Rusty Schweickart ist 81 Jahre alt und ein Mann, der nicht nur wegen seines Alters schon viel gesehen hat im Leben – er hat auch eine Vision, eine Vision von einem Asteroideneinschlag. Er war an Bord von Apollo 9 und verbrachte zehn Tage im All. Heute möchte er verhindern, dass das irdische Leben von einem umherirrenden Himmelskörper ausgelöscht wird.

Ein Asteroideneinschlag als finale Katastrophe

Man muss sich Russell Louis „Rusty“ Schweickart als jemanden vorstellen, der die gefährlichste Situation seines Lebens längst hinter sich hat. Im März 1969 war das, und der genaue Ort ist nicht einmal bekannt. Irgendwo da oben halt im Orbit um die Erde, wo er zusammen mit Commander James McDivitt und David Scott (Command Module Pilot) an Bord von Apollo 9 kreiste. Schweickarts Aufgabe war ein Außenbordeinsatz, er musste die Mondlandefähre als Testlauf für Apollo 11 durch das All steuern, 180 Kilometer von der Kommandokapsel entfernt. Und anschließend wieder andocken.

Mit über 80 macht sich Rusty Schweickart Gedanken über die ferne Zukunft

Mit über 80 macht sich Rusty Schweickart Gedanken über die ferne Zukunft, Quelle: Wikipedia

 

Wer einmal ein solches Manöver mitgemacht hat, dem graut es vor nichts mehr. Sollte man jedenfalls meinen. Aber Rusty Schweickart denkt nicht daran, es sich etwa gemütlich zu machen in seinem doch recht fortgeschrittenen Alter. Dem Weltraum ist er treu geblieben, auch nach seinen Jahren bei der NASA. Schweickart leitete von 2001 bis 2011 die B612 Foundation, eine Stiftung, die sich der Abwehr von Asteroiden verschrieben hat, die womöglich Kurs auf die Erde genommen haben. 1983 gründete er außerdem die Association of Space Explorers. Seit 2010 ist er wieder in Diensten der NASA – und arbeitet dort in einem Team, das sich mit der sogenannten Planetaren Verteidigung befasst. Auch dabei geht es darum, einen Impakt zu vermeiden.

„Es ist nur eine Frage der Zeit“

Schweickart weiß zwar nicht, wann es passieren wird. Aber er weiß, dass es irgendwann in der Zukunft zu einem großen Asteroideneinschlag kommt, und natürlich hat er Recht. Doch schon jetzt Gegenmaßnahmen erproben, obwohl man den Gegner aus Eis und Gestein noch gar nicht kennt? Gibt es aktuell nicht drängendere Probleme hienieden, das Leiden der Flüchtlinge etwa, die vielen Kriege und Wirtschaftskrisen, Infektionskrankheiten und durchgeknallte Regierungschefs? Schweickart sieht das anders. Alles große Probleme, aber keins davon mit dem Potenzial, eine finale Katastrophe zu sein wie ein Asteroiden-Impakt, der womöglich alles irdische Leben vernichtet. Selbst mit einem Atomkrieg gegen sich selbst würde sich die Menschheit nicht völlig zerstören, sagt Schweickart.

Wenn ein riesiger Asteroid die Erde trifft, könnte alles Leben ausgelöscht werden

Wenn ein riesiger Asteroid die Erde trifft, könnte alles Leben ausgelöscht werden, Quelle: Wikipedia

 

Auch das könnte stimmen. Aber Rusty Schweickart ist angetreten, das nicht einfach so hinzunehmen. Übungen wie die der NASA und der amerikanischen Behörde für Katastrophenschutz, bei denen die Bevölkerung großflächig evakuiert wird, hält er für nötig – aber niemals für ausreichend. Schweickarts Herz hängt an etwas Größerem, an einem Auftrag, der real existiert, der aber derzeit gekippt zu werden droht. Die Rede ist von der Mission „AIDA“. Dabei geht es darum, dass zu den weltweit mindestens 188 Kratern, die von einem Asteroideneinschlag herrühren, möglichst keiner dazukommt.

AIDA vs. PHA

PHA ist das Kürzel für „Potentially Hazardous Asteroids“ (potenziell gefährliche Asteroiden), mehr als 1.600 von ihnen rasen unweit von der Erde durchs All – und manchmal gar nicht so weit von unserem Planeten entfernt. Erst am 5. März 2016 ist zum Beispiel ein 40 Meter großer Brocken knapp an uns vorbeigeflogen, in nur 1,3-facher Mondentfernung. 40 Meter, ist das nicht winzig? In astronomischen Dimensionen ja. Doch der Asteroid, der 1908 in Sibirien verheerende Schäden anrichtete, war auch nicht größer. AIDA tritt an, um mit menschgemachten Projektilen Asteroiden zu treffen und von ihrer Bahn abzulenken, daher der Name: „Asteroid Impact & Deflection Assessment. Und Rusty Schweickart?

Der ist die treibende Kraft, dass das Projekt, das NASA und ESA gemeinsam planen, auch in die Tat umgesetzt wird. Schon 2020 soll es soweit sein. Eine Rakete soll in Richtung des Doppel-Asteroiden Didymos starten und diesem 2022 in nur 16 Millionen Kilometern Entfernung von der Erde begegnen. Nach ein paar Untersuchungen soll eine Sonde auf den Satelliten abgefeuert werden, sieben Mal so schnell wie eine Gewehrkugel. Anschließend wollen die Wissenschaftler herausfinden, wie sich die Asteroidenbahn durch den Einschlag verändert.

Ein hehres Ziel, aber eins, das laut Schweickart unbedingt verfolgt werden muss. Diese Chance, noch dazu so nahe der Erde, dürfe man nicht verstreichen lassen. Die Menschheit, so sieht er es, verändert dadurch den Takt unseres Sonnensystems. So etwas, meint Rusty Schweickart, dürfe man nicht Bruce Willis überlassen wie im Film „Armageddon“. Der hat die Erde zwar gerettet, musste sich dafür selbst aber opfern. Wenn es nach Schweickart geht, wird ein Asteroid aber kein einziges Menschenleben fordern.


Was meinst Du – wie groß ist die Gefahr, dass uns zu unseren Lebzeiten ein Asteroid erwischt? Und wird notwendigerweise die komplette Zivilisation davon ausgelöscht? Viel Spaß beim Diskutieren!

Quelle Titelbild: Flickr/Kevin Gill


Zum Bluefacts Buch

Nicht vergessen: Bluefacts gib es jetzt auch als Buch! Gefallen Euch unsere Fakten? Dann holt Euch jetzt unser Buch 1.000 unglaubliche Fakten und unnützes Wissen. Wir freuen uns auf Euch.
Share.

About Author

Freier Journalist und Texter. Recherchiert und schreibt über alles, was nicht 08/15 ist und Eindruck hinterlässt. Ist gern unterwegs in der Weltgeschichte.

  • Roman

    Ernsthaft? Eine Atombombe bewirkt da nichts? 1000 Atomraketen raufschicken und der Asteroid ist staub

    • Hallo Roman, worauf bezieht sich deine Aussage?