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Krieg im Jemen – Eine Zusammenfassung

Im Nahen Osten ist ein weiterer Krisenherd entstanden: der Jemen. Seitdem Saudi-Arabien begonnen hat, Stellungen im Jemen zu bombardieren, hat die Berichterstattung über die Region stark zugenommen. Worum es im Jemen geht und wie es dazu kam, erfahrt ihr bei uns.

Beginn des Konflikts im Jemen

Der aktuelle Konflikt im Jemen geht auf das Jahr 1994 zurück. Im Zuge des Bürgerkriegs im Jemen – in dem sich die Spannungen zwischen den wiedervereinigten Regionen Nord- und Südjemen entluden – entstanden die ersten schiitischen Kampftruppen. Die aus dem Norden stammenden Huthi fühlten sich von der sunnitischen Regierung benachteiligt und traten für eine Abspaltung des Nordens ein.

Saudi Arabien und Jemen
Karte der arabischen Halbinsel

Ab 2004 begannen schiitische Rebellen unter der Führung eines Geistlichen, sich erneut gegen die Regierung aufzulehnen und separatistischen Bestrebungen nachzugehen. Daraufhin sollte deren Führer Hussein al-Huthi verhaftet werden, was zu schweren Kämpfen zwischen Regierung und Huthi-Rebellen führte.

Al-Qaida auf der arabischen Halbinsel

Doch die Huthi-Rebellen sind nicht das einzige Problem Jemens. Auch die islamistische Terrororganisation Al-Qaida treibt in dem Land ihr Unwesen. Al-Qaida auf der arabischen Halbinsel (AQAP) bestand bereits von 2002 bis 2005 in Saudi-Arabien auf Befehl von Osama bin Laden. Auf den Einmarsch der USA im Irak 2003 reagierte AQAP mit einer Reihe von Anschlägen auf westliche Einrichtungen in Saudi-Arabien, da das saudische Königshaus der US-Regierung nahesteht. Weil saudische Behörden die Terrorgruppe aber erfolgreich bekämpfen konnte, flohen viele Anhänger in den Jemen.

Doch bereits zuvor war Al-Qaida im Jemen ansässig und durch Anschläge in Erscheinung getreten. Später, im Jahr 2009, schlossen sich die geflohenen Terroristen aus Saudi-Arabien mit der jemenitischen Gruppe zur heutigen AQAP zusammen – der Gruppe, die sich zum Anschlag auf Charlie Hebdo bekannte. Nachdem die Terrororganisation 2009 versuchte, ein Flugzeug einer US-amerikanischen Fluglinie zu sprengen, begannen die Vereinigten Staaten, sich verstärkt gegen AQAP zu engagieren. Interessanterweise kam es im Zuge der Eroberungen durch die Huthi auch zu Zusammenstößen mit Al-Qaida.

Soziale und wirtschaftliche Misstände im Jemen

Neben religiösen Motiven fußen die wiederkehrenden Konflikte und Aufstände sicher auch auf den sozialen sowie wirtschaftlichen Missständen im Jemen. So gehört das Land laut Human Poverty Index von 36,6 Prozent zu einem der ärmsten Länder der Welt. Ursächlich dafür dürfte u.a. das geringe Bildungsniveau sein: gerade einmal 50 Prozent der Bevölkerung können lesen und schreiben.

Da die Arbeitslosigkeit in dem Land hoch ist und keinerlei soziale Absicherungsmechanismen existieren, lebt ein Großteil der Bevölkerung in Armut. Hinzu kommen ein massives Bevölkerungswachstum, großer Wassermangel, wenige zur Landwirtschaft geeignete Flächen und gesundheitliche Missstände. Wie beispielsweise auch Nigeria’s Boko Haram zeigt, spielen solch desaströse Zustände extremistischen Gruppen direkt in die Karten.

Vormarsch der Huthi im Jemen

Um den fortgeführten Kämpfen gegen die Huthi Herr zu werden, eröffnete das jemenitische Militär 2009 eine erneute Offensive gegen die Rebellen. Zwischenfälle an der Grenze zu Saudi-Arabien riefen auch die USA auf den Plan. Sie unterstützten die Offensive mit Luftschlägen und standen dem Jemen durch die Bereitstellung von Waffen und logistischer Unterstützung im Kampf gegen die Rebellen zur Seite.

Logo der Huthi-Rebellen
Logo der Huthis im Jemen: „Gott ist groß! Tod den USA! Tod Israel! Verdammt seien die Juden! Sieg dem Islam!“

Später verständigten sich Regierung und Huthi auf eine Waffenruhe. Doch 2012 versank der Jemen abermals in einem Bürgerkrieg – diesmal landesweit. Infolge politischer Umwälzungen entglitt der Regierung schrittweise die Macht, sodass es den Rebellen gelang, weite Teile des Jemens unter ihre Kontrolle zu bringen. Am 22. Januar 2015 erklärte der Staatspräsident Hadi seinen Rücktritt und im Folgemonat wurde das jemenitische Parlament durch die Rebellen aufgelöst.

Saudi-Arabien interveniert

Der saudische König Salman warnte, dass der zunehmende Einfluss der Huthi und deren Aggressionen eine bedeutende Bedrohung für die Sicherheit und Stabilität auf der arabischen Halbinsel darstelle. Daher wurde die Operation Sturm der Entschlossenheit ins Leben gerufen. Unter diesem Namen bombardiert Saudi-Arabien seit dem 25.3. Stellungen der Huthi im Jemen.

Das explosive Moment der aktuellen Situation ist die vermeintliche Unterstützung der Rebellen durch den Iran. Angeblich wolle Teheran seinen Einfluss im Jemen stärken „und neben dem Libanon, Syrien und dem Irak eine neue geostrategische Schneise in den Nahen Osten zu schlagen„. Zwar verfügt der Jemen über keine nennenswerten Ölvorkommen, allerdings liegt das Land an der Meerenge Bab al-Mandab, über die täglich etwa vier Millionen Barrel Öl transportiert werden. Insofern wohnt dem Jemen eine strategische Bedeutung inne, um die Huthi sowie der Iran, die Zentralregierung – gestützt durch Saudi-Arabien und die USA – und Al-Qaida ringen. Vor diesem Hintergrund warnte der Nahost-Experte Yochi Dreazen vor einem offenen Krieg zwischen dem Iran und Saudi-Arabien.

Den US-Präsidenten Barrack Obama manövriert der Konflikt zwischen zwei Fronten: Einerseits unterstützen die USA die saudischen Luftangriffe gegen die Huthi und damit auch indirekt gegen den Iran. Andererseits bemüht sich John Kerry gerade um den Abschluss der Atomverhandlungen mit dem Iran. Dadurch hoffen die Amerikaner, die Verbreitung von Nukleartechnologie in der gefährdeten Region einzuschränken. Insofern ist von der US-Regierung aktuell viel Fingerspitzengefühl gefordert.

Neben den bereits durchgeführten Luftschlägen entschlossen sich arabische Staatschefs zur Formierung einer gemeinsamen Eingreiftruppe, die etwa 40.000 Elitesoldaten zählen soll. Unterstützung erhalten die Kämpfer von Kampfflugzeugen und Kriegsschiffen. Fünf solcher Schiffe werden im Augenblick von Ägypten im Roten Meer in Stellung gebracht.

Ob die von Saudi-Arabien geführte Allianz aus zehn Staaten, zuzüglich der Unterstützung von USA und Großbritannien, reichen wird, um die Rebellen in die Schranken zu weisen, ist unklar. Die Stärke der Hunthi wird auf 30.000 bis 100.000 Kämpfer geschätzt. Darüber hinaus verfügen sie über Artilleriegeschütze, Panzerabwehrraketen und schultergestützte Flugabwehrwaffen.

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