Zu Zeiten Ludwig XIV. war „la Nouvelle France“, also das überseeische Neufrankreich in Nordamerika, ziemlich dünn besiedelt. Die Karte im Artikel stammt von 1650 und lässt die Leere erahnen. Da hatte der Sonnenkönig eine Idee, um der menschenarmen Region auf die Beine zu helfen.

Neufrankreich brauchte Frauen im gebärfähigen Alter

Das „Neufrankreich“ genannte Gebiet war eine Region, die im heutigen Kanada liegt. Noch Mitte des 17. Jahrhunderts lebten hier einige französischstämmige Trapper, Soldaten und Priester. Die Landwirtschaft kam gerade erst auf, die wenigen Frauen, die es gab, hatten kaum eine sinnvolle Beschäftigung. Das bedeutete, dass es viel mehr Männer als Frauen gab, und das, obwohl die Gegend sowieso kaum Menschen aufwies. Am Hofe des Sonnenkönigs wollte man diesen Missstand nicht hinnehmen. Also ersann man in Versailles einen Plan. 

Neufrankreich kurz vor der Entsendung der Königstöchter

Neufrankreich kurz vor der Entsendung der Königstöchter

Neufrankreich war wichtig für Louis Quatorze, er wollte die Vorherrschaft in Übersee nicht kampflos an die Briten abtreten. Und er wollte das Gebiet ausdehnen – was ihm langfristig auch gelingen sollte, um das vorwegzunehmen. Doch dafür brauchte die Region zunächst kein Land, sondern erst einmal Menschen, die das Land später würden besetzen können. Mit einem Wort: der Sonnenkönig wollte für Nachwuchs sorgen. Nicht direkt durch ihn, das hätte selbst ihn wohl überfordert. Nein, am Hofe schmiedete man den Plan, 800 junge Französinnen nach Amerika zu transportieren. Die meisten von ihnen waren zwischen 16 und 25 Jahre alt.

Die Töchter des Sonnenkönigs

Das Auswanderungsprogramm dauerte von 1663 bis 1673, die „Töchter des Königs“ landeten überwiegend in Montreal, Québec und Trois-Rivières an. Der Zeitpunkt war allerdings etwas heikel, da just 1663 die Irokesenkriege einsetzten, die bis 1701 jeden zehnten Franzosen das Leben kosteten, insgesamt wohl bis zu 300 Männer. Die amerikanischen Ureinwohner erhielten ihre Waffen oft von den Engländern. Für Louis XIV. ein Grund mehr, die Region schnell zu besiedeln. Als Anreiz erhielten die Frauen eine Mitgift. Wenn sie dann in Amerika heirateten, legte der Staat noch ein paar Kühe, Schafe und Hühner obendrauf.

Ankunft der Töchter in Neufrankreich

Ankunft der „Töchter des Königs“ in Neufrankreich

Doch wer waren die Königstöchter? Die meisten stammten aus Paris – und aus armen oder besonders kinderreichen Familien. Auch Waisen befanden sich darunter. Einige Frauen wurden direkt an bestimmte Frankokanadier vermittelt, etwa Adlige oder Armeeoffiziere. So hoffte der König, dass die Frauen sich aufgrund der sozialen Stellung schnell verheiraten und schwängern lassen würden. Ein wichtiges Kriterium stellte die Gesundheit dar, um die harte Arbeit in Übersee durchzustehen. Und auch eine gewisse moralische Reinheit war vonnöten, die Kolonialbehörden hatten das zu überprüfen. Denn nicht jede Frau gehörte nach damaliger Ansicht in die Neue Welt.

Auswirkungen bis heute

Etwa 737 Frauen heirateten in Neufrankreich, die meisten bekamen Kinder. Nach acht Jahren wurde das Programm eingestellt, 1673 noch einmal für kurze Zeit wieder aufgenommen. Bereits da zählte Neufrankreich etwa doppelt so viele Einwohner wie zehn Jahre zuvor. Wissenschaftler nehmen heute sogar an, dass zwei Drittel aller Frankokanadier von den Töchtern des Sonnenkönigs abstammen.


Im Laufe der Geschichte wurden schon viele Menschen von Diktatoren und Herrschern deportiert. Wie seht ihr das? Trifft der Begriff auch auf die Töchter des Königs zu? Lasst es uns wissen – und viel Spaß bei der Diskussion!


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About Author

Freier Journalist und Texter. Recherchiert und schreibt über alles, was nicht 08/15 ist und Eindruck hinterlässt. Ist gern unterwegs in der Weltgeschichte.