Jedes Jahr besuchen Millionen von Menschen den Louvre in Paris, hauptsächlich um den wertvollsten Besitz des berühmten Museums zu sehen: die Mona Lisa von Leonardo da Vinci. Obwohl von „sehen“ heutzutage wohl kaum noch die Rede sein kann, denn die meisten Touristen scheinen das antike Ölgemälde lieber durch den Sucher ihrer Smartphone-Kameras zu betrachten.

Die Mona Lisa beobachtet Euch

Aber auch auf dem Screen fällt es einem unweigerlich auf: die eindringlichen Augen der regungslos posierenden Dame scheinen einen auf seltsame Art und Weise direkt anzuschauen. Ein prüfender Blick zurück – und tatsächlich, sie haben einen quer durch den Raum verfolgt! Ein beunruhigendes, geradezu gruseliges Gefühl, das an die Zeichentrickserie „Scooby Doo“ erinnert. Der Grund für das Phänomen ist aber eher nüchtern als mystisch.


Die Mona Lisa, Quelle: Flickr Mona Lisa TheMET(6) Regan Vercruysse CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

Das Bild, das zurückstarrt

Neben ihrem Lächeln, das keines ist, ist das vermeintliche Abbild der Lisa del Giocondo vor allem für seinen verträumten „Silberblick“ bekannt – so heißt eine Maltechnik, bei der die Iris beider Augen nicht exakt symmetrisch, sondern leicht zur Mitte hin verschoben dargestellt wird. Im Klartext heißt das ganz einfach: Die gemalte Mona schaut den Künstler direkt an, und somit auch den Betrachter. Eine simple Erklärung, für deren Erbringung die Wissenschaftlicher aber bis zum Jahr 2004 brauchten.

Natürlich funktioniert der Effekt nur im zweidimensionalen Raum und bleibt selbst dann erhalten, wenn wir uns in einem Winkel von 45 Grad zum Bildnis positionieren – unser Gehirn kompensiert die perspektivische Verzerrung automatisch. Dieser Eindruck von den „verfolgenden Augen im Gemälde“ lässt sich auch ganz einfach selbst nachstellen, etwa mit einem Foto auf Leinwand, das man selbst geschossen und ausgedruckt hat. Man muss die abgelichtete Person lediglich darum bitten, direkt in die Kameralinse zu schauen (was sie wahrscheinlich ohnehin tut).

Die lebensechte Lisa

Dass die Mona Lisa so lebensecht aussieht, liegt aber nicht nur an ihren Augen – Perspektive ist ein weiterer entscheidender Faktor. Diese hielt erst im 14. Jahrhundert Einzug in die Kunst, und zwar mit der Einführung des sogenannten „Fluchtpunkts“, den man noch aus dem Schulunterricht kennt. Zuvor hatten Künstler Objekte und Figuren einfach größer oder kleiner gemalt, wenn sie einen vagen Eindruck von Tiefe und Distanz zu vermitteln versuchten. Auch die Verwendung von Licht und Schatten verhalf den Werken der modernen Kunst zu mehr Realismus. Eine künstliche „Lichtquelle“ diente dabei als Orientierungshilfe für Schöpfer und Rezipient: Hellere Stellen suggerierten Nähe, dunklere Stellen erschienen dagegen weiter entfernt.

Fazit: Auch wenn sich so manches Mysterium um Leonardo da Vincis berühmtes Werk rankt – die geheimnisvollen Augen der Mona Lisa lassen sich ganz einfach mit einer optischen Täuschung erklären.


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