Ein Diamant aus der Asche eines Toten. Was zunächst bizarr klingt, ist wirklich möglich. Bei der Diamantbestattung werden Teile der kremierten Überreste eines Toten in einen synthetischen Diamanten gepresst. Die Familie des Verstorbenen hat so eine visuelle und greifbare Erinnerung. Wir haben alle wichtigen Informationen zur Herstellung, den Kosten und der rechtlichen Lage für eine Diamantbestattung in Deutschland gesammelt.

Ablauf der Bestattung – Wie entsteht der Diamant?

Eine Diamantbestattung setzt eine besondere Art der Feuerbestattung voraus. Benötigt wird dafür nur ein Teil der Asche. Der sogenannte amorphe Kohlenstoff. Damit dieser gewonnen wird, muss die Verbrennung unter einer Temperatur von 800 bis 950 Grad Celsius erfolgen. Aus der üblichen Kremationsasche, die bei Temperaturen über 1200 Grad entsteht, kann kein Diamant gepresst werden. Im Prozess der Diamantbestattung werden zunächst die amorphen Kohlenstoffe von der restlichen Asche getrennt. Letztere wird üblicherweise in einem Urnengrab bestattet.

Quelle: Wikipedia/Christoph Waghubinger

Bei einigen Verfahren werden dem Kohlenstoff Zusätze beigemischt. Über einen Zeitraum von vier bis acht Wochen wird dieser dann unter extremem Druck zu einem Diamanten gepresst. Durch die Umwandlung der amorphen Kohlenstoffe in Diamantkristalle wird ein Rohdiamant gezüchtet. Dieser kann je nach Wunsch der Auftraggeber in die typische Diamantform geschliffen werden. Spezielle Form-Wünsche wie ein Brilliant, ein Herz oder eine ovale Ausführung sind ebenso möglich.

Für die Herstellung eines Diamanten werden laut Aabacus Bestattungen etwa 500 Gramm benötigt. Ein Saphir oder Rubin kann aus ungefähr 100 Gramm amorphen Kohlenstoffs hergestellt werden. Oxide wie Eisen oder Chrom ermöglichen Farbwünsche des Diamants. Das Karat, also die Größe des Steins, sind unterschiedlich. Jeder Diamant ist ein Unikat.

Auch die Pressung mehrerer Diamanten aus der Asche eines Toten ist möglich. Dafür muss genügend amorpher Kohlenstoff vorhanden sein. Wenn mehr als ein Hinterbliebener den Verstorbenen durch einen Stein in Erinnerung behalten möchte, sind „Familiendiamanten“ die Möglichkeit, diese besondere Form des Erinnerns zu teilen.

Ein Schmuckstück aus dem Diamanten bietet die Möglichkeit, das Andenken an den Verstorbenen als Ohrring oder Kettenanhänger zu tragen und den Menschen so auf besondere Weise in Erinnerung zu halten. Nach der Fertigstellung erhalten die Trauernden neben dem wertvollen Erinnerungsstück sogar ein Echtheitszertifikat.

Kosten der Diamantbestattung

Der Preis für eine Diamantbestattung lässt sich pauschal nicht festlegen. Die Angebote variieren je nach Anbieter, Stein- und Schliffwunsch. Die Fertigung eines Rubins oder Saphirs ist ohne die Kosten der obligatorischen Feuerbestattungskosten und den Grabplatz ab etwa 2.000 Euro möglich, ein Rohdiamant (ohne Feuerbestattung und Grabplatz) beginnt bei 4.000 Euro und ein Diamant im Brillantschliff kostet ab 5.000 Euro aufwärts. Zwischen 1.500 und 2.500 Euro kommen jeweils für die Feuerbestattung und den Grabplatz hinzu. (Stand: Januar 2017)

Diamantbestattung in Deutschland – Die rechtliche Lage

In Deutschland ist eine Diamantbestattung aufgrund der Bestattungspflicht und des Friedhofzwangs nicht erlaubt. Dieser besagt, dass Verstorbene in offiziellen Gräbern bestattet werden müssen. In der Schweiz oder den Niederlanden finden sich europäische Anbieter. Dort kann legal ein Diamant aus der Asche von Verstorbenen gemacht werden.

Alternativ dazu bietet sich ein Erinnerungsdiamant aus Kreatin, einem Bestandteil der menschlichen Haare, an. Dieser Diamant kann von den Haaren eines Lebenden angefertigt werden. Dabei werden zirka 10 Gramm Haare für die Gewinnung amorphen Kohlenstoffs verkohlt. Daraus wird der gewünschte Diamant gezüchtet. Die Herstellung ist auch in Deutschland legal. 

Tiere durch einen Diamant im Gedächtnis behalten

Die Diamantbestattung bietet sich auch für Tiere an. Ein Hund oder ein Pferd begleitet einen Menschen oft über einen Zeitraum von mehr als 10 Jahren. Der besonderen Bindung zwischen Mensch und Tier kann durch einen Diamant aus der Asche des Tieres oder Fells ein außergewöhnliches Denkmal gesetzt werden. Dieser wird im selben Verfahren wie ein Erinnerungsdiamant aus menschlicher Asche hergestellt.


Was sagst du zur Diamantbestattung? Bizarr oder eine schöne Möglichkeit, um Trost zu finden und einen geliebten Menschen oder ein Tier in ewiger Erinnerung zu halten? Wir freuen uns auf deinen Beitrag in den Kommentaren.


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Politik, Kultur und Kunst sind meine Spezial-Themen. Wenn ich nicht für Bluemind oder meinen Blog Unangepasst schreibe, findet ihr mich entweder in der Ferne mit einem Literatur-Klassiker am Strand oder bei einer Ausstellung.