Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre machte sich der US-Psychologe David Rosenhan einen Namen in der psychiatrischen Fachwelt als er ein Experiment wagte, dessen Ergebnisse so schnell nicht vergessen werden konnten. Was der Wissenschaftler tat und warum wir vielleicht alle geistig krank sind, erfahrt ihr hier.

Das erste Rosenhan-Experiment

Was passiert eigentlich, wenn man kerngesunde Menschen in eine Irrenanstalt einweist? Diese Frage ließ den US-Psychologen David Rosenhan lange nicht ruhig schlafen und so entschied er sich Ende der 60er Jahre der Frage auf den Grund zu gehen. Er fand hierfür acht Probanden (drei Frauen und fünf Männer), die sich freiwillig in eine psychiatrische Anstalt einweisen ließen.

David Rosenhan

David Rosenhan. Quelle: Stanford Law University

Das besondere an den Probanden? Alle waren kerngesund und keiner litt nachweisbar unter einem psychischen Leiden. Um dennoch in die psychiatrische Anstalt eingewiesen zu werden, gaben die Teilnehmer zuerst vor, sie hätten Stimmen gehört, die ihnen die Worte „empty“ (leer), „hollow“ (hohl) und „thud“ (aufschlagen) genannt hätten. Nachdem sie deshalb in die Kliniken eingewiesen wurden, verhielten sie sich wieder vollkommen normal und gaben auch nicht mehr vor, Stimmen zu hören. Das Rosenhan-Experiment sollte nun zeigen, wie das medizinische Fachpersonal mit den Probanden umgehen würde und die Ergebnisse waren wirklich schockierend.

Obwohl keiner der Patienten tatsächlich unter einer geistigen Erkrankung litt, wurde dennoch bei elf Anmeldungen eine Schizophrenie festgestellt und bei einem Teilnehmer sogar eine manisch-depressive Psychose diagnostiziert. Die Testpersonen mussten durchschnittlich 19 Tage in den Kliniken verbringen – eine sogar 52 Tage – und während des gesamten Experiments wurden insgesamt 2.100 Tabletten an die Teilnehmer verschrieben, die sie zum Glück nie einnahmen. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden von den Teilnehmern genauestens dokumentiert. Zuerst heimlich, später sogar öffentlich, da sich scheinbar niemand für das Geschriebene interessierte.

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Der zweite Versuch des Rosenhan-Experiments

Nachdem David Rosenhan die Ergebnisse seines Experiments veröffentlicht hatte, ging ein Aufschrei durch die Fachwelt und man konnte das eindeutige Fehlverhalten der Kliniken nicht nachvollziehen. Einige Betreiber der nicht vom Experiment betroffenen Heilanstalten behaupteten im Nachhinein deshalb, dass so etwas bei ihnen niemals passieren könnte und Rosenhan machte dies genau zur Ausgangslage eines zweiten Experiments.

Rosenhand kündigte deshalb bei einigen Nervenheilinstituten an, dass in den nächsten drei Monaten Pseudopatienten bei ihnen eingeliefert werden sollen und die Anstalten versuchen sollten, diese Patienten zu erkennen. Das Besondere: Rosenhan hatte nie vor, weitere Pseudopatienten zu entsenden und wollte stattdessen testen, ob geistig kranke Menschen eher als gesund angesehen werden, wenn das behandelnde Personal denkt, dass die Patienten womöglich gar nicht krank sind. Auch hier war das Ergebnis überraschend. Während des dreimonatigen Tests wurden bei den untersuchten Anstalten 193 Patienten eingeliefert, von denen 41 Personen vom behandelnden Personal als Testpersonen eingestuft wurden. Weitere 42 Patienten wurden zusätzlich als verdächtig angesehen und das obwohl alle Patienten tatsächlich vorhandene Symptome aufwiesen.


Was sagt ihr zu den beiden Rosenhan-Experimenten? Seid ihr von deren Ergebnissen genauso überrascht wie wir oder seid ihr sogar der Meinung, dass die Experimente zwangsläufig zu so einem Ergebnis führen mussten, da die Psychoanalyse nun mal darauf basiert, was der Patient seinem Arzt erzählt. Wir sind auf eure Meinung gespannt.

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