Trekking in über 5.000 Meter Meereshöhe ist nirgendwo auf der Welt ein Zuckerschlecken. In Nepal kommen aber noch äußerst ungünstige Faktoren hinzu: das schlechte Essen und der gefährlichste Flughafen der Welt!

Rucksäcke aus Blei

Klar kann man sich bei Youtube ansehen, wie die Kleinflugzeuge in Lukla landen und starten. Klar kann man da sehen, dass es Wahnsinn ist, dass die 500 Meter kurze Startbahn auf der einen Seite von einem hohen Berg begrenzt wird – und auf der anderen 600 Meter tief direkt ins Tal des Dudh Kosi abbricht. Man sollte das vielleicht nur nicht machen, wenn man weiß, dass man selbst dort landen wird in wenigen Tagen nach Zwischenstopps in Frankfurt, Katar und Katmandu. Aber dann sitzt man in dieser Twin Otter, in der nur 16 Menschen Platz finden, und sieht die Abbruchkante der Piste auf einen zurasen.

Ich will es nicht unnötig spannend machen: ich hab’s überlebt. Genau wie der Rest der Fluggäste, allesamt Deutsche, es ist die Trekkinggruppe, mit der ich drei Wochen unterwegs sein werde in Regionen, in denen die Luft sehr, sehr dünn wird. Angeführt wird die Truppe von Daila, dem Trekkingführer vom Volk der Sherpa, er hat zwei Sidekicks angeheuert, die an den Abenden in den Lodges für uns kochen werden. Das Essen für die gesamte Reise tragen sie in ihren riesigen Rucksäcken, sie müssen abartig viel wiegen. Und dann gibt es noch einige Träger, die die Reiserucksäcke von uns Touris schleppen, damit wir nur kleine Tagesrucksäcke auf dem Rücken haben. Aber auch die wirken ab einer gewissen Höhe so, als wären sie mit Blei bepackt.

Nepal-Trekking durch den Monsunnebel

Am Morgen in Katmandu war alles in tiefhängenden Wolken versteckt, die Sicht lag nur bei wenigen hundert Metern. Normalerweise erhalten die Twin Otter dann keine Starterlaubnis in Richtung Lukla, weil es auf dem Weg dorthin über immer höhere Bergrücken geht.

Die Start- und Landebahn in Lukla – am Ende bricht sie 600 Meter in die Tiefe ab

Die Start- und Landebahn in Lukla – am Ende bricht sie 600 Meter in die Tiefe ab

Schließlich fliegen wir doch los, eine halbe Stunde später vollführt der Pilot in der Luft eine abenteuerliche Pirouette, lässt die Maschine hinuntersacken in das Flusstal, um sie dann noch einmal hochzuziehen nach Lukla. Der kleine Ort ist in eine Regenwand gehüllt, mein Herz schlägt schneller. Vor Aufregung und vor Angst.

Mit wackligen Knien steigen wir aus dem Flieger in die Kälte. Die Wolken werden in den kommenden Tagen unsere Begleiter sein auf den 50 Kilometern zum Basislager des Mount Everest, für die wir acht Tage benötigen. Von Lukla aus geht es fast nur noch bergauf, über Namche Bazar, das Kloster Tengboche, den steilen Dukla-Pass auf den Khumbu-Gletscher ins 5.207 Meter hoch gelegene Gorak Shep. Eine Route mit den spektakulärsten Aussichten der Welt – aber wir gehen ab Namche nur noch durch Hochnebel, der sich als Monsunausläufer über den Nationalpark Sagarmatha in Ost-Nepal legt.

Endlich Berge

Nach zwei Akklimatisationstagen in Namche nehmen wir im Kloster an einem buddhistischen Ritual teil. Die Mönche sagen stundenlang ihr Mantra auf und trinken dazu Tee mit vergorener Yakbutter. Yaks sind hier oben allgegenwärtig,es gibt Yakbutter, Yakmilch und Yaksteak. Yakdung wird in Nepal getrocknet und zum Heizen in den Ofen geworfen. Während es an dem Oktoberabend draußen affenkalt ist, sitzen wir in der von Yakscheiße aufgewärmten Lodge in Dingboche, als nach Tagen der Nebel aufreißt und den Blick auf die zartrötliche Nordwand der Ama Dablam freigibt. Es ist ein bewegender Moment am Abend vorm Aufstieg über den Dukla-Pass.

Namche Bazar in der Morgensonne

Namche Bazar in der Morgensonne

Über Nacht sind die Wolken weg. Während wir über eine Hochalm wandern, rast linkerhand eine Lawine vom Cholatse ins Tal. Hoffentlich waren keine Bergsteiger in der Wand, denke ich. Der Dukla-Pass führt von 4.500 auf 5.000 Meter, und das auf einer Strecke, die nur einen halben Kilometer lang ist – der Anstieg ist die Hölle. Pro Schritt benötige ich zwei Atemzüge, die Luft hier ist so dünn, dass die Sauerstoffsättigung nur noch halb so groß ist wie auf Meereshöhe. Oben treffen wir auf unzählige Gedenksteine. Sie erinnern an die Opfer von Everest-Expeditionen. Einigen in der Gruppe geht es schlecht, die Höhenkrankheit schlägt zu. Das kann hier oben schnell lebensgefährlich werden. Doch nach einer Nacht in Lobuche sind alle erholt und die letzten vier Kilometer nach Gorak Shep kein Problem mehr. Gorak Shep wirkt wie das Ende der Welt, das es auch ist. Es gibt ein paar einfache Lodges – und das höchstgelegene Internetcafé der Erde. Zeit, um eine Mail nach Hause zu schreiben.

Zum zweiten Teil unserer Serie kommt ihr übrigens hier.


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About Author

Freier Journalist und Texter. Recherchiert und schreibt über alles, was nicht 08/15 ist und Eindruck hinterlässt. Ist gern unterwegs in der Weltgeschichte.