Nordkorea sorgt in den letzten Jahren aber insbesondere in den letzten Monaten für allerlei Besorgnis. Immer wieder werden Raketentests durchgeführt. Seit dem Manöver ist auch klar: Die USA könnten vermutlich bereits getroffen werden. Und genau damit droht Kim Jong-un den Vereinigten Staaten auch. Doch warum ist das Land eigentlich so isoliert? Warum sind Drohungen notwendig, um den Status Quo zu erhalten? Damit werfen wir einen Blick in die Geschichte.

Die Spaltung Koreas: Aus Brüdern wurden Feinde

Ab dem Jahre 1910 war Korea noch eine Kolonie des Japanischen Kaiserreichs. Doch am 15. August 1945 kapitulierte die Großmacht woraufhin die Region unter den Siegermächten USA und Sowjetunion aufgeteilt wurde. Über zwei Jahre hinweg konnte man sich nicht über ein vereinigtes Korea einig werden. Also brachten die USA das Thema vor die Vereinten Nationen, woraufhin ein Jahr später, 1948, Wahlen im südlichen Teil Koreas stattfanden.

Der siegreiche Koreaner Rhee Syng-man übernahm schließlich die Regierungsgeschäfte über die neu gegründete Republik Korea von der US-Militärregierung. Der sowjetische Norden rief daraufhin am 9. September 1948 die Demokratische Volksrepublik Korea aus. Als Präsident wurde durch Stalin der Koreaner Kim Il-sung eingesetzt, ein früherer Hauptmann bei der Roten Armee.

Beide Seiten wollten Anspruch auf das ganze Land geltend machen, sodass es an der Grenze sogar zu kleineren Gefechtshandlungen kam. Kim Il-sung war zu dieser Zeit bereits auf Krieg bedacht, doch Stalin war es, der eine offene Auseinandersetzung mit den USA fürchtete. Zudem war das nordkoreanische Militär schlecht ausgebildet. Im Verlauf des Jahres 1949 wurde es aber mit russischen Waffen ausgerüstet und nach dem Vorbild der Roten Armee geformt.

Als dann der US-Außenminister im Januar 1950 indirekt angab, dass die Vereinigten Staaten nicht um Korea kämpfen würden, gelang es Kim Il-sung im darauffolgenden April Josef Stalin zu überreden, die Freigabe für eine Invasion zu erteilen.

Der Koreakrieg: Bruder gegen Bruder

Am 25. Juni 1950 übertraten Soldaten der Nordkoreanischen Volksarmee die Grenze zu Südkorea und die Luftwaffe bombardierte einen US-Luftwaffenstützpunkt. Der Krieg auf der koreanischen Halbinsel war ausgebrochen und indirekt standen sich die Sowjetunion und die USA gegenüber. Zu dieser Zeit war der Norden dem Süden militärisch überlegen. Daran konnte zunächst auch die US-Luftunterstützung nichts ändern, sodass Soeul den Nordkoreanern bereits kurz nach Kriegsbeginn in die Hände fiel.

Die US-Streitkräfte greifen verstärkt ein

Gedenkstätte zum Korea-Krieg in Washington D.C.

Mitte des Jahres setzten die USA auch Bodentruppen ein. Zusätzlich beteiligte sich Australien auf Seiten Südkoreas durch Luftschläge gegen die Kommunisten. Trotzdem kontrollierte Nordkorea im September fast die gesamte Insel. Doch mithilfe weiterer US-Truppen, die hinter der Front landeten, konnte man Nordkoreas Nachschub in den Süden unterbrechen und weite Landstriche zurückgewinnen. Sogar die komplette Zerschlagung der Kommunisten schien möglich und damit auch die Wiedervereinigung Koreas.

Doch China fürchtete ein vereinigtes Land unter US-Einfluss und warnte mehrfach vor einer Überschreitung der Grenzlinie am 38. Breitengrad. Die USA spekulierten aber darauf, dass China nach dem Ende seines 22 Jahre dauernden Bürgerkriegs nicht in das Geschehen eingreifen würde. Einen offenen Konflikt wollten die Chinesen in der Tat vermeiden. Doch das Vordringen der USA in Richtung chinesischer Staatsgrenze zwang Mao zum Handeln. So entsendete er keine regulären Truppen, sondern eine Volksfreiwilligenarmee, die die Amerikaner und Südkoreaner zurückzudrängen vermochte. Der inoffiziellen Unterstützung Russlands konnte sich Mao angesichts dieses Erfolges sicher sein.

China drängt die USA zurück

Trotz des Rückschlags massierte der US-Oberkommandeur MacArthur seine Truppen und stieß wieder Richtung Norden. Doch die Chinesen waren unerwarteter Weise zahlenmäßig weit überlegen, sodass ein umfangreicher Gegenangriff erfolgte. Kurz vor Weihnachten 1950 zog sich die US-Armee unter großen Verlusten nach Südkorea zurück.

In den nächsten Monaten kam es zu wechselseitigen Gebietseroberungen, einem erbitterten Stellungskrieg an der ursprünglichen Grenze und zahlreichen US-Luftangriffen im Norden. Man schätzt, dass dabei etwa zehn Prozent der nordkoreanischen Bevölkerung umkam. Infolge der hohen Verluste – auch auf Seiten Südkoreas sowie der USA – waren die Konfliktparteien zu Gesprächen bereit. Während sich das Kriegsgeschehen fortsetzte, traten die Verhandlungen aber monatelang auf der Stelle. Doch im Juli 1953 konnte der Krieg schließlich beendet werden.

Waffenstillstand aber kein Frieden

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Propagandaposter von Kim Il-sung, Quelle: Wikipedia/Gilad Rom

Nach dem Waffenstillstand mit den Amerikanern sann Kim Il-sung zunächst auf Machtsicherung, indem er China-treue Parteigenossen ausschloss. Doch die Sowjetunion sowie China drohten ihm als Reaktion mit Absetzung. Angesichts dieser Bedrohungen von außen verstärkten sich seine isolationistischen Bestrebungen. Trotz der Warnungen des Auslands konnte er seine Macht weiter festigen und seine parteiinterne Säuberung durchführen. Machtsicherung war also der erste wichtige Impuls für die Abnabelung des kommunistischen Regimes vom Rest der Welt.

Der Bruch mit Russland

Nachdem China und die Sowjets sich über die Entwicklung des Kommunismus uneins waren und Nordkorea Stellung beziehen musste, brach man mit Moskau und orientierte sich nach China. Dies führte zu einer härteren Haltung gegenüber Südkorea, die die Förderung von Untergrundgruppen einschloss. Dies war dem Wegfall des – entgegen der damaligen Meinung der USA – gemäßigten Einflusses der Sowjetunion geschuldet.

Bis zum Ende der 60er Jahre konnte nicht nur die politische sondern auch die ökonomische Situation des Landes verbessert werden. Doch überdimensionierte Militärausgaben, ein Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion und der Mangel an Konsumgütern warfen die Wirtschaft stark zurück. Daraus resultierte die fortschreitende Überlegenheit Südkoreas. Um die eigene Bevölkerung hierüber aber im Unklaren zu lassen, isolierte sich Nordkorea noch weiter vom Ausland. Doch weil auch der Bruch mit den Russen für die ökonomische Talfahrt mitverantwortlich war, strebte Kim Il-sung ab Mitte der 60er Jahre wieder eine Normalisierung der Beziehungen an.

Entführungen, Spionage und Gefechte

Die späten 60er sowie die 70er und 80er Jahre waren geprägt von aggressivem Verhalten Nordkoreas. Man unterstützte regierungsfeindliche Truppen in Südkorea, kaperte ein US-Spionageschiff aus internationalen Gewässern und entführte Südkoreaner und Japaner. Man vermutet, dass seit dem Koreakrieg über 3.800 Personen nach Nordkorea entführt worden sind. Auch kleinere Gefechte an der Grenze wurden durch bewusste Übertretungen selbiger immer wieder provoziert.

Auch vor der südkoreanischen Führung machte der Zorn Kim Il-sungs nicht halt. Bei einem Besuch in Burma fiel eine ranghohe Delegation einem Terrorakt zum Opfer. Und im Jahr 1987 reihte sich auch ein Attentat auf ein südkoreanisches Passagierflugzeug in die Liste der von Nordkorea begangenen Verbrechen ein.

Nordkorea

Für absolut notwendige Bauwerke wie die Statuen von Kim Il-sung und Kim Jong-il ist immer genug Geld vorhanden, Quelle: Wikipedia/J.A. de Roo

Kim Jong-il übernimmt die Herrschaft

Am 8. Juli 1994 verstarb der Ewige Präsident, wie Kim Il-sung auch genannt wurde und sein Sohn Kim Jong-il übernahm die Amtsgeschäfte nach der offiziellen Trauerzeit von drei Jahren. Zu dieser Zeit war der Kommunismus in der Welt bereits auf dem Rückzug. Von diesen Beobachtungen geängstigt, beschloss man, die stalinistische Linie fortzuführen. Eine Abkehr, so fürchtete man, könnte einen Umsturz einleiten.

Während der Diktator also machthungrig war und daher nicht willens, einen gemäßigteren Kurs zu fahren, war die Bevölkerung tatsächlich hungrig. Nachdem der Ostblock zerfiel, war die Zufuhr billigen Öls nach Nordkorea unterbrochen. Da Landwirte den Großteil ihrer Maschinen nun nicht mehr betreiben konnten, ging die Ernte stark zurück. So brach eine gewaltige Hungersnot aus, die schätzungsweise zehn Prozent der Bevölkerung das Leben gekostet haben könnte. Noch heute sind viele Menschen in Nordkorea chronisch unterernährt. 

Annäherung zwischen Nord und Süd scheitert

Im Jahr 1998 übernahm Kim Dae-jung die Staatsgeschäfte Südkoreas. Der Präsident strebte eine Besserung der Beziehungen zum Norden an, die zunächst Früchte trugen. Verbindungsstraßen wurden saniert, Familienbesuche gestattet, ein Gipfeltreffen der Staatschefs abgehalten und sogar Sonderwirtschaftszonen eingerichtet. Auch nach Kim Dae-jungs Abdanken hielt die oberflächliche Freundschaft. Doch 2008 erschoss ein nordkoreanischer Soldat aus ungeklärten Umständen eine Südkoreanerin, was zum raschen Abkühlen der Beziehungen führte.

Als Kim Dae-jung 2009 starb und eine nordkoreanische Delegation nach Südkorea reiste um ihm ihre Ehre zu erweisen, kam es zu bilateralen Gesprächen. Doch auch diese Hoffnung auf eine Wiedervereinigung wehrte nur kurz. Bereits ein Jahr später sank ein südkoreanisches Kriegsschiff nach dem Beschuss durch einen nordkoreanischen Torpedo. Eine weitere Aggression folgte ebenfalls 2010 als Nordkorea eine Insel im Süden mit über 100 Granaten beschoss. Zwei Menschen kamen bei diesem Angriff ums Leben. Dass diese Attacke ohne Folgen blieb, zeigt dass ein Krieg auf der koreanischen Halbinsel nicht das Ziel der Beteiligten ist.


Kim Jong-un betritt die Weltbühne

Kim Jong-un kam an die Macht nachdem sein Vater am 17. Dezember 2011 das Zeitliche segnete. Zunächst sah es danach aus, dass sich Korea der Welt langsam öffnen wird, um der darbenden Bevölkerung eine neue Perspektive zu geben. Nur durch den Handel mit anderen Nationen, gegenseitige Investitionen und ein Ende der Sanktionen hätte man den Landsleuten zu mehr Wohlstand und einem Ende des Hungers verhelfen können. Doch nicht einmal ein Jahr später war davon schon keine Rede mehr. Also setzte er die kommunistische Wirtschaftspolitik seiner Vorväter fort. Auch in Sachen Machterhalt beschreitet er den gleichen Weg. Denn im Dezember 2013 beendete er einen internen Machtkampf indem er seinen Onkel, den stellvertretenden Vorsitzenden der Nationalen Verteidigungskommission, verhaften und hinrichten ließ.

Das nordkoreanische Atomprogramm

Wie die Geschichte gezeigt hat, gab es immer wieder Aggressionen des Nordens gegen den Süden. Doch seit Nordkorea zur Atommacht aufzusteigen versucht, werden besonders auch die USA durch Kim Jong-un bedroht. Doch er war nicht der Urheber des Programmes. Denn bereits seit Kim Jong-il arbeiten nordkoreanische Forscher an der Kernwaffentechnologie. Glaubt man der öffentlichen Bekanntgabe vom 10. Februar 2005, dann verfügt das isolierte Land inzwischen wirklich über Nuklearwaffen. Das ist insofern glaubhaft, dass der Chefentwickler des pakistanischen Kernwaffenprogramms, Abdul Kadir Khan, 2004 den Verkauf geheimer Nuklearwaffenpläne an Nordkorea eingestand.

Propagandafoto von Kim Jong-un, Quelle: Flickr/Vietnam Mobiography

Atommacht Nordkorea

Die erste atomare Sprengung soll am 9. Oktober 2006 unterirdisch stattgefunden haben. Dies wird zwar von mehreren unabhängigen Quellen bestätigt, jedoch ist man sich uneins, ob es tatsächlich eine Kernwaffe gewesen sein könnte. Der UN-Sicherheitsrat reagierte mit Sanktionen. Diese wurden 2009 nochmals verstärkt als angeblich ein erneuter Kernwaffentest durchgeführt wurde. Japan stoppte sogar prompt sämtliche Exporte nach Nordkorea. Ein weiterer Test einer diesmal deutlich stärkeren Bombe fand im Februar 2013 statt. Die Sanktionen seitens der UNO wurden abermals verschärft. Als Reaktion drohte Kim Jong-un Südkorea und den USA mit einem Präventivschlag. 

Doch obwohl die Sanktionen sicher schmerzen – am meisten die Bevölkerung – setzte das Land seinen aggressiven Ton fort und führte 2016 erneut Waffentests durch. Darunter soll sich auch eine Wasserstoffbombe gefunden haben, was Experten allerdings bezweifeln. Laut chinesischen Schätzungen verfügt Nordkorea aber über 20 Atombomben – besorgniserregend genug.

Nordkorea könnte die USA treffen

Während das Atomprogramm vorangetrieben wurde, kam auch die Raketenforschung immer weiter. Im Juli 2017 testete Nordkorea erfolgreich eine Interkontinentalrakete vom Typ Hwasong-14. Sie flog in einem steilen Winkel etwa 930 Kilometer weit, was bei einem normalen Startwinkel Schätzungen zufolge einer Reichweite von 6.700 Kilometern entsprechen könnte. Damit könnte Kim Jong-un immerhin Alaska treffen. Würde die Rakete optimal funktionieren, so läge sogar eine Reichweite von 8.000 Kilometern im Bereich des Möglichen. Der nächste Schritt ist also die Reduktion der Größe und des Gewichts der Atombomben, um sie transportfähig zu machen. Sollte dies gelingen, kann es auf der Welt dunkel werden. Hoffen wir, dass alle Beteiligte einen kühlen Kopf bewahren!


Was sagt Ihr zur Entwicklung des kommunistischen Landes? Könnt ihr es nachvollziehen, ein Volk hungern zu lassen nur um die eigene Macht nicht zu verlieren? Wie akut ist Eurer Meinung nach die Bedrohung durch Nordkorea? Wir sind gespannt auf Eure Meinungen!


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About Author

Mich faszinieren besonders politische sowie wirtschaftliche Zusammenhänge in der Welt. Dazu recherchiere ich gern selbst und werde euch die Früchte meiner Arbeit regelmäßig präsentieren. Außerdem liebe ich Filme, sodass ihr euch auch auf das ein oder andere Review freuen dürft.