Knapp 50 Jahre ist es her, dass zum ersten Mal ein Mensch den Mond betreten hat. Und auch das nächste große Kapitel in der Raumfahrtgeschichte wird in den nächsten Jahrzehnten geschrieben werden. Denn der Wettlauf zum Mars hat bereits begonnen. Verschiedene Unternehmen, allen voran SpaceX und Boeing in Zusammenarbeit mit der NASA, versuchen, einen Menschen auf den Roten Planeten zu befördern. Doch damit nicht genug! Sogar die Besiedlung des Mars ist geplant. Menschen sollen also eines Tages tatsächlich auf unserem äußerem Erdnachbarn leben können. Wie sind eigentlich die Lebensbedingungen auf dem Mars und was wollen wir dort überhaupt?

So „lebt“ es sich auf dem Mars

Abwechslungsreiche Landschaft

Wie ist es auf dem Mars denn eigentlich so? Wenn man es etwas kühler mag und nicht ständig das Bedürfnis nach Sauerstoff verspürt, kann es auf dem Roten Planeten eigentlich ganz nett sein. Doch die Temperaturen von minus 133 bis plus 27 Grad Celsius sind sicher gewöhnungsbedürftig. Aber die dünne Atmosphäre zwingt Marsianer ohnehin zu Druckanzügen mit Sauerstoffversorgung. Da lässt sich der Kälteschutz gleich gut integrieren. Reichlich Wasser sollte man natürlich immer dabei haben, denn damit ist es auf dem vierten Planeten unseres Sonnensystems nicht weit her. Zumindest sollte man daran nicht allzu schwer zu tragen haben, denn die Anziehungskraft des Planeten beträgt lediglich etwas mehr als ein Drittel von der auf der Erde.

Sanddünen auf der Nordhalbkugel, die nach dem Frühling auftauen

Sanddünen auf der Nordhalbkugel, die nach dem Frühling auftauen

Die 24 Stunden und 40 Minuten dauernden Marstage, auch Sols genannt, kann man mit ausgedehnten Spaziergängen in den riesigen Ebenen der Nordhalbkugel oder anspruchsvollen Wandertouren auf der bergigen Südhalbkugel verbringen. Neben Streifzügen über die Eisenoxid-Steppen des Mars, die ihm seine rote Farbe verleihen, lohnt auch ein Besuch der vereisten Polkappen. Immerhin stellen sie möglicherweise die Grundlage für eine spätere Besiedlung dar. Denn nur wenn es auf unserem Nachbarplaneten genug Wasser gibt, ist eine Kolonisierung möglich.

Kälte, Gewitter und Sandstürme

Wer es etwas wärmer als im eisigen Norden bzw. Süden bevorzugt, der ist in Äquatornähe wohl noch am besten aufgehoben. Tagsüber locken dort kuschelige 20 Grad Celsius. Nur in der Nacht sorgt die mangelnde Dichte der Atmosphäre für ein rasches Abkühlen. Dann geht es wieder tief in den negativen Bereich. Doch das Wetter kann einem den Marstag noch auf anderem Wege so richtig versauen.

Die starken Temperaturunterschiede zwischen der nördlichen und der südlichen Hemisphäre führen zu starken Morgen- und Abendwinden. Dabei können Windgeschwindigkeiten von bis zu 400 Kilometern pro Stunde auftreten – ein echter Traum für Sturmjäger. Hält man sich dann gerade auf der Nordhalbkugel auf, kann es richtig ungemütlich werden. Die weiten Flächen bieten den Luftmassen reichlich Angriffsfläche, sodass gigantische Sandstürme entstehen – man könnte auch sagen Roststürme. Der aufgewirbelte Staub hält sich dann meist recht lange. Denn flüssigen Niederschlag gibt es nicht.

Eiswolken

Eiswolken

Dennoch existieren gelegentlich Wolken. Wenn das Kohlendioxid- oder Wassereis sublimiert, also vom festen in den gasförmigen Zustand übergeht, dann bilden die Gase in der Atmosphäre Wolken. Dann wird es aber dringend Zeit, den Regenschirm aufzuspannen. Denn die Wolken gehen später als Niederschlag aus winzigen Eiskristallen auf die Marsoberfläche nieder. Beginnt es dann auch noch zu blitzen, sollte man den Regenschirm aber vorsichtshalber doch wieder zur Seite legen.

Der Mars liegt also ein bisschen außerhalb der Komfortzone von uns Menschen. Zunächst sind wir daher auf feste Behausungen angewiesen, die uns vor Kälte und Strahlung schützen. In ferner Zukunft könnte der Rote Planet aber durch Terraforming zu einer passablen zweiten Erde werden.

Was versprechen wir uns von einer Besiedlung des Mars?

Angesichts der suboptimalen Bedingungen auf dem rostigen Planeten könnte man sich schon fragen, warum wir anscheinend keine Kosten und Mühen scheuen, um dorthin zu gelangen? Vermutlich ist die Antwort dieselbe wie beim Flug zum Mond: Weil wir’s können!

Besiedlung des Mars

Der Mars-Rover Curiosity auf Erkundungstour

Aber darüber hinaus? Kann uns der Mars mehr bieten als die bloße Befriedigung unseres Entdeckerdrangs? Doch wäre allein diese Tatsache nicht ausreichend? Immerhin wusste Christoph Kolumbus damals auch nicht, was ihn erwartet und dennoch hatte sich seine Reise gelohnt – auch wenn er die geplante Destination Indien gar nicht erreichte. Der menschliche Entdeckerdrang hat uns stets voran gebracht, obwohl der Nutzen der Bemühungen zu Beginn wahrscheinlich nur selten bekannt war. Und vielleicht hält auch der Rote Planet Einiges für uns bereit.

Eine zweite Heimat

Der britische Physiker Stephen Hawking sagte einmal „Ich glaube, dass wir keine 1000 Jahre mehr überleben werden, wenn wir zuvor nicht von diesem zerbrechlichen Planeten flüchten“. Vielleicht werden wir die Erde irgendwann soweit geschädigt haben, dass wir hier nicht mehr überleben können. Genau diese traurige Zukunft wird zumindest in Christopher Nolans Film Interstellar eindrucksvoll dargestellt. Naturkatastrophen könnten in vermehrter Zahl und Stärke über uns kommen, die Polkappen weiter abschmelzen und Böden unfruchtbar werden.

Einen Plan B in der Tasche zu haben, könnte in solch einem apokalyptischen Szenario nicht schaden. Natürlich würden nicht alle Menschen gerettet werden können, aber das Überleben unserer Rasse wäre zumindest gesichert. Und letztlich strebt jede Spezies nach der Arterhaltung. Insofern sind unsere Bemühungen, den Weltraum zu erobern, vielleicht nur die Befolgung des genetischen Imperativs.

Die Utopie einer perfekten Gesellschaft

Zudem sind Wissenschaftler sicher von der Möglichkeit fasziniert, eine neue Welt erschaffen zu können. Eine zweite Erde, die auf dem Reißbrett entworfen wurde. Man stelle sich nur die Möglichkeiten vor, wenn wir die Fehler der Vergangenheit vermeiden und woanders noch einmal neu anfangen könnten. Doch wenn wir unsere Probleme schon hier nicht lösen können, warum sollten wir sie dann auch noch ins Weltall hinaus tragen. Was wäre auf dem Mars anders? Könnten wir dort wirklich friedvoll und altruistisch miteinander umgehen?

Besiedlung des Mars

Die künstlerische Darstellung zeigt ein Leben auf dem Mars, das hauptsächlich Untertage stattfindet.

Eine Reise zum Mars werden sich sicher nur die Wohlhabenden unserer Gesellschaft leisten können. Außerdem ist zu erwarten, dass eine strenge Selektion stattfinden würde. Insofern würde die Besiedlung des Mars vielleicht unweigerlich eine neue Art der Zweiklassengesellschaft hervorbringen. Der Film Elysium postuliert solch eine Zukunft. Auf der Erde leben und arbeiten die Armen, während es den Reichen auf dem Mars an nichts mangelt. Im Film handelte es sich allerdings um einen luxoriösen Außenposten in Form einer hochmodernen Raumstation.

Rohstoffvorkommen

Industrierohstoffe

Neben der Möglichkeit zur Schaffung einer neuen Welt bietet der Mars auch einige Rohstoffe, was ihn von den meisten anderen Planeten unseres Sonnensystem unterscheidet. Unter der Oberfläche lagern beispielsweise große Bestände an Kupfer, Schwefel und Phosphor. Das dürfte aber nicht die Motivation für Raumfahrtunternehmen wie SpaceX sein. Die Preise für die geschürften Rohstoffe würden die der irdischen bei weitem übersteigen.

Doch das Vorhandensein der Rohstoffe ist günstig für die Besiedlung des Mars. Denn je mehr uns der Planet von Hause aus zu bieten hat, desto weniger muss transportiert werden. So ist nur geeignetes Abbaugerät von Nöten. Sollte Elon Musk sein Interplanetares Transportsystem tatsächlich mit der geplanten Regelmäßigkeit von zwei Jahren etablieren können, dürfte es daran nicht mangeln.

Auf der Erde seltene Stoffe

Es könnte allerdings weitere Rohstoffe geben, für die der Transport zur Erde möglicherweise lohnt: Seltene Metalle oder wertvolle chemische Verbindungen. Beispielsweise existiert auf dem Mond reichlich Helium-3, das sich in unsere Heimat kaum finden lässt. Dieser Stoff könnte später einmal die Grundlage für unsere Energieversorgung durch Fusionsreaktoren sein. Wer weiß, was der Mars hier für uns bereithält. Hätte man in einigen Jahrzehnten eine funktionsfähige Marsbasis, könnte der Planet systematisch erforscht werden. Auch der Frage nach Leben auf unserem Nachbarn dürfte man dann genauer auf den Grund gehen können.

Marsoberfläche

Wer weiß, welche Bodenschätze unter der rötlichen Marsoberfläche lagern.

Wasser

[dropca style=“square“]E[/dropcap]iner der wichtigsten für die Besiedlung des Mars nötiger Rohstoffe ist Wasser. Inzwischen weiß man, dass es Wasser auf dem Mars gibt. Es kommt, soweit bekannt, größtenteils in fester Form vor. Die eisigen Polkappen beherbergen sowohl Wasser- als auch Kohlenstoffeis. Außerdem könnte es in gefrorenen Böden vorkommen. In flüssiger Form ist es aufgrund des geringen atmosphärischen Drucks nur kurzzeitig an tiefstgelegenen Gebieten vorhanden. Selbst bei Temperaturen weit unter Null wäre das durch die Mischung mit speziellen Salzen möglich.

Der Abbau der Rohstoffe wird also primär nach der Besiedlung des Mars für die Kolonisten von Bedeutung sein. Der Transport bedeutender Materialen zur Erde ist so kostspielig, dass er nur selten lohnen dürfte. Rohstoffe sind also kein Grund für die Einverleibung des Roten Planeten aber eine notwendige Bedingung.


Was ist Eurer Meinung nach die größte Motivation für die geplante Besiedlung des Mars? Wie stellt Ihr Euch die Zukunft als multiplanetare Spezies vor? Wir freuen uns auf eine spannende Diskussion!

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Mich faszinieren besonders politische sowie wirtschaftliche Zusammenhänge in der Welt. Dazu recherchiere ich gern selbst und werde euch die Früchte meiner Arbeit regelmäßig präsentieren. Außerdem liebe ich Filme, sodass ihr euch auch auf das ein oder andere Review freuen dürft.