Seit März 2011 tobt in Syrien ein furchtbarer Krieg zwischen dem syrischen Regime unter der Führung von Präsident Baschar al-Assad und den Rebellen, die Assads Absetzung fordern. In dem blutigen Konflikt kamen bereits unzählige Menschen zu Tode und Millionen befinden sich auf der Flucht nach Europa. Dieser Flüchtlingsstrom wiederum sorgt seit 2015 hierzulande für große Uneinigkeit und stellt den Kontinent vor enorme Probleme. Angesichts der unterschiedlichen Interessen anderer Länder am Ausgang des Syrien-Kriegs und der enormen Bedrohung durch den Islamischen Staat hat der Konflikt Auswirkungen auf die ganze Welt. Lest deshalb im Folgenden unsere Zusammenfassung des Syrien-Kriegs. Zunächst werden wir die Probleme des Landes beleuchten, die zum Übergreifen des Arabischen Frühlings auf Syrien geführt hatte. Im Anschluss beschreiben wir den Verlauf des Syrien-Kriegs und legen dar, welche Interessen die einzelnen Konfliktparteien verfolgen. Zum Schluss gibt es für eilige Leser natürlich auch eine kurze Zusammenfassung des Syrien-Kriegs.

Arabischer Frühling

Die Selbstverbrennung in Tunesien brachte den Stein ins Rollen

Wie begann der Syrien-Krieg? Ins Rollen brachte den Stein der Arabische Frühling. So werden die im Dezember begonnenen Proteste in der arabischen Welt genannt, die am 17. Dezember 2010 ihren Anfang in Tunesien nahmen. Um ein dramatisches Zeichen gegen Polizeiwillkür und Demütigungen zu setzen, zündete sich der 26-jährige Gemüsehändler Mohamed Bouazizi selbst an. Das versetzte die Bevölkerung in Unruhe, sodass sich landesweite Proteste formierten, die auch Tote forderten. Aufgrund des zunehmenden öffentlichen Drucks flüchtete Präsident Zine al-Abidine Ben Ali am 14. Januar 2011 gemeinsam mit seiner Ehefrau nach Saudi-Arabien und beendete damit seine 23 Jahre andauernde Herrschaft.

Paris Protest Tunesien

Auch in Paris solidarisierten sich die Menschen mit den Tunesiern, Quelle: Flickr/anw

Andere arabische Länder lehnten sich ebenfalls auf

Durch den Erfolg der tunesischen Bevölkerung bei der Auflehnung gegen das herrschende Regime ließen sich auch die Menschen in anderen arabischen Ländern anstecken. In Ägypten formierte sich im Januar 2011 ein Aufstand, der einen Monat später zur Absetzung des langjährigen Staatspräsidenten Husni Mubarak und der Einsetzung einer vorübergehenden Militärregierung führte.

Auch in Libyen machte die Bevölkerung ihrem Ärger Luft und forderte die Amtsenthebung des Machthabers Muammar al-Gaddafi. Nach Unzähligen Demonstrationen, gewaltsamen Handlungen und dem internationalen Kampfeinsatz westlicher Staaten wurde Gaddafi schließlich gestürzt. Darüber hinaus kam es im Zuge dieser Entwicklungen in 14 anderen arabischen Staaten zu politischen Umwälzungen – darunter auch in Syrien.

Syrien wurde angesteckt – Beginn des Bürgerkriegs (2011)

Zu den mit Abstand größten Verwerfungen kam es in Syrien. Den Anfang machten Demonstrationen, denen sich in kurzer Zeit tausende Bürger anschlossen. Auch hierbei forderten die Menschen mehr politische Freiheit und eine neue Regierung. Ein bedeutender Grund für die Unzufriedenheit der Menschen war die wirtschaftliche Not des Landes. Aufgrund hohen Bevölkerungs- aber fehlendem Wirtschaftswachstum verschuldete sich Syrien in den letzten Jahren immer weiter. Zudem machten dem Land in der kürzeren Historie vor allem mehrere Dürren und in der längeren die heftigen Ölpreiseinbrüche zu schaffen. Außerdem bietet die Divergenz zwischen der Struktur des syrischen Staates auf der einen Seite und der Bevölkerung auf der anderen reichlich Konfliktpotenzial. Denn während die Bevölkerung zu über 70 Prozent aus Sunniten besteht, wird die Regierung hauptsächlich von Alawiten gebildet, die allerdings lediglich einen Anteil von zwölf Prozent an der Bevölkerung haben. Weitere Kritikpunkte der Demonstranten sind die staatliche Kontrolle der Medien, die Ungleichbehandlung der Bevölkerung, das Verbot regimekritischer Äußerungen und das diktatorische Einparteiensystem, das von Assads Baath-Partei vollständig dominiert wird.

Trotz einer Regierungsneubildung – allerdings weiterhin mit Präsident Baschar al-Assad an der Spitze – sowie der Aufhebung des seit 1963 geltenden Notstandsgesetzes weiteten sich die Proteste vom Epizentrum Daraa auf das ganze Land aus. Die Demonstrationen wurden durch Sicherheitskräfte häufig gewaltsam aufgelöst, woran ab April 2011 auch die syrische Armee beteiligt war. Hunderte Regimekritiker fanden so den Tod und viele tausend wurden verhaftet.

Bashar al Assad

Syriens Präsident Baschar al-Assad, Quelle: www.kremlin.ru

Im Juni 2011 formierten sich übergelaufene syrische Soldaten sowie Zivilsten als Reaktion auf den brutalen Umgang mit friedlichen Demonstranten zur Freien Syrischen Armee (FSA). Denn seit Ende Mai begann Assad, schwere Waffen wie Panzer gegen die Rebellen also das eigene Volk einzusetzen. Trotz der steigenden Aggressivität der Regierung trieb es immer mehr Menschen auf die Straße – teilweise versammelten sich im ganzen Land über eine Million Bürger, um gegen das Establishment zu protestieren.

Das Ausland reagierte mit klaren Worte auf die Brutalität des Assad-Regimes und forderte dessen Rücktritt. Im September 2011 folgten dann erste konkrete Maßnahmen, indem sich die Europäische Union mit einem Öl-Embargo zu ersten Sanktionen gegen den arabischen Staat durchring. Bereits einen Monat später schien sich Assad der Gefahr einer westlich geführten Militäroperation bewusst zu werden – er warnte vor äußeren Eingriffen, da dies die gesamte Region destabilisieren könnte.

Nachdem auch die Arabische Liga – eine internationale Organisation aus 22 arabischen Staaten – die Gewalttaten verurteilte, wurde im November zwischen syrischer Regierung und dem Staatenbund eine Vereinbarung getroffen, die das gewaltsame Vorgehen gegen Demonstranten verbot. Dennoch intensivierte Assad seine Bemühungen, die Oberhand im Land zu behalten, indem die umkämpfte Stadt Homs nun sogar unter Artilleriebeschuss genommen wurde. Angesichts des Bruchs der getroffenen Abmachung, folgte die Suspendierung Syriens aus der Arabischen Liga.

Der Verlauf des Syrien-Konflikts

2012: Syrien-Krieg fordert Hunderte Opfer – Frieden nicht in Sicht

Im Februar 2012 wurde im UN-Sicherheitsrat ein zweiter Versuch gestartet, um eine Resolution zur Verurteilung der Gewalt in Syrien zu verabschieden, jedoch scheiterte die Abstimmung am Veto Russlands und Chinas. Unterdessen nahm der Syrien-Krieg an Gewalttaten zu, als die syrischen Regierungstruppen mit der Bombardierung der Stadt Homs im Westen Syriens begannen, wobei auch Journalisten getötet wurden. Angesichts der technischen Unterlegenheit der Rebellen gegenüber Assads Militär, forderten die USA Waffenlieferungen an die syrische Opposition. Ebenfalls im Februar bemühten sich die Vereinten Nationen verstärkt um eine friedliche Lösung des Syrien-Konflikts. Hierzu wurde Kofi Annan – früherer UN-Generalsekretär – zum Sondergesandten für Syrien ernannt.

Karte Syrien

Karte des Nahen Ostens mit den wichtigsten syrischen Städten

In den folgenden Wochen prangerte Amnesty International die Anwendung der Folter durch Regierungskräfte an. Währenddessen rief der UN-Sicherheitsrat zur Einhaltung von Kofi Annans Friedensplan auf. Dieser beinhaltete unter anderem einen Waffenstillstand und den Beginn eines Dialoges zwischen Regierung und Rebellen. Assad stimmte diesem Vorgehen zwar zu, ging aber weiterhin mit aller Härte gegen seine Gegner vor. Doch auch von Seiten der Rebellen kam es zu Brüchen der Waffenruhe. Im Mai 2012 folgten weitere Anschläge der Terrorgruppe al-Nusra Front, die zu al-Qaida gehört und bereits im Vorjahr durch blutige Selbstmordattentate auf sich aufmerksam machte.

Das weitere Jahr war von schweren Kämpfen zwischen der Assad-Regierung und den Rebellen geprägt. In Aleppo wurden inzwischen sogar Kampfjets, Raketenwerfer und Helikopter gegen das eigene Volk gerichtet. So kamen auch die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass ein Großteil der Kriegsverbrechen durch Regierungstruppen begangen werden – insbesondere die systematische Folter von Gefangenen wurde erneut verurteilt. Angesichts der rüden Praktiken von Syriens Machthaber Assad, wurde eine UN-Beobachtermission ins Leben gerufen, die durch die anhaltende Gewalt allerdings deutlich erschwert wurde.

2013: Terrorismus und Chemiewaffen verschärfen die Lage

Im Zuge der harten Gefechte zwischen Assad und der Freien Syrischen Armee machten sich seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs bis Februar 2013 bereits 650.000 Menschen auf den Weg in Nachbarländer. Zum einen verwendeten inzwischen auch die Rebellen schwere Waffen wie Mörser, um Damaskus zu bombardieren. Doch darüber hinaus war das Jahr 2013 von mutmaßlichen Giftgas-Angriffen auf beiden Seiten des Konflikts geprägt. Im Mai gaben die Vereinten Nationen auf Basis von Zeugenaussagen an, dass die Rebellen das Giftgas Sarin eingesetzt hätten. Diese Gräueltaten führten im Jahresverlauf zu einer deutlichen Beschleunigung der Flüchtlingsdynamik, sodass in den Industriestaaten im Jahr 2013 erstmals die größte Zahl von Asylanträgen durch Syrer gestellt wurde.

Der Einsatz chemischer Waffen

Auch die USA sprachen vom Einsatz chemischer Waffen, allerdings durch das Assad-Regime. Russland schloss sich den Vorwürfen an, jedoch wurden die dafür vorgelegten Beweise  später von den Vereinten Nationen als nicht aussagekräftig genug eingestuft. Trotzdem nährten weitere Indizien den Verdacht, dass die syrische Regierung nicht vor dem Einsatz chemischer Waffen zurückschreckte, da ein französischer Reporter einen solchen Angriff miterlebt haben will. Selbst in einem späteren UN-Bericht vom August konnten bislang noch keine belastbaren Beweise für den Giftgas-Einsätze nachgewiesen werden.

Chemiewaffen Ghuta

Beim Giftgas-Angriff auf Ghuta getötete Kinder, Quelle: Wikipedia/محمد السعيد

Auch weil diese Beweise fehlten, konnten Großbritannien, Frankreich und die USA sich noch nicht zu dem avisierten Militärschlag durchringen. Ein anderer Grund war, dass Assad bereits im April vor einem militärischen Eingreifen von außen warnte, da Terroristen in Syrien sonst zu einem ebenso großen Problem wie in Afghanistan werden würden. Einen Monat später konnte eine UN-Untersuchung den Giftgas-Angriff von Ghuta östlich von Damaskus am 21. August 2013 nachweisen. Welche Partei für die Tat verantwortlich war, blieb allerdings nach wie vor umstritten.

Erbitterte Gefechte um Aleppo

Das allgemeine Kriegsgeschehen betreffend, kam es immer wieder zu Attacken auf Schlüsselstellungen der jeweils gegnerischen Konfliktpartei. Die Rebellen weiteten die Kämpfe daher auf bisher nicht umkämpfte Gebiete wie die Stadt Hama aus, um Entlastung an anderen Fronten zu schaffen. Dennoch zog die Regierung mehr Kräfte an wichtigen Positionen wie der Stadt Aleppo zusammen – auch die seit Anfang 2013 am Syrien-Krieg beteiligte schiitische Miliz Hisbollah aus dem befreundeten Libanon kam der Regierung zu Hilfe. Bei diesen und vorangegangenen schweren Kämpfen wurden in Aleppo mehrere Gebäude, die zum Weltkulturerbe gehörten, zerstört oder stark beschädigt.

Auch die besonders gefährlichen Fassbomben kamen bei mehreren Angriffen auf die historisch bedeutsame Stadt zum Einsatz. Als Fassbomben werden mit Metallstücken sowie Sprengstoff gefüllten Fässer bezeichnet, die bei Detonation nicht nur aufgrund ihrer hohen Sprengkraft jede Menge Schaden anrichten, sondern durch die umherfliegenden Splitter auch Menschen in der näheren Umgebung schwer verletzen oder sogar töten können.

Aleppo Syrien

Aleppo im November 2011, Quelle: Flickr/Craig Jenkins

Der Terrorismus wird zur zunehmenden Gefahr

Was den syrischen Bürgerkrieg so gefährlich und unberechenbar machte, war nicht ausschließlich Assads Bestreben um jeden Preis im Amt zu bleiben, sondern insbesondere die Beteiligung verschiedener terroristischer Gruppen. Im Jahr 2013 trat verstärkt der Islamische Staat im Irak und Syrien (ISIS) in Erscheinung. So eroberte die islamistische Terrorgruppe im November die syrisch-türkische Grenzstadt Atma von den Rebellen, da sie einen wichtigen Transitpunkt für Waffen und Nachschub darstellt. Weiterhin kam es zu Kämpfen zwischen Kurden und al-Nusra im Norden Syriens und zu Gewalttaten durch al-Qaida-nahe Gruppen gegen die Zivilisten einer Reihe von alawitisch geprägten Dörfern.

Seit 2013 beschränkte sich der Syrien-Konflikt nicht mehr ausschließlich auf das syrische Staatsgebiet, auch im Libanon fanden inzwischen Kämpfe statt. Denn die Hisbollah, vom Westen und Israel als terroristische Vereinigung eingestuft, wurde als Vergeltung für Aleppo im eigenen Land durch syrische Rebellen attackiert. Auch mit der Türkei ereigneten sich mehrere Zwischenfälle: Einerseits kam es an der syrisch-türkischen Grenze zu einem Schusswechsel zwischen Türken und syrischen Rebellen und andererseits schoss die türkische Luftwaffe einen Helikopter der syrischen Armee ab, der angeblich ihren Luftraum verletzt habe.

Planung von Friedensverhandlungen gestaltet sich schwierig

Unterdessen bemühten sich die Vereinten Nationen weiterhin um eine friedliche Lösung des Syrien-Kriegs. In Genf plante man umfangreiche Friedensgespräche, jedoch war es alles andere als leicht, die Konfliktparteien an einen Tisch zu bekommen.  Die Opposition brachte ihre militärische Unterlegenheit als Begründung für das geplante Nichterscheinen an, da sie deshalb bei Verhandlungen ohnehin kein Druckmittel hätte. Der UN-Sicherheitsrat traf sich im Juni deshalb bereits vorab mit den Aufständischen, um vielleicht doch auf eine Einigung hinarbeiten zu können. Diese beharrten allerdings auf einer Absetzung Assads, sodass zunächst keine Lösung in Sicht war, da dieser nicht gewillt war, sein Amt niederzulegen.

Ein halbes Jahr später war es immer noch nicht zu gemeinsamen Gesprächen gekommen, da die Positionen unvereinbar schienen. Deshalb kündigten die Freunde Syriens – eine Kontaktgruppe verschiedener westlicher und arabischer Staaten – an, bei künftigen Verhandlungen nicht mehr die Absetzung Assads zu fordern. Sie begründeten ihren Sinneswandel mit der zunehmenden Bedrohung durch den Terrorismus. Würde Assad tatsächlich zurücktreten, entstünde in der Region ein Machtvakuum, das die Dschihadisten versuchen würden auszufüllen. Da ISIS zu diesem Zeitpunkt bereits größere Gebiete in Nordsyrien unter seine Kontrolle gebracht hatte, wäre eine zügige Ausweitung ihrer Macht tatsächlich zu vermuten gewesen.

Im Vorfeld der Gespräche wurde darüber hinaus eine vorläufige Waffenruhe vereinbart, jedoch hielt diese nicht einmal einen ganzen Tag lang. Und so setze sich das Blutvergießen Tag für Tag fort. Im Zuge dessen warf Human Rights Watch der syrischen Luftwaffe vor, sie sei entweder „kriminell inkompetent, kümmere es nicht, ob sie zahllose Zivilisten töte – oder ziele absichtlich auf zivile Gebiete“. Auch die UN teilte erneut ihre Besorgnis über die aktuelle Situation mit: Sie klagte Assad der Verschleppung, Inhaftierung und Folter von Regierungsgegnern an.

2014: Terroristen weiter auf dem Vormarsch, UN-Hilfsmissionen, Beseitigung von Chemiewaffen

Das Jahr 2014 war vor allem vom weiteren Fortschreiten des Terrorismus durch verschiedene Gruppen aber vor allem durch den Islamischen Staates geprägt. Besonders durch das Verbreiten von Enthauptungsvideos mehrerer Journalisten überzeugten sie die Welt von ihrer grenzenlosen Grausamkeit. Ein weiterer Höhepunkt des Syrien-Kriegs im Jahr 2014 war die teilweise Beseitigung von Assads Chemiewaffen-Arsenal. Außerdem gelangen nach vielen Unwägbarkeiten erstmal humanitäre Hilfsgüter ins Land, doch die Kämpfe gingen mit unverminderter Härte weiter.

Islamischer Staat

Bewaffneter Konvoi von ISIS, Quelle: Flickr/Day Donaldson

Kriegsgeschehen und internationale Gegenmaßnahmen

Bis zum Februar des Jahres 2014 waren dem Bürgerkrieg in Syrien insgesamt bereits über 140.000 Menschen zum Opfer gefallen. Diese Zahl beschleunigte sich im Jahresverlauf noch deutlich auf weit über 200.000, was zeigt, dass der Syrien-Krieg 2014 noch deutlich an Dynamik gewonnen hat. Gerade in den ersten Monaten des Jahres stand Aleppo unter schweren Bombardements, wobei erneut Fassbomben durch die syrische Regierung zum Einsatz kamen. Human Rights Watch registrierte von Dezember 2013 bis März 2014 über 340 hochexplosive Bomben in dem von Rebellen kontrollierten Teil Aleppos. Diese Gewaltzunahme veranlasste insgesamt 3,2 Millionen Syrer dazu, ihre Heimat zu verlassen und führte zu einer wahren Flüchtlingsschwemme, die insbesondere den Libanon erreichte. Mit 4,1 Millionen Einwohnern und einer Million syrischen Flüchtlingen stand das Land vor einer enormen Herausforderung. Infolge der heftigen Angriffe zogen sich die Rebellen im November aus Aleppo zurück.

Die zügellose Aggressivität im Syrien-Krieg veranlasste den Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen dazu, eine Resolution zu verabschieden, die sämtlichen Kriegsparteien Gewalt gegen Zivilisten verbietet und zum gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus aufruft. Gleichzeitig wurden insbesondere die syrische Regierung aber auch die anderen Parteien dazu aufgerufen, dringend benötigte humanitäre Hilfe ins Land zu lassen. Eine weitere Resolution wurde später von Frankreich eingebracht – nach dieser sollte der internationale Strafgerichtshof die von beiden Seiten des Syrien-Konflikts begangenen Kriegsverbrechen untersuchen. Insbesondere die Folterpraktiken Assads wurden durch die Aufnahmen des Militärfotografen mit dem Codenamen Caesar eindeutig bewiesen. Seit März 2011 wurden über 40.000 Menschen inhaftiert, darunter zahllose Menschenrechtler sowie Mitarbeiter von Medien und Hilfsorganisationen. Russland und China blockierten die Resolution jedoch durch ihr Veto, während 62 andere Nationen sich dafür aussprachen. Somit war eine Anklage durch den internationalen Strafgerichtshof nicht möglich.

Eine weitere Reaktion auf das Kriegsgeschehen war, dass die umfangreichen Wirtschaftssanktionen wie Kontosperren, Einreiseverbote und ein Ölembargo seitens der EU gegen Syrien um ein Jahr verlängert und im Laufe des Jahres sogar erweitert wurden. Doch alle Ermahnungen, Resolutionen, Drohungen und Bestrafungen richteten nichts aus. Assad blieb weiterhin im Amt und trat sogar zu einer erneuten Wahl an, die er mit einer Mehrheit von 88,7 Prozent gewann und damit seine dritte siebenjährige Amtszeit einläutete. Das internationale Echo hierzu war höhnisch – die Wahl wurde als Parodie von Demokratie bezeichnet.

Minister Koenders OPCW

Gesprächsrunde der OPCW über Chemiewaffen in Syrien, Quelle: Flickr/Ministerie van Buitenlandse Zaken

Doch zumindest die Beseitigung von Chemiewaffen konnte aufgrund internationalen Drucks vorangetrieben werden. Bereits im Vorjahr hatte Assad der Beseitigung chemischer Waffen zugestimmt nachdem die USA mit einem Militärschlag drohten. Nach einigen Lieferungen der Gefahrenstoffe an die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) waren im März bereits 54 Prozent das Arsenals übergeben worden. Nachdem die syrische Regierung die Lieferungen im Folgemonat zunächst aussetzte, da die Sicherheitslage in der am Mittelmeer gelegenen syrischen Hafenstadt Latakia zu prekär war, konnte zur Jahresmitte aber bereits die vollständige Beseitigung von Assads Chemiewaffen vermeldet werden.

Der Aufstieg des Terrorismus

Im Verlauf des Jahres 2014 wurde die Bedrohung durch verschiedene Terrorgruppen immer größer. Besonders der Islamische Staat im Irak und Syrien lieferte sich erbitterte Kämpfe mit mehreren anderen Konfliktparteien. Zum Jahresbeginn ereigneten sich die bislang schwersten Gefechte in Aleppo zwischen den Rebellen und den Terroristen. Gegen die Terroristen-Vereinigung al-Nusra führte ISIS mehrere Kämpfe um Öl- und Gasfelder, um die finanzielle Versorgung des Dschihad zu sichern. Daraufhin forderte al-Qaida die beiden Gruppen, die ständigen Kämpfe untereinander zu beenden und sich stattdessen auf das wahre Ziel zu konzentrieren. ISIS solle sich aus Syrien zurückziehen. Doch der Anordnung wurde keine Folge geleistet, dass sich die beiden Gruppen weiterhin bekriegten.

Mitte des Jahres erfolgte die Umbenennung von ISIS in Islamischer Staat (IS), da Abu Bakr al-Baghdadi seine kontrollierten Gebiete im Irak und Syrien zum Kalifat ausrief. Zur Feier ihrer militärischen Erfolge hielten die Dschihadisten im selben Monat in Rakka eine Militärparade ab, bei der sie im Irak erbeutetes Kriegsmaterial vorführten. Es reichte von Humvees über Panzer bis hin zu einer Scud Boden-Boden-Rakete. Durch neue finanzielle Mittel aus dem Ölverkauf und dem erbeuteten Kriegsgerät gestärkt, blies der IS zur Großoffensive auf die kurdische Stadt Kobane im Norden Syriens an der Grenze zur Türkei. Daraufhin kamen kurdische Kämpfer der PKK aus der Türkei sowie dem Irak den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Kobane zu Hilfe. Im weiteren Jahresverlauf hielten die Kämpfe um die Stadt weiter an, doch zum Jahresende schwand die Überlegenheit des IS, sodass die Kurden im Dezember wieder die Oberhand gewannen.

Islamischer Staat

Ägyptens größte Terrorgruppe solidarisiert sich mit IS, Quelle: Flickr/Day Donaldson

Da der IS im Juli bereits mehr als ein Drittel Syriens kontrollierte, bombardierte Assad ab diesem Zeitpunkt auch Gebiete der Terroristen. Doch nicht nur der Islamische Staat machte dem Regime zu schaffen. Auch al-Nusra strebte nach der Ausdehnung ihrer Macht und eroberte nach schweren Gefechten einen wichtigen – und letzten – Grenzübergang von der Regierung. Doch regelrechten Schrecken verbreitete der Terrorismus in Syrien erst zwischen August und Oktober. In dieser Zeit wurden vier Enthauptungsvideos durch den IS veröffentlicht – die Islamisten schockierten mit medienwirksamen Mitschnitten der Gräueltaten an den beiden US-Journalisten James Foley und Steven Sotloff sowie den britischen Entwicklungshelfern David Haines und Alan Henning. Weitere Aufmerksamkeit wurde der Gruppe durch die Verbreitung von Aufnahmen brutaler Massenhinrichtungen zu teil.

Friedensbemühungen und humanitäre Hilfe durch die Vereinten Nationen

Abseits des Schlachtfelds traf man sich am 22. Januar 2014 zur Friedenskonferenz in Genf, während die erbitterten Kämpfe in Syrien unvermindert weitergingen. Die Opposition trat mit der Forderung einer Übergangsregierung in die Gespräche ein. Hingegen erwartete die Regierungsdelegation, dass man sich zunächst auf internationaler Ebene mit dem Terrorismus in Syrien auseinandersetzen müsse, während UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon auf sofortiger humanitären Hilfeleistungen in den belagerten Städten beharrte. Als bekannt wurde, dass die USA erneute Waffenlieferungen an die Opposition durchgeführt hatte, unterbrachen Vertreter der syrischen Regierung die Gespräche für einen Tag. Doch auch unabhängig davon waren die Positionen zu diesem Zeitpunkt unvereinbar, sodass man ergebnislos auseinander ging. Auch eine zweite Verhandlungsrunde im Februar führte zu keinerlei Fortschritte.

Doch zumindest Hilfsgüter gelangen erstmals ins Land, was zumindest als kleiner Erfolg der vorangegangenen Gespräche zu werten ist. Doch bereits im Mai musste Ban Ki-Moon Präsident Assad erneut vorwerfen, humanitäre Hilfe absichtlich zu blockieren. Da im Juni laut UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amosbereits mehr als 10 Millionen Menschen auf solche Hilfsgüter angewiesen waren, entschieden sich die Vereinten Nationen im Juli auch ohne syrische Zustimmung helfende Maßnahmen zu ergreifen, um das Leid in der Region zu lindern.

US Kampfjet

US-Kampfjet hebt vom Flugzeugträger USS Carl Vinson für einen Luftschlag gegen den IS ab

2015: Internationaler Kampf gegen den Terrorismus

Trotz der angeblich vollständigen Beseitigung von Assads Chemiewaffen, griff die syrische Regierung im März 2015 die Stadt Idlib mit Fassbomben an, die auch Giftgas-Kanister enthielten. Davon abgesehen setzten sich 2015 die Kämpfe zwischen Regierung und Rebellen in den bekannten Brandherden Damaskus, Aleppo, Dara, Latakia und weiteren syrischen Gebieten fort. Doch nicht nur die zwiegespaltenen Interessen in Syrien führten zu militärischen Aktionen – auch die international divergenten Pläne für Syrien führten 2015 zu militärischen Zwischenfällen. Beispielsweise beschoss Israel im September Posten der syrischen Regierung als Antwort auf verirrte Raketen. Einen Monat später kam es erneut zu Konflikten zwischen der Türkei und den Kurden – mehrfach wurden Ziele in Syrien auf Geheiß Ankaras unter Beschuss genommen. Außerdem war die Türkei an einem Vorfall im November beteiligt: Nach einer angeblichen Verletzung des türkischen Luftraums, schoss Erdoğans Luftwaffe einen russischen Bomber vom Himmel. Das zeigt deutlich, dass sich der Syrien-Konflikt längst zu einem internationalen Schlachtfeld entwickelt hatte.

Terroristen besetzen halb Syrien, Luftangriffe gegen den Islamischen Staat

Auch das Jahr 2015 stand für den Syrien-Krieg im Zeichen des Terrorismus. Schon im Mai zählten bereits mehr als 50 Prozent Syriens zum Gebiet des IS – darunter auch die antike römische Stadt Palmyra, wo die Gruppe den zum Weltkulturerbe gehörenden Baaltempel zerstörte. Es ereigneten sich in diesem Jahr zahlreiche Sprengstoffanschläge durch die Terrorgruppe, weitere Gebietskämpfe zwischen ihnen und den Kurden, schwere Gefechte um Öl- und Gasfelder und einen Anschlag des IS auf al-Nusra.

Baal Tempel in Palmyra (2010), Quelle: Wikipedia/Bernard Gagnon

Baal Tempel in Palmyra (2010), Quelle: Wikipedia/Bernard Gagnon

Angesichts der brutalen Vorgehensweise sowie der schnellen Ausbreitung des IS, sahen sich mehrere westliche Staaten aber auch Russland gezwungen, dem Treiben der Dschihadisten militärisch zu begegnen. Damit wurde der Syrien-Konflikt zum Schauplatz der internationalen Bemühungen zur Bekämpfung des Terrorismus. So flogen 2015 erstmals französische Kampfflugzeuge Angriffe auf Stellungen des IS in Syrien und auch Russland stimmte beim Bomben-Reigen ein, indem es die syrische Regierung mit Luftangriffen unterstützte. Zu getroffenen Zielen gibt es unterschiedliche Verlautbarungen. Während Russland IS-Ziele bombardiert haben will, wurden laut oppositioneller Stimmen eher Stellungen der FSA ins Visier genommen. Später gab Russland zu, nicht nur den IS sondern auch andere vom UN-Sicherheitsrat als Terroristen anerkannte Gruppen anzugreifen. Darüber hinaus stellte sich Russland mit seiner Kriegsmarine gegen die Islamisten und bombardierte IS-Ziele in Syrien vom kaspischen Meer aus mit Marschflugkörpern.

Die USA setzten ihre Luftangriffe weiterhin fort und konzentrierten sich dabei zunehmend auf die Unterbrechung der Finanzströme des IS, da die Terrororganisation auch wegen ihrer inzwischen enormen finanziellen Mittel so erfolgreich war. So attackierten die Amerikaner verstärkt von den Islamisten besetzte Ölfelder und mehrere Tankwagen-Kolonnen – teils mit russischer Unterstützung. Ende des Jahres trat auch Großbritannien aktiv in den Syrien-Konflikt ein: Britische Jagdbomber flogen am 2. Dezember erstmals Einsätze gegen Stellungen des Islamischen Staates.

Erste Schritte zu einer friedlichen Lösung?

Im Jahr 2015 konnten einige wichtige Schritte zur Aufarbeitung und Lösung des Syrien-Kriegs gegangen werden. Zum einen teilte die Staatsanwaltschaft im September in Paris mit, dass Assad wegen mindestens 11.000 Todesopfern in syrischen Staatsgefängnissen angeklagt wird, Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben. Damit setzte Frankreich ein wichtiges Zeichen für die Genfer Konventionen. Weiterhin positiv zu bewerten, war der Abzug der Patriot-Raketen von USA und Bundeswehr von der türkischen Grenze. Doch ein Abzug macht noch keinen Frieden.

Bundeswehr Patriot Raketenabwehrsystem

Raketenabwehrsysteme des Typs Patriot waren von 2013 bis 2016 in der Türkei stationiert, Quelle: Wikipedia/ Bundeswehr-Fotos

Wichtiger für die Chance auf eine friedliche Lösung des Syrien Konflikts war dagegen der Friedensgipfel in Wien. Ende Oktober konnten sich dort 19 Diplomaten auf wichtige Eckpunkte eines Friedensprozesses einigen. Damit stellte das Treffen die bis dato umfangreichsten und erfolgreichsten Verhandlungen in dieser Sache dar. Ein Grund für den erfolgreichen Ausgang der Zusammenkunft war die Tatsache, dass nun nicht mehr die Amtsenthebung Baschar al-Assads gefordert wurde. Stattdessen soll das syrische Volk selbst über die eigene Zukunft entscheiden können. Was die nebulöse Formulierung allerdings tatsächlich beinhalten soll, blieb zunächst ungeklärt. Ein Wermutstropfen bei den Verhandlungen war, dass weder die syrische Regierung noch die Opposition anwesend waren.

Doch auch bei Friedensgesprächen werden militärische Schritte definiert. So planten die USA ein kleines Truppenkontingent nach Nordsyrien zu entsenden, um gemäßigte Rebellen zu unterstützen. Außerdem sollten US-Kampfflugzeuge in eine türkische Nato-Luftwaffenbasis unweit der syrischen Grenze verlegt werden. Trotz der Vorbereitung einer weiteren militärischen Initiative konnten die Vereinten Nationen mehrere Vereinbarungen zwischen Rebellen, Dschihadisten und der Regierung treffen, um Kämpfer und Zivilsten aus lange eingeschlossenen Gebieten abziehen lassen zu können – ein kleiner Erfolg für die Menschlichkeit.

2016: Zarte Signale einer Entspannung

Obwohl der Syrien-Krieg nun bereits fast fünf Jahre andauerte, hat er kaum an Schwung verloren. Weiterhin unternehmen Rebellen und Regierung zahlreiche Anstrengungen, um der gegnerischen Partei Gebiete streitig zu machen. Dennoch begannen im Januar die lang angelegten Friedensgespräche in Genf, welche allerdings bereits im Februar wieder ausgesetzt wurden, um zunächst offene Fragen zu klären. Im Februar einigte sich die Syrien-Kontaktgruppe, eine aus 17 Nationen bestehende Organisation, auf Maßnahmen zur Befriedung Syriens. Dazu zählen die humanitäre Hilfeleistung in einigen konkret benannten Ortschaften durch die UN, eine Feuerpause die sich nicht auf die Bekämpfung von al-Nusra und den IS erstreckt und die Wiederaufnahme der Friedensgespräche in Genf. Darüber hinaus wurde ab 27. Februar eine Waffenruhe vereinbart, um die Gespräche nicht zu torpedieren.

Gebiete Syrien-Krieg

Aufteilung Syriens unter den Konfliktparteien im April 2016, Quelle: Wikipedia/Gurnotron

Ein weiteres Zeichen für eine leichte Entspannung der Lage, war der Rückzug russischer Truppen aus Syrien am 14. März, um auch von Seiten des Kremls ein positives Signal für die anstehenden Gespräche in der Schweiz zu senden. Im April wurden die Genfer Friedensgespräche dann tatsächlich fortgesetzt, doch bereits nach einer Woche seitens der Opposition wieder abgebrochen, nachdem zwei Wochenmärkte bei Luftangriffen von Unbekannten bombardiert wurden. Seit Mitte Februar galt die Waffenruhe offiziell. Dass diese fragil sein würde, war klar, doch viel zu oft ist die Feuerpause von allen Seiten und insbesondere durch Assad-Truppen gebrochen worden. Aktuell herrscht keine Waffenruhe, da in zahlreichen Regionen immer noch erbitterte Kämpfe zwischen den verschiedenen Parteien des Syrien-Kriegs toben. Inzwischen sind über 400.000 Menschen zu Tode gekommen und über elf Millionen Syrer haben ihr Zuhause verlassen – davon suchten über vier Millionen Flüchtlinge in anderen Ländern Asyl.

Interessenlage in Syrien

Die Opposition, der Westen, Saudi-Arabien, die Türkei und Israel

Die Opposition forderte die Absetzung des amtierenden Präsidenten Baschar al-Assads. Doch durch den harten Umgang der Regierungstruppen mit den friedlichen Demonstranten radikalisierten sich die Rebellen zunehmend. Unterstützung kam ihnen hierbei von Saudi-Arabien zu, das seit Mitte 2012 Waffen an die Rebellen liefert. Auch die EU-Länder beteiligten sich, indem sie Überläufer (syrische Amtsträger) bezahlten. Die USA unterstützten die Opposition ebenso wie Saudi-Arabien hauptsächlich mit Kriegsgerät: Im Oktober 2015 lieferte Uncle Sam 50 Tonnen Militärausrüstung, wobei es sich um Handfeuerwaffen, Handgranaten und Munition handelte. Außerdem ließ der US-Geheimdienst den Chatdienst Paltalk überwachen, um relevante Informationen zum Syrien-Krieg sammeln zu können. Ziel der westlichen Staaten war von Beginn des Bürgerkriegs an, Assad zum Rücktritt zu bewegen. Dies würde ein Ende der Iran-Syrien-Hisbollah-Achse zur Folge haben und damit auch den Einfluss des Iran einschränken. Vor dem Hintergrund der Atomverhandlungen und dem Aufstieg des Iran zur Atommacht war das ein nachvollziehbares Ziel.

Als Feind des Iran und Verbündeter des Westens zählt auch Israel zu den Alliierten der Rebellen. Immer wieder griff der Staat Freunde des syrischen Regimes an. Israel attackierte einen Waffentransport im Libanon, bombardierte eine vermeintliche Chemiewaffenfabrik in Syrien und führte einen Präventivschlag auf mehrere syrische Waffenlager durch, aus Angst, die Raketensysteme könnten sonst der mit den Regierungstruppen sympathisierenden Hisbollah-Miliz übergeben werden.

Assad, Russland, China, der Iran und die Hisbollah

Die Motivation der alawitischen Baath-Partei und ihrem Generalsekretär Assad ist der Machterhalt für seine Partei und damit auch für die größtenteils alawitisch geprägte Elite Syriens. Zu Beginn der Unruhen im Zuge des Arabischen Frühlings galt Assads Interesse der Niederschlagung der friedlichen Proteste. Doch mit der zunehmenden Gegenwehr der Demonstranten – deren Radikalisierung eine Reaktion auf das brutale Vorgehen Assads und der zunehmenden Zahl von Regimekritikern darstellte – ging die syrische Regierung zur Bombardierung der von Rebellen gehaltenen Gebieten über.

Die syrischen Regierungstruppen werden hauptsächlich durch Russland unterstützt. Diese zeigt sich in mehreren Waffenlieferungen des Kremls an Assad, Durchführung von Luftschläge und die Blockade wichtiger UN-Resolutionen gegen das syrische Regime. Bei letzterem Punkt hat sich darüber hinaus China mehrfach als verlässlicher Partner erwiesen. Putins Interesse in diesem Konflikt ist offensichtlich die Kehrseite der westlichen Ziele. Denn eine Schwächung des iranischen und libanesischen Einfluss würde eine Stärkung Israels und Saudi-Arabiens in der Region bedeuten. Damit wäre es auch dem Westen gelungen, eine gewisse Kontrolle im Nahen Osten zu entfalten. Zudem ist Russland sicherlich am Erhalt seiner in Syrien gelegenen Marinebasis Tartus am Mittelmeer zu erhalten.

Islamischer Staat

Islamischer Staat

Flagge des IS

Weder zu Assad noch zu den Rebellen lässt sich der Islamische Staat zählen. Die brutale Terrorgruppe, die mit enormer Geschwindigkeit weite Teile Syriens unter ihre Kontrolle brachte und inzwischen über beträchtliche finanzielle Mittel verfügt, verfolgt ihre eigenes Ziel,.nämlich die Errichtung eines islamischen Staates, in dem die Scharia – also das Gesetz des Islam – gilt. Syrien und der Irak sollen den Dschihadisten als Ausgangspunkt für den Glaubenskrieg dienen, doch das Gebiet soll rasch wachsen und schlussendlich die gesamte Welt umfassen. Jeder der sich diesem Ziel in den Weg stellt, wird getötet.

Zusammenfassung

Nach dem erfolgreichen Sturz mehrerer arabischer Regierungen, die als arabischer Frühling bezeichnet werden, gingen auch in Syrien die Menschen auf die Straße, um gegen die Regierung zu demonstrieren. Diese schlug die Proteste allerdings brutal nieder, sodass zügig Straßenkämpfe entbrannten. Durch die Aggressivität der syrischen Regierung sowie dem Einsatz schwerer Waffen auf der einen Seite und der Bewaffnung der Rebellen auf der anderen eskalierte der syrische Bürgerkrieg schnell zum handfesten Krieg. Während der fünf Jahre andauernden Gefechte verhärteten sich die Fronten immer mehr. Sowohl die Regierungstruppen als auch die Rebellen besetzen die bevölkerungsreichen Regionen im Osten des Landes. Dabei hält Assad aktuell Gebiete, die etwa 65 Prozent der Bevölkerung beherbergen, während die Rebellen auf etwa 20 Prozent kommen.

Im Verlauf des Krieges trat ein dritter Spieler auf den Plan: die Terrororganisation Islamischer Staat. Die Dschihadisten konnten mehr als die Hälfte Syriens unter ihre Gewalt bringen (etwa 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung) und halten außerdem große Gebiete im Irak. Daher rief der Anführer der Gruppe Abu Bakr al-Baghdadi das Gebiet zu seinem Kalifat aus, in dem die Scharia gilt. Mit grenzenloser Brutalität gehen die Terroristen gegen die syrische Regierung, die Rebellen, die Kurden und Zivilisten vor. Mediale Aufmerksamkeit erhielten sie dabei vor allem durch die Verbreitung von vier Enthauptungsvideos mit dem Henker Dschihadi John in der Hauptrolle und durch die monatelangen Kämpfe in Kobane. Doch der Islamischen Staat war nicht die einzige Terrorgruppe, die sich in Syrien engagierte – auch al-Nusra kämpfte gegen sämtliche Kriegsparteien, den Islamischen Staat eingeschlossen.

Syrien-Krieg

Die Rebellenhochburg Aleppo nach einem Anschlag durch al-Nusra, Quelle: Wikipedia/Zyzzzzzy

Das Ausland reagierte auf den Syrien-Krieg zunächst mit Ermahnungen und einer Verurteilung des brutalen Verhaltens, ging später aber auch zur Androhung eines Militärschlags über, um Assad zur Abgabe seiner chemischen Waffen zu bringen – ein Plan, der aufging. Doch Frieden oder auch nur eine Mäßigung der Gefechte konnte nicht herbeigeführt werden. Dennoch unternahmen die Vereinten Nationen immer wieder auf Friedensverhandlungen zu vermitteln, Waffenruhen zu vereinbaren und humanitäre Hilfe zu leisten. Zumindest die Hilfsgüter konnten trotz Assads Blockaden in der zweiten Hälfte der Kriegszeit ins Land gelangen. Eine Waffenruhe konnte aber allenfalls stets nur für kurze Zeit erreicht werden und auch im Augenblick schweigen die Waffen nicht.


Wie beurteilt Ihr nach all diesen Informationen den Syrien-Krieg? Hätte sich die Internationale Gemeinschaft energischer Reagieren sollen? Oder wäre es ohne jegliche Einmischung vielleicht nicht zu einer derartigen Eskalation des anfänglichen Bürgerkriegs gekommen? Doch wäre der Preis dann nicht die brutale Unterdrückung der Aufständischen durch Assad gewesen? Vermutlich ist dieser hochkomplexe Konflikt kaum so leicht zu bewerten, doch wir sind sehr gespannt auf Eure Meinungen!

Quelle Titelbild: Photodune


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About Author

Mich faszinieren besonders politische sowie wirtschaftliche Zusammenhänge in der Welt. Dazu recherchiere ich gern selbst und werde euch die Früchte meiner Arbeit regelmäßig präsentieren. Außerdem liebe ich Filme, sodass ihr euch auch auf das ein oder andere Review freuen dürft.