteten Schiff auch gegen die Agonie, die sich seiner bemächtigte.

Poon Lim

Poon Lim auf seinem Floß, gezeichnet von 133 Tagen der Entbehrung. Quelle: Wikipedia/National Geographic

Nach 133 Tagen nahm die Odyssee ein glückliches Ende. Brasilianische Fischer entdeckten Lims Floß und retteten den Chinesen. Neun Kilogramm Körpergewicht hatte er verloren, doch im Krankenhaus fand er bald vollständige Genesung. Noch auf dem Sterbebett sagte Lim, dass er hoffe, niemand müsse seinen Rekord jemals brechen. Er starb im Januar 1991 in New York, wohin er nach seiner schicksalhaften Irrfahrt emigrierte.


Verrückte Geschichte, nicht? Vielleicht habt ihr ja auch schon mal Heldensagen gelesen von Menschen, die unter extremen Bedingungen um ihr Leben gekämpft haben. Sprecht darüber!

Quelle: Wikipedia/Hermitage Paintings


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About Author

Freier Journalist und Texter. Recherchiert und schreibt über alles, was nicht 08/15 ist und Eindruck hinterlässt. Ist gern unterwegs in der Weltgeschichte.