Was kaum noch jemand weiß: 2004 trat Ex-Pornostar Dolly Buster mit einer tschechischen Kleinpartei zur Europawahl an. Doch ihre Landsleute wollten offenbar keine ausladende Oberweite nach Straßburg entsenden.

Politische Inhalte waren Dolly Buster nicht so wichtig

Nora Baumgartner war schwer genervt. Sie war eine berühmte Person im Europa des Jahres 2004. Und das nicht nur in Tschechien, ihrem Geburtsland, sondern auch in Deutschland, wo sie hauptsächlich arbeitete. Aber auch in vielen anderen EU-Staaten war ihr Gesicht (oder ihr Körperbau?) ziemlich bekannt. Nur wusste eben niemand, wer Nora Baumgartner war.

Vielleicht wäre die Sache ja doch anders verlaufen damals bei der Europawahl im Juni 2004. Hätten die Leute doch nur gewusst, dass hier keine unbedarfte Politik-Einsteigern kandidierte (obwohl ihre politische Inhalte nicht so wichtig waren). Sondern ein Star am europäischen Pornohimmel, hauptsächlich bekannt für eine gigantische Oberweite. Dolly Buster. Es gibt wohl kaum jemanden unter 30, der mit diesem Namen nichts anfangen kann.

Wahlkampf unter fremder Flagge

Im Wahlkampf aber war das etwas anderes. Es war gewissermaßen eine fremde Flagge, unter der sie segelte, segeln musste. Nora Baumgartner, das war zwar sie, aber die Leute kannten nun mal Dolly Buster. Im deutschen Fernsehen war sie damals oft zu sehen. Und weil sie auch in ihrer Heimat ein Star war, wussten die Wahlberechtigten in Tschechien natürlich, wer sie war. Aber den Namen, der auf dem Wahlzettel stand, den kannten sie nicht.

Das EU-Parlament musste also ohne Dolly Buster auskommen

Das EU-Parlament musste also ohne Dolly Buster auskommen, Quelle: Wikipedia/Diliff

Dolly Buster setzte alles daran, das zu ändern. Sie tingelte durch Funk und Fernsehen und gab Interviews. Sie versuchte alles, den Leuten die Nora Baumgartner hinter der Dolly Buster zu zeigen. Die richtige Partei jedenfalls hatte sie dabei hinter sich – die NEI (Unabhängige erotische Initiative). Was genau deren Programm war, lässt sich heute nicht mehr recherchieren. Aber es liegt nah, dass es auf der Liste um freie Liebe, Erotik und dergleichen ging.

An Guido und Konsorten lag es wohl nicht

War Dolly Buster damals – was deutsche Parteien anging – eine Anhängerin der FDP, so half ihr das nicht viel. Für die liberale Kampagne zur Bundestagswahl 2002 wirkte sie in einem (allerdings nie ausgestrahlten) Werbespot der Partei mit. Es ging um die 18 Prozent, die die FDP damals anstrebte, und um einen an den Haaren herbeigezogenen Zusammenhang mit Erotik. An Guido Westerwelle und Konsorten lag das Scheitern von Dolly Buster 2004 aber natürlich nicht. Die tschechischen Wähler fanden andere Themen wohl wichtiger. Die NEI wiederum strich später den Zusatz „erotisch“ aus dem Namen, ohne sich jedoch anderen Themen zu widmen.

Titel Parlament nein, Buchmesse ja - Dolly Buster stellt eine Biographie vor

Parlament nein, Buchmesse ja – Dolly Buster stellt eine Biographie vor, Quelle: Wikicommons/Xethis

Dolly Buster jedenfalls trat später noch einmal zu einer Wahl an, allerdings ohne es zu wollen. Die Unabhängige Weseler Wählergemeinschaft (UWW) setzte sie 2009 auf einen Listenplatz, ohne dass die Pornoqueen davon wusste. Sie hatte ein Formular unterzeichnet, mit dem sie ihren Eintritt in diese Partei erklärte. Weil die UWW nur sieben Mitglieder hatte, war Dolly Buster damit automatisch auf der Liste, ein Rücktritt war gesetzeswidrig. Sie warb im Wahlkampf aber ganz einfach damit, sie bitteschön nicht zu wählen.


Kennst du ähnliche Beispiele, bei denen Prominente mal für eine bestimmte Partei angetreten sind? Vielleicht sogar in Deutschland? Dann viel Spaß beim Diskutieren!

Quelle Titelbild: Wikicommons/Nazad Moawad

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About Author

Freier Journalist und Texter. Recherchiert und schreibt über alles, was nicht 08/15 ist und Eindruck hinterlässt. Ist gern unterwegs in der Weltgeschichte.