Die ganze Wahrheit über Drogen: Suchtgefahr, Auslöser und Legalisierung

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Debatten über Drogen gibt es schon ewig. Sie sind schädlich, sie machen süchtig und sie zerstören einem das Leben – so die vorherrschende Meinung. Doch zumindest beim Thema Marihuana scheinen sich die Fronten ein wenig zu lockern. Wir wollen daher die aktuellen Debatten hierzulande und in den USA genauer unter die Lupe nehmen, den US-Bundesstaat Colorado betrachten, in dem Marihuana bereits legal ist und über Auslöser und Stärkegrade einer Drogensucht berichten.

Die Suchtgefahr bei Drogen

Zunächst soll die mögliche Suchtgefahr von Drogen im Allgemeinen genauer beleuchtet werden. In diesem Zusammenhang wollen wir Euch von einem interessanten Experiment berichten. Die grundlegende Frage, die sich dabei stellt ist: Macht die Droge selbst süchtig? Ist also das Hineinrutschen in den Konsum die Ursache für eine Sucht oder sind es vielmehr äußere Umstände, die dazu führen?

Ratte im leeren Käfig – mit Drogen

Dazu wurde mehrfach ein Experiment an verschiedenen Ratten durchgeführt. Die Wissenschaftler setzten die Ratte in einen Käfig, in dem sich zwei Wasserflaschen befanden. Während die erste Flasche normales Wasser enthielt, war der Inhalt der zweiten mit Heroin oder Kokain versetzt. In fast allen Fällen konnte die Ratte nicht von der magischen Substanz ablassen und starb schließlich.

Dies galt vielen Menschen als Beweis für das Suchtpotenzial von Drogen. Doch was würden wir tun, wenn wir isoliert und ohne jegliche Beschäftigung vor die Wahl zwischen Wasser und dem Drogengemisch gestellt werden würden?

Ratte

 

Ratte im Paradies – mit Drogen

Da es der Ratte in dem kargen Käfig schlicht an alternativen Beschäftigungsformen mangelte, wurde das Experiment von dem Forscher Bruce Alexander erneut durchgeführt. Dieses Mal hatte die Ratte allerdings alles, was das Nagerherz begehrt: bunte Bälle, gutes Futter, Tunnel und andere Spielkameraden. Auch hier kosteten die Tiere von beiden Flaschen, tranken aber nur gelegentlich davon – und alle überlebten. Ähnliches lässt sich am Menschen beobachten.

Studien zufolge waren 20 Prozent der Soldaten während des Vietnamkrieges heroinabhängig, stoppten ihren Konsum aber in nahezu allen Fällen nach ihrer Heimkehr. Ebenso beenden Patienten, die mit Schmerzmitteln wie Morphium behandelt werden, die Aufnahme der Droge nachdem die Krankheit ausgestanden ist. Die Ergebnisse zeigen somit klar, dass das Lebensumfeld der Probanden die Hauptdeterminante bei der Drogensucht ist. Doch was passiert, wenn man einmal auf die schiefe Bahn geraten ist?

Ratten im Paradies – nach der Drogenisolation

Auch dieser Frage widmete sich Prof. Alexander indem er die beiden Experimente kombinierte. Zuerst wurde die Ratte in den leeren Käfig gesetzt, sodass sie sich 57 Tage lang der Drogensucht hingeben konnte. Doch bevor die Eskapade ihr unheilvolles Ende nehmen konnte, wurde die Ratte in die luxuriöse Nagerunterkunft aus dem zweiten Versuch umgesiedelt. Trotz der schweren Sucht, beendeten alle Versuchstiere den Drogenkonsum und kehrten zu einem ehrbaren Rattenleben zurück.

Offensichtlich führen Drogen durchaus zu einer Sucht, was aber nichts über den Auslöser selbiger aussagt. Die Versuche haben gezeigt, dass mangelnde Beschäftigung (wie beispielsweise Arbeitslosigkeit), fehlende soziale Kontakte oder besonders schwer zu bewältigende Lebensabschnitte die eigentliche Suchtgefahr darstellen. Treten in der Zeit des Konsums keine irreparablen Schäden auf, so kann der Übergang zu einem geregelten Leben in einem vernünftigen sozialen Umfeld den Drang nach einer neuen Dosis wirksam bekämpfen. Eine sehr ausführliche Betrachtung der Suchtthematik inklusive der angeführten Studien liefert Euch dieses Buch.

Marihuana – Chancen und Risiken einer Legalisierung

Die am weitesten verbreitete illegale Droge ist mit Abstand Marihuana. Ob auf Konzerten, Partys, im Freibad, an Studentenwohnheimen oder im Park: Überall steigt einem gelegentlich der charakteristische Duft in die Nase. Keine Frage, Gras ist längst in der Gesellschaft angekommen, auch wenn sich weiterhin Protest breitmacht.

Wir wollen daher einen genaueren Blick auf die Gefahren von Marihuana werfen. Darüber hinaus sollen bestehende Legalisierungstendenzen in Deutschland verdeutlicht und die Auswirkungen bereits stattgefundener Entkriminalisierung in anderen Ländern untersucht werden.

Die Wirkung von Marihuana

Marihuana, also die Blüten von Hanfpflanzen, werden auch als Cannabis bezeichnet und enthalten den Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC). Nimmt ein Konsument die Substanz durch Rauchen oder Verzehr zu sich, so wirkt sich dies natürlich auf das Denken und Handeln der Person aus. Am häufigsten stellt sich dabei ein starkes Gefühl der Entspannung ein. Zudem beschreiben Konsumenten eine damit verbundene körperliche Trägheit, die meist als angenehm empfunden wird.

Joint, Quelle: Wikipedia/Schorle

Joint, Quelle: Wikipedia/Schorle

Aber auch im Geiste lassen sich Veränderungen während der Wirkungsdauer beobachten. So fallen Reaktionszeiten teilweise länger aus und die Gedächtnisleistung kann vermindert werden, sodass ein übermäßiger Cannabis-Konsum zu einer leichten Teilnahmslosigkeit führen kann. Andererseits wird auch von positiven Veränderungen der Denkleistung berichtet. Beispielsweise soll die Kreativität gefördert werden, was es erleichtert, gewohnte Themen plötzlich aus neuen Perspektiven betrachten zu können.

Medizinische Aspekte von Marihuana

Besonders die medizinische Wirkung von Marihuana ist hervorzuheben. In der Apotheken Umschau werden die zahlreichen positiven Effekte der in Cannabis enthaltenen Wirkstoffe THC und Cannabidiol (CBD) diskutiert. So könnte die Pflanze helfen, Brustkrebs, Hirntumoren und chronische Darmerkrankungen zu behandeln. Aber auch Tourette-, Aids- und multiple Sklerose-Patienten könnten von einer medizinischen Darreichung des Droge profitieren. Darüber hinaus sollen bei 34 weiteren Krankheiten, wie Parkinson oder Schlaganfall, positive Effekte erzielt werden können.

Aufgrund der zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten ist Marihuana seit 2011 als Medikament zugelassen. Das bedeutet, dass entsprechende Pharmazeutika im Labor hergestellt und von Ärzten verschrieben werden dürfen. Das Rauchen des Naturproduktes ist – selbst zu medizinischen Zwecken – weiterhin illegal. Bedauerlich, denn Dr. Franjo Grotenhermen von der International Association for Cannabis as Medicine schätzt, dass allein in Deutschland eine fünfstellige Zahl an Patienten von Marihuana profitieren könnte. Ein Überblick über das Wirkungsspektrum findet Ihr hier.

Gefahren von Marihuana

Will man andererseits ergründen, wie gefährlich Cannabis ist, stellt sich die Frage nach der Zahl der Todesopfer. Wie die Drogenbeauftragte der Bundesregierung in ihrem Bericht vom Mai 2012 feststellte, sind 2011 knapp 1.000 Personen an den Folgen illegaler Rauschmittel gestorben. Obwohl Marihuana auch zu diesen illegalen Substanzen gezählt wird, stand kein einziger Tod mit der Droge in Verbindung und das obwohl sie viel häufiger konsumiert wird als alle anderen Betäubungsmittel.

Drogentote im Jahr 2011

Durch illegale Drogen verursachte Todesfälle im Jahr 2011

Wie die Drug Enforcement Administration (DEA) – die Drogenbehörde der USA – bereits im Jahr 1986 herausfand, ist Marihuana sehr viel harmloser als viele glauben.

Nahezu alle Arzneien haben toxische, möglicherweise tödliche Auswirkungen. Marijuana gehört allerdings nicht zu diesen Substanzen. Es gibt in der umfangreichen medizinischen Literatur keinerlei nachweisbarer, dokumentierter cannabisinduzierter Todesfälle.

Die DEA stellte weiterhin fest, dass zahlreiche legale Substanzen deutlich schädlicher sind als Marihuana: Aspirin beispielsweise. Die empfohlene Medikation für einen Erwachsenen sind zwei Tabletten. Ein Konsum von 40 Tabletten kann dagegen zum Tod führen, was zu einem sogenannten therapeutischen Quotienten von 20 führt. Für Marihuana ließe sich dieser Wert nicht einmal angeben, da er so hoch sei.

Das legt nahe, dass legale Substanzen deutliche höhere Risiken bergen können. Betrachtet man auch die Todesopfer durch legale Drogen, wird schnell klar, dass Alkohol und Tabak immer noch die – mit enormem Abstand – größte Gefahr für unsere Gesundheit darstellen. Daraus sollte allerdings keinesfalls geschlussfolgert werden, dass wir eine Legalisierung sämtlicher Drogen befürworten.

Wenn es nun aber keine Cannabis-Todesfälle gab, dann bleibt die Frage nach Langzeitschäden bestehen. Hierzu gibt es unzählige Studien, die natürlich zu verschiedenen Ergebnissen kommen. Das hängt sicherlich auch vom Financier der Untersuchung ab und demzufolge von den Interessen der Auftraggeber. So kam beispielsweise Wayne Hall, der Suchtexperte der WHO, zu dem Ergebnis, dass Marihuana abhängig macht, den Weg für den Einstieg in harte Drogen ebnet und psychische Störungen verursacht.

 

Todesfälle in Verbindung mit illegalen Drogen, Alkohol und Tabak im Jahr 2011

Todesfälle in Verbindung mit illegalen Drogen, Alkohol und Tabak im Jahr 2011

Macht Marihuana abhängig?

Der Huffington Post zufolge wurde jede seiner Thesen bereits durch wenigstens eine Studie widerlegt. So wurde zwar eingeräumt, dass Marihuana durchaus zu einer Abhängigkeit führen kann, diese allerdings eher psychischer statt physischer Natur ist. Das National Institute on Drug Abuse konnte sogar belegen, dass die Suchtgefahr bei Koffein höher liege. Dennoch sollten Abhängigkeitstendenzen nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. beschrieb die Gefahr folgendermaßen:

„Ähnlich dem Alkoholkonsum kann es auch beim Haschischkonsum über einen längeren Zeitraum hinweg ein Missbrauchverhalten geben, ohne dass es zur Ausbildung einer Abhängigkeit kommt. Das Risiko eines Missbrauchs und einer Abhängigkeitsentwicklung ist abhängig vom individuellen Konsummuster und den persönlichen und sozialen Risikofaktoren eines Canabiskonsumenten und- missbrauchers.“

Ist Marihuana eine Einstiegsdroge?

Aber öffnet die Droge möglicherweise dem Konsum von Heroin oder Kokain Tür und Tor? Das ist nicht zu vermuten. Hall legt zwar nahe, dass Konsumenten harter Drogen vorher häufig Marihuana zu sich nahmen, doch dies ist längst kein Beleg für einen tatsächlichen Zusammenhang. Immerhin haben Kiffer vor ihrem ersten Joint sicher auch Alkohol getrunken.

Löst Marihuana Psychosen aus?

Auch das Auslösen psychischer Störungen konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Greifen Heranwachsende allerdings zu der Droge, so verdoppelt sich das Psychoserisiko. Doch dieser Effekt tritt auch beim Vergleich von Stadt- und Landkindern auf: Kinder, die in einer Stadt aufwachsen, erkranken doppelt so oft an psychischen Störungen wie Kinder vom Lande. Doch niemand würde deshalb die Urbanisierung als Psychose-Treiber dämonisieren.

Cannabis-Blüte, Quelle: Wikipedia/Eastcoastshine

Cannabis-Blüte, Quelle: Wikipedia/Eastcoastshine

Macht Marihuana dumm?

Die Marihuana-Gegner führen häufig an, dass der regelmäßige Konsum dumm mache. Auch diese These darf stark angezweifelt werden, immerhin kam eine Studie aus der Schweiz zu dem Schluss, dass kiffende Schüler im Durchschnitt bessere Leistungen erzielen als andere. Zudem gab Dr. Christian Schütz, Psychiater an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Bonn, gegenüber dem Bundesministerium für Bildung und Forschung an, dass kognitive Langzeitschäden nicht nachgewiesen werden konnten und eher fraglich sind. Jugendliche sollten sich dem Cannabiskonsum allerdings nicht hingeben. Auch wenn die Schweizer Studie kurzfristig positive Ergebnisse nachgewiesen hat, kann das unentwickelte Gehirn mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Schaden nehmen. Dies kann sogar irreparabel sein.

Dagegen kann das Gedächtnis aber durchaus auch bei Erwachsenen beeinträchtigt werden, was sogar noch längere Zeit nach der letzten Dosis auftreten kann. Die Störungen seien dabei zwar messbar, müssen sich im Alltag allerdings nicht zwangsläufig bemerkbar machen. Andere Studien, wie beispielsweise von der Universität Texas, kommen zu dem Ergebnis, dass die Hirnmasse durch längeren, regelmäßigen Cannabis-Konsum schrumpfen kann.

Einen umfassenden Überblick über bisherige Studien stellt der Cannabis-Experte Dr. Franjo Grotenhermen vor und kommt zu dem Schluss, dass weitergehende Untersuchungen von großer Bedeutung sind, um der Frage nach Langzeitschäden nachzugehen. Zusammenfassend zitiert er Nadia Solowij vom Nationalen Drogen- und Alkoholforschungszentrum der Universität Sydney, eine der renommiertesten Expertinnen auf diesem Gebiet:

„Der Langzeitkonsum von Cannabis führt nicht zu groben, kognitiven Defiziten, aber es gibt jetzt genügend Hinweise, dass er eher subtilere und selektive Beeinträchtigungen höherer kognitiver Funktionen verursacht. (…) Die Langzeitrisiken sind für die meisten Anwender nicht gravierend, und die Wirkung ist relativ gering, (…). Der Umfang der Wiederherstellung der kognitiven Funktionen ist noch unklar.“

Legalisierung von Marihuana

Auch wenn noch nicht abschließend geklärt werden konnte, ob Cannabis langfristig negative Wirkungen aufweist, sind zwei Dinge gesichert: Erstens ist von Cannabis noch niemand gestorben und zweitens sind legale weiche Drogen sehr viel schädlicher. Darüber hinaus mangelt es Tabak und Alkohol sogar an positiven Wirkungen, die Marihuana, wie bereits gezeigt, aufweist. Natürlich ist es möglicherweise nicht sinnvoll, einen weiteren vermeintlichen Schadstoff zu legalisieren, allerdings ist das eine Frage der Gerechtigkeit. Objektiv betrachtet müsste man Alkohol und Tabak verbieten oder Cannabis legalisieren. Letztere Option wollen wir genauer diskutieren.

Zusätzliche Steuereinnahmen durch die Legalisierung

Der durchschnittliche Preis für ein Gramm Marihuana liegt je nach Gebiet bei acht bis zwölf Euro. Das ist auch davon abhängig, durch wie viele Zwischenhändler das Produkt bisher gegangen ist. Wenn man bedenkt, wie leicht die Pflanze anzubauen ist, ergibt sich bei einer Legalisierung eine Menge Spielraum für den Fiskus. Schätzungen reichen von 0,5 bis zur 3,5 Milliarden Euro jährlich. Eine sagenhafte Summe, wenn man bedenkt wofür sie ausgegeben werden könnte. Doch nicht nur, dass die Staatseinnahmen durch die Legalisierung steigen würden – man könnte sogar enorme Beträge bei der Strafverfolgung einsparen. Diesbezüglich werden die möglichen Einsparungen auf etwa 3,8 Milliarden Euro beziffert.

Legalisierung führt zu positiven Wechselwirkungen

Insgesamt könnte der Fiskus also über bis zu 7,3 Milliarden Euro an zusätzlichen freien Mitteln verfügen. Dabei sind die positiven Wechselwirkungen noch nicht berücksichtigt. Denn eine Legalisierung würde zweifelsohne zu zahlreichen Unternehmensgründungen führen, was Arbeitsplätze schafft und somit die Ausgaben für Arbeitslosengelder, Umschulungen und weitere Maßnahmen reduziert. Zudem ist zu erwarten, dass sich die Jobsituation für Betroffene verbessert. Denn wer bereits negativ im Zusammenhang mit Marihuana aufgefallen ist, der hat es schwerer eine angemessene Arbeitsstelle zu finden. Eine Entkriminalisierung dürfte also tendenziell höhere Gehälter und damit natürlich weitere Steuereinnahmen bedeuten.

Andererseits muss auch berücksichtigt werden, dass mit der Legalisierung eine Überwachung der Verkaufsstellen sowie eine umfassende Bildungs- und Informationsinitiative einhergehen müsste. Doch diese Kosten dürften deutlich geringer ausfallen als die mit der Kriminalisierung von Cannabis einhergehenden Ausgaben. Die verbleibenden Mehreinnahmen des Staates könnten beispielsweise in die Bildung oder die Förderung von Unternehmensgründungen investiert werden. Auch dies würde der Wirtschaft zusätzliche Wachstumsimpulse liefern und so zu mehr Wohlstand führen.

Entkriminalisierung der Betroffenen

Ein weniger ökonomisches Argument, ist die Ineffizienz der aktuellen Strafverfolgung. Obwohl das Verbot rigoros verfolgt wird – jährlich werden etwa 150.000 Verfahren eingeleitet – kommt es allerdings nur in 40.000 bis 50.000 Fällen zu Verurteilungen. Die unzähligen Verfahren, die wegen Geringfügigkeit eingestellt werden, binden Energien die an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden können.

Dieser Auffassung ist auch Jugendrichter Andreas Müller: „Egal, ob wir Cannabis kriminalisieren oder nicht, es wird sowieso genommen. Kein Gesetz hält die Menschen davon ab“. In seinem Buch Schluss mit Sozialromantik beschäftigt er sich unter anderem mit der Legalisierung von Cannabis und stellt fest, dass die aktuelle Rechtssprechung hunderttausende Kriminelle schafft, die eigentlich gar keine sind.

Eindämmung von Substituten – Legal Highs

Aufgrund des Cannabisverbotes gibt es im Internet zahlreiche Ersatz-Kräutermischungen oder Badesalze legal zu kaufen. Dies sind synthetisch hergestellte Ersatzprodukte für Cannabis aber auch andere Drogen. Auch wenn der Gesetzgeber natürlich nicht vorsieht, dass diese Rauschmittel frei verkäuflich sind, scheinen ihm die Hände gebunden zu sein, da Händler die Rezeptur leicht verändern können und somit von einer Gesetzeslücke zur nächsten springen.

Legal High, Quelle: Wikipedia/Schorle

Legal High, Quelle: Wikipedia/Schorle

Das Problem der sogenannten Legal Highs: Mit ihnen gehen deutlich höhere Risiken als bei Cannabis einher. Die Nebenwirkungen solcher Substanzen reichen von Übelkeit, Herzrasen, Halluzinationen über Psychosen und Bewusstlosigkeit bis hin zum Tod. Auch in den USA wurde von einigen heftigen Begleiterscheinungen der Substitute berichtet: Halluzinationen mit Todesfolge, Gewaltverbrechen, Selbstverstümmelungen und vielem mehr. Eine Legalisierung von Cannabis könnte diesen Markt allerdings zügig austrocknen.

Frage an die Bundeskanzlerin: Wann wird es zu einer öffentlichen demokratischen Abstimmung kommen?

Mit dieser Frage wandte sich ein Bürger auf dem Portal Direkt zur Kanzlerin an Frau Dr. Merkel. Da das Gesuch von den Usern genügend Stimmen erhielt, um zügig auf den ersten Platz im Fragen-Ranking vorzurücken, wurde sie beantwortet. Aufgrund einiger Studien wird das Gefahrenpotenzial von Marihuana als gefährlich angesehen und daher weiterhin illegal bleiben. Umfragen von infratest zufolge habe die Forderung nach einer breiten Legalisierung weder eine Mehrheit im Bundestag noch in der Bevölkerung.

Dabei muss aber berücksichtigt werden, dass der Großteil der Bevölkerung diesem Thema gegenüber unaufgeklärt ist. Das kann leicht daran gemessen werden, dass lediglich 20 Prozent der Befragten das Schädigungspotenzial von Cannabis geringer einordneten als das von Alkohol. Dieser Fakt ist unumstritten. Somit könnte ein wenig Aufklärungsarbeit durchaus zu einem Meinungswandel führen.

Positiv zu bewerten ist aber, dass der Einsatz von Cannabis als Medizin für Schwerkranke ausgeweitet werden soll. Diesbezüglich arbeite das Bundesgesundheitsministerium derzeit an einer Regelung, die den Interessen der Patientinnen und Patienten Rechnung tragen soll, so Presse- und Informationsamt der Bundesregierung.

Legalisierung in Colorado

Bei all den theoretischen Debatten darüber, was vielleicht passieren könnte, wenn Marihuana legalisiert werden würde, ist es doch am einfachsten, die bestehenden Fallbeispiele zu betrachten. Seit dem 01.01.2014 dürfen Personen über 21 Jahre im US-Bundesstaat Colorado täglich bis zu 28 Gramm des berauschenden Krauts kaufen und konsumieren. Werfen wir einen Blick auf die Fakten: Seit 2009 nimmt der Cannabis-Konsum unter Jugendlichen stetig ab – auch nach der Legalisierung. Mit den gewonnen Steuereinnahmen finanziert Colorado Präventionsprogramme, Rehabilitationseinrichtungen und tätigt Investitionen in Bildung.

Neben den zusätzlichen direkten Steuereinnahmen, kamen auch indirekte Effekte hinzu. So konnte sich der Tourismus 2014 über das stärkste Jahr seit bestehen freuen, die Arbeitslosenquote ist auf dem tiefsten Stand seit sechs Jahren und Colorado hat von allen Bundesstaaten die besten Wirtschaftsprognosen. Doch damit nicht genug: Sogar die Zahl der Verkehrsunfälle ging zurück. Ebenso konnte eine rückläufige Zahl der Gewaltverbrechen in Denver, der Hauptstadt Colorados, beobachtet werden.

Der Schwarzmarkthandel konnte durch die Legalisierung allerdings nicht komplett unterbunden werden. Der Hauptgrund dafür dürfte der höhere Preis wegen der Besteuerung sein. Es wird aber erwartet, dass ein weiterer Ausbau der Produktionskapazitäten Skaleneffekte mit sich bringt und den Preis senkt, sodass Marihuana dann nahezu ausschließlich legal vertrieben werden wird. Hier ist der Staat ganz klar dazu aufgerufen, die Besteuerung maßvoll anzusetzen, um dem Schwarzmarkt Einhalt zu gebieten.


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Mich faszinieren besonders politische sowie wirtschaftliche Zusammenhänge in der Welt. Dazu recherchiere ich gern selbst und werde euch die Früchte meiner Arbeit regelmäßig präsentieren. Außerdem liebe ich Filme, sodass ihr euch auch auf das ein oder andere Review freuen dürft.