Ob die Mönche im Kloster Tengboche wissen, welches Privileg sie genießen? Bei schönem Wetter ist das Panorama vom Klostervorplatz von nichts zu übertreffen. Und Touristen tun sich schwer damit, diesen Ort wieder zu verlassen. Wie ich zu diesem Ort gelangt bin, erfahrt Ihr in Teil 1 und Teil 2 meines Reiseberichts.

Ein Kloster mit einem wahnsinnigen Panorama

Nach einer weiteren Nacht in Gorak Shep geht es ein paar Kilometer hinunter in ein Seitental. Chukhung heißt der herrliche Ort, in dem wir drei Mal nächtigen, einen Ausflug zum Island Peak unternehmen und ansonsten in der spätsommerlichen Sonne liegen. Von dort, wo man den Everest Trail verlässt und in das Tal von Chukhung einbiegt, hat man einen tollen 18Blick auf den Makalu, den dritten Achttausender unserer Tour. Der Makalu ist mit 8.485 Metern der fünfthöchste Berg der Erde, eine – von unserem Standpunkt im Nordwesten betrachtet – formschöne Pyramide. Für den Ausflug zum Basislager des Island Peak hatte und Daila, unser Sherpa-Führer, Leberkäse versprochen. Als wir dort im Küchenzelt sitzen, wird dann Cornedbeef mit Kartoffeln und Linsen serviert. Immerhin.

Das Wetter ist jetzt stabil schön. Das ist wichtig, denn als wir zwei Tage darauf wieder im Kloster Tengboche eintrudeln, sehen wir erst, welch grandioses Panorama uns auf dem Hinweg versagt geblieben war.

das Kloster in Tengboche mit dem unglaublichen Panorama

das Panorama vom Kloster Tengboche, hinten der Everest mit der typischen Schneefahne

Wenn man auf der Weide vor dem Kloster steht und nach Nordwesten guckt, erhebt sich direkt vor einem hoheitsvoll die Ama Dablam (6.814 m), einer der schönsten Berge der Welt. In 20 Kilometern Entfernung erstreckt sich die gewaltige Südwand des Nuptse über ihre gesamte Länge, die im Osten nur vom Gipfel des Lhotse und im Westen vom höchsten Punkt der Erde überragt wird, dem Everest. Wer hier mal gestanden hat, weiß, dass man dieses Panorama nie wieder vergessen wird. Es fällt mir schwer, diesen sagenhaften Ort, das Kloster von Tengboche, wieder zu verlassen.

Pizza und Apfelstrudel in Solokhumbu

NNur einen Tag später sind wir zurück in Namche Bazar. Auf dem Hinweg war die Höhe – Namche befindet sich auf 3.440 Meter – noch ein Problem, heute kommt uns die Luft so dick vor wie auf Meereshöhe. Schon auf dem Weg in Richtung Namche geistert ein Gerücht durch die Reisegruppe: Wir alle hätten auf dem Hinweg in Namche völlig übersehen, dass es eine deutsche Bäckerei im Ort gibt! Und tatsächlich, nachdem wir die Rucksäcke in der Lodge verstaut und die Trekkingklamotten gegen Jeans und T-Shirt getauscht haben, spurten wir hinunter in den Sherpa-Ort und finden den Backwarenladen „Herman Helmers Bakery“. Die Außenstelle einer deutschen Bäckerei in Katmandu verkauft hier Apfelstrudel, Zimtschnecken, Milchbrötchen und dunkles Brot, es schmeckt ganz hervorragend. Auf der Terrasse mit Blick über das in einen natürlichen Trichter hineingebaute Namche Bazar mundet es gleich doppelt so gut.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Luxus? Na ja. Aber immerhin so etwas wie „fließend Wasser“ in Chukhung

Ausgezehrt, wie ich bin – ich habe fünf Kilo Gewicht verloren – ist es eigentlich wenig sinnvoll, das Abendessen in der Lodge ausfallen zu lassen. Aber da es in Namche richtige, wenn auch schlichte Restaurants gibt, stürmen wir an diesem Abend, nur kurz nach dem Bäckereibesuch, die örtliche Pizzeria. Und was soll ich sagen: es hat großartig geschmeckt. Nicht, weil es endlich mal wieder westliches Essen war, nein, die Pizza war richtig gut. Italienisch fast. Und das im Hauptort der Solokhumbu-Region.

Bergsteigergarn

NNachdem wir uns nun zwei Wochen lang kulinarisch und alkoholtechnisch zurückgehalten haben, auf den Lodges gab es nur ab und an mal eine Dose Bier für umgerechnet drei Euro (spanisches San Miguel!), ist nun Matthäi am jüngsten – es gibt einen Irish Pub in Namche! Am Abend versammeln sich dort Trekkinggruppen wie wir, Solo-Trekker, Bergsteiger und Sherpa, um Billard zu spielen, viel Bier zu trinken und Bergsteigergarn zu spinnen. Ein vollbärtiger Schweizer Mitte 30 behauptet, er käme grad vom Pumori, aber irgendwie sieht er zu wohlgenährt aus, um glaubwürdig zu sein. Ich will aber nicht unhöflich sein, sondern spiele lieber eine Partie Billard gegen ihn. Er ist mir technisch haushoch überlegen, locht sich aber die Schwarze Acht irgendwann selbst ein.

Am nächsten Morgen brummt mir der Schädel, das Bier lief viel zu gut meine ausgedörrte Kehle hinunter. Beim Abstieg in Richtung Lukla zerre ich mir den Meniskus und muss die letzten Kilometer humpeln. Am Abend in Lukla gibt es ein Fest, es ist ein buddhistischer Feiertag, so genau habe ich es nicht verstanden. Bis in die Nacht hinein singen und tanzen die Sherpa ausgelassen, und nach nur vier Stunden Schlaf besteigen wir übermüdet die Twin Otter, die uns zurück nach Katmandu bringt. Und dort warten auch noch einige Überraschungen auf uns.


An welchem Ort der Welt, der Dich besonders beeindruckt hat, bist Du schon mal gewesen? Und was genau hat Dich daran so fasziniert? Teil‘ es uns gern mittels Deiner Kommentare mit und diskutiere mit anderen Lesern!


Zum Bluefacts Buch

Nicht vergessen: Bluefacts gib es jetzt auch als Buch! Gefallen Euch unsere Fakten? Dann holt Euch jetzt unser Buch 1.000 unglaubliche Fakten und unnützes Wissen. Wir freuen uns auf Euch.




Share.

About Author

Freier Journalist und Texter. Recherchiert und schreibt über alles, was nicht 08/15 ist und Eindruck hinterlässt. Ist gern unterwegs in der Weltgeschichte.