Das Schnabeltier hatte beim Menschen noch nie einen leichten Stand. Sieht seltsam aus, hat als Säugetier einen Giftstachel und jagt mit unfassbar sensiblen elektronischen Rezeptoren. Lest hier, was es damit auf sich hat.

Das Schnabeltier schlägt blitzschnell zu

Wenn wir Menschen die Taucherbrille nicht erfunden hätten, dann wären wir unter Wasser fast völlig orientierungslos. Unsere Sinne würden nahezu komplett versagen, der Sehsinn käme uns ebenso komplett abhanden wie der Geruchssinn. Und der Hörsinn allein bringt uns auch nicht besonders viel. Schnabeltiere halten die Augen, die Nase und sogar die Ohren unter Wasser ebenfalls geschlossen, aber sie brauchen sie auch gar nicht. Ihre Nahrung finden die Fleischfresser nämlich blind – und dennoch sicher und zielgerichtet.

Die in Australien beheimateten Tiere verbringen viel Lebenszeit im Wasser. Verbreitet haben sie sich entlang der kompletten Ostküste und in Tasmanien, und die Tiere, die sie verzehren, leben alle, genau, im Wasser. Dazu zählen zum Beispiel Würmer, Krabben und die Larven von Insekten. Der Mund der Schnabeltiere erweist sich bei der Jagd als extrem nützlich. Denn um die Nahrung aufzuspüren, setzen diese eierlegenden Säuger den Schnabel dazu ein, um etwa Steine umzudrehen, unter denen sich die Beute versteckt. Ist das von Erfolg gekrönt, dann schlägt das Schnabeltier blitzschnell zu. Doch wie erkennt Ornithorhynchus anatinus (so der wissenschaftliche Name) überhaupt, ob es Beute aufgewirbelt hat, wenn doch die Augen verschlossen sind?

Ein Schnabeltier kann zwei Minuten tauchen

Zunächst einmal: Schnabeltiere sind prima Taucher. Wenn sie Luft holen, reicht die Sauerstoffsättigung im Blut für zwei Minuten unter Wasser. Und in dieser Zeit sind sie ziemlich aktiv, während sie ihre Beute aufspüren. Das kostet zusätzlichen Sauerstoff, den – vereinfacht ausgedrückt – die Muskeln benötigen. Der Rest der Jagd funktioniert dann sozusagen vollautomatisch, und zwar elektrisch.

11 Geschickter Schwimmer - ein Schnabeltier in seiner natürlichen Umgebung

Geschickter Schwimmer – ein Schnabeltier in seiner natürlichen Umgebung. Bild: Wikipedia/Flickr (Klaus)

Ähnlich wie der Hai und der Rochen besitzt auch das Schnabeltier einen Elektrosinn. Dieser unterscheidet den wendigen Taucher vom Rest der Säugetiere, er ist einzigartig. Doch wie funktioniert das? Im Prinzip ist es ganz einfach. Mit Elektrorezeptoren können sie noch so schwache elektrische Felder wahrnehmen, die entstehen, wenn sich Beutetiere auch nur minimal bewegen. Selbst das kleinste Muskelzucken des Gegners fühlt das Schnabeltier auf diese Weise. Mit Hilfe der Mechanorezeptoren, also einer Art Tastsinn, gleicht das Schnabeltier dann ab, wie weit das Beutetier entfernt ist. Dann schlägt es punktgenau zu. Die Beute hat kaum eine Chance.

Sehr sensibel und wie ein Hamster

Dass die Wahrnehmungsorgane beim Schnabeltier sehr sensibel sind, ist damit klar. Doch zwei weitere Faktoren müssen hinzukommen, wenn die Jagd erfolgreich sein soll. Das ist zum einen der Grad der elektrischen Signale – und zum anderen deren Ausbreitung. Diese Variablen sind je nach Beutetier völlig unterschiedlich, was ziemlich erstaunlich ist. Denn klar ist nur, dass Schnabeltiere permanent Signale aussenden müssen, um erfolgreich zu jagen. Dass diese in immer unterschiedlicher Stärke gesendet werden, stellt Wissenschaftler weiter vor ein Rätsel. Bis heute ist es noch nicht zu 100 Prozent klar, wie das Suchsystem genau arbeitet.

Manchmal muss man genau hinsehen, wo beim Schnabeltier vorn und wo hinten ist

Man muss genau hinsehen, wo beim Schnabeltier vorn und wo hinten ist. Bild: Wikipedia/Stefan Kraft

Dafür haben Forscher herausgefunden, was mit den Beutetieren passiert. Schnabeltiere verdrücken ihre Opfer nicht etwa an Ort und Stelle. Sie mögen es beim Essen offenbar etwas gemütlicher. Nach dem erfolgreichen Beutezug tauchen sie auf, gehen oft an Land und suchen sich ein ruhiges Plätzchen. Bis sie das gefunden haben, behalten sie ihre Beute wie ein Hamster in den Backentaschen. Dann verlagern sie die Opfer in die Mundhöhle und zermalmen sie dort mit ihren kräftigen Hornplatten, die eine Art Zahnersatz darstellen.

Als übrigens die ersten europäischen Aussiedler das Schnabeltier entdeckten, waren sie zunächst davon überzeugt, dass der Schnabel präpariert ist. Dieser Ansicht waren auch Wissenschaftler in London, die ein Exemplar zugeschickt bekamen. Und noch 1836 schrieb Charles Darwin in sein Tagebuch: „Glaubt jemand nur seinem eigenen Verstande, könnte er ausrufen: Gewiss müssen hier zwei verschiedene Schöpfer am Werk gewesen sein.“


Ungewöhnliches Wesen, so ein Schnabeltier, oder? Hast du auch schon mal von einem Tier gehört, das ebenso seltsam ist? Oder gar noch etwas Verrückteres? Dann lass es uns wissen! Quelle Titelbild: Wikipedia/Yomangani


Zum Bluefacts Buch

Nicht vergessen: Bluefacts gib es jetzt auch als Buch! Gefallen Euch unsere Fakten? Dann holt Euch jetzt unser Buch 1.000 unglaubliche Fakten und unnützes Wissen. Wir freuen uns auf Euch.




Share.

About Author

Freier Journalist und Texter. Recherchiert und schreibt über alles, was nicht 08/15 ist und Eindruck hinterlässt. Ist gern unterwegs in der Weltgeschichte.