Netflix – Ein Streamingdienst mischt die Unterhaltungsbranche auf

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Netflix sowie dessen angebotenen Dienste waren bis September 2014 in Deutschland noch relativ unbekannt aber amerikanische Brancheninsider sprechen bei diesem Namen schon von dem Ursprung einer Revolution der Unterhaltungsbranche. Was verbirgt sich aber hinter dem Internetgiganten, der in den USA mittlerweile mehr als 30 % des gesamten Internettraffics verursacht und was bietet er dem Kunden?

Die Geschichte von Netflix

1997fiel der Startschuss für den Internetpionier aus Kalifornien, als die Gründer Marc Randolph und Reed Hastings 2,5 Millionen Dollar zusammen trugen um ein Gegengewicht zum bisher etablierten Bezahlfernsehen und Filmverleih auf dem amerikanischen Unterhaltungsmarkt zu schaffen. Hasting kam auf die Idee, als er gezwungen wurde 40 $ zu zahlen, weil er den Film Apollo 13 zu spät zur Videothek zurückbrachte.

Netflix startete am 29. August 1997 mit lediglich 30 Mitarbeitern und einer kleinen Auswahl von 925 Filmen, die sie ihren Kunden zunächst zum Versand nach Hause schickten. Der Preis betrug zu Beginn noch 4 Dollar pro Film und wurde schon zwei Jahre später in ein monatliches Flatpreis-System umgewandelt, bei dem der Kunde einmal monatlich einen festen Betrag bezahlte und dafür so viele Filme ausleihen durfte, wie er wollte.

Das besondere an ihrem Dienst: Sie verlangten keine zusätzlichen Gebühren für den Versand oder für ein zu spätes Zurücksenden. Sollten ein Kunde einen Film aber doch einmal zu lange behalten, war die Konsequenz, dass er keine neuen Filme zugeschickt bekam. Dies führte dazu, dass die Kunden nur selten Filme zu lange bei sich behielten und die Rücksendequote für Netflix kein Problem mehr darstellte.

Netflix Hauptquartier

Netflix Büros in Los Gatos

Der Börsengang von Netflix

Obwohl der Internetgigant Netflix bis 2003 nur Verluste vorwies, entschieden sich die Gründer dennoch 2002 an die Börse zu gehen. Insgesamt wurden 5,5 Millionen Aktien ausgegeben zu einem Preis von 15 $ pro Aktie. Aktuell beträgt der Aktienkurs über 400 $, sodass Ersteinsteiger sich über eine durchschnittliche Jahresrendite von mehr als 30 % freuen konnten. Das Unternehmen wuchs von Jahr zu Jahr und verschickte immer mehr DVDs an immer mehr Haushalte. So waren 2005 bereits 35.000 Titel im Programm von Netflix und täglich wurden 1 Million DVDs an die Kunden verschickt. Den Meilenstein von 1 Milliarde verschickter Videos konnte Netflix bereits 2007 knacken.

Mittlerweile ist Netflix aber weniger für den Versand von DVDs bekannt als vielmehr für das Bereitstellen von Filmen und Fernsehserien über ihre Website. Hierfür nahm das Unternehmen Verhandlungen mit den großen Produktionsstudios auf, um deren Filme ihren Kunden zur Verfügung stellen zu können.

So erwarb Netflix im August 2010 für eine Milliarde US-Dollar die Rechte am Onlinevertrieb vieler Filme von Paramount Pictures, Metro-Goldwyn-Mayer und Lions Gate Entertainment. Das Geschäft lief so gut, dass Netflix sich vom stärkst wachsenden Kunden des United States Postal Service zum größten Verursacher von Internet-Traffic in Nordamerika entwickelte.

Netflix Hauptquartier 2

Netflix Büros in Los Gatos

Die aktuelle Entwicklung von Netflix

Und auch aktuell wächst der Streaming-Service schneller als es manchen Konkurrenten lieb ist. So konnte der Streaming-Gigant von Oktober bis Dezember 2013 2,3 Millionen neue Kunden nur in den USA gewinnen. Auf dem internationalen Markt kamen in dem selben Zeitraum zusätzliche 1,7 Millionen Abonnenten hinzu.

Der Preis ihres Video-on-Demand Angebotes war schon von Beginn an eine Kampfansage. Lediglich 8 Dollar verlangt Netflix monatlich von ihren Kunden, um so viel Filme genießen zu können, wie man möchte. Es gibt keine Einschränkungen bei der Anzahl der angeschauten Filme, der Tageszeit oder auch der Plattform auf der geschaut wird. Ganz im Gegenteil sogar. Während es Anfangs nur möglich war über die unternehmenseigene Website Filme zu schauen, können die Kunden mittlerweile auf die Apps für iOS, Android oder TV-Geräte zurückgreifen.

Netflix Amazon Instant Video und Watchever

Eigenproduktionen wie „House of Cards“ sind der Schlüssel zum Erfolg

Der Preis überrascht umso mehr im Vergleich zu den Preisen traditioneller Contentanbieter in den USA. Ein Abonnement für den Pay-TV-Sender HBO kostet in den USA bei Direct TV z.B. 18 Dollar.

Als wäre der Preis aber noch nicht das einzige Alleinstellungsmerkmal des Internetrießen, so bietet er seinen Kunden mit Serien wie „House of Cards“ nun auch eigenen Content. Dabei setzt Netflix gezielt auf professionell arrangierte Shows mit Starbesetzung und konnte für die Erfolgsserie „House of Cards“ Kevin Spacey für die Hauptrolle gewinnen und David Fincher als Executive Producer.

Der Erfolg spricht dabei für das Unternehmen. 33 Millionen Abonnenten konnten bereits angelockt werden und Analysten trauen dem Streaming-Dienst bis Ende des Jahres noch ein Wachstum auf 48 Millionen Kunden zu.

Kein Wunder, dass Netflix deshalb vermehrt auf eine Expansion ihres Angebotes auf andere Märkte setzt. So kam der Streaming-Dienst im September 2014 auch endlich nach Deutschland. Wesentlich eher konnten sich aber bereits schon Konkurrenten wie Watchever – eine Tochtergesellschaft des französischen Medienkonzerns Vivendi – die Amazon-Tochter Amazon Prime Instant Video und Maxdome – das Tochterunternehmen der ProSiebenSat.1 Gruppe – den Markt aufteilen. Auch hier überzeugen die Streaming-Dienste mit einer großen Auswahl und einem günstigen Preis von 7 bis 9 Euro pro Monat.

Netflix hat es nicht leicht auf dem deutschen Markt

Die große Überraschung auf dem europäischen Markt war allerdings Watchever. Das französische Unternehmen ging mit 2013 erst sehr spät an den Markt und weist nun ein Kundenzuwachs von monatlich 100.000 neuen Abonnenten auf. Dafür musste der Video-on-Demand Dienst aber auch tief in die Tasche greifen. Allein für die anfangs verfügbaren Filme musste Watchever bereits einen dreistelligen Millionenbetrag für entsprechende Filmlizenzen zahlen.

Es bleibt also spannend wer sich auf dem europäischen Markt als Streaming-Dienst durchsetzen wird und ob Netflix auf dem deutschen Markt Erfolg haben wird. Besonders der bisherige Renditeanstieg der Netflix-Aktie überzeugt und sollte bei einer gelungenen europäischen Marktdurchdringung auch weiterhin nach oben zeigen. Mit 124 Millionen Euro Umsatz im letzten Jahr machten die deutschen Streaming-Dienste zwar nur einen Bruchteil des 1,7 Milliarden Umsatzes durch den Verleih von Filmen aber man kann doch gewisse Parallelen zu anderen Internetpionieren wie Amazon oder Google ziehen, die nach ihrer Markteinführung nicht an den Umsatz von traditionellen Konkurrenten heran kamen und nun zur Spitze der erfolgreichsten Unternehmen der Welt gehören.


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