Als Katherine Johnson 1918 in West Virginia das Licht der Welt erblickte, deutete nichts auf ein außergewöhnliches Leben hin. Als Afroamerikanerin schien ihr eine Karriere verwehrt. Doch ihre unfassbare mathematische Begabung spülte sie in extrem verantwortliche Positionen.

Katherine Johnson und der erste Griff nach den Sternen

Als am 17. April 1970 Jim Lovell, John Swigert und Fred Haise sicher auf der Erde beziehungsweise auf den Wellen des Pazifiks gelandet waren, verdankten die Crewmitglieder von Apollo 13 ihr Leben einer Handvoll Menschen bei der NASA. Doch insbesondere Katherine Johnson, die Afroamerikanerin aus West Virginia, hatte sich bei der Rettung der Astronauten hervorgetan. Ihre Berechnungen bedeuteten den sicheren Heimweg von jener berühmten Mondmission, die beinahe in einer Katastrophe gemündet hätte.

Houston, Mission Control. Nicht im Bild Katherine Johnson.

Houston, Mission Control, 17. April 1970. Nicht im Bild: Katherine Johnson, Quelle: Wikipedia/NASA

Heute arbeiten Frauen zum Glück immer öfter in verantwortungsvollen Positionen, auch wenn da noch Luft nach oben ist. Aber wer im ländlichen Amerika im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts zur Welt kam, durfte als Frau kaum hoffen. Und erst recht nicht als schwarze Frau. Bei Katherine Johnson aber entwickelten sich die Dinge anders. Sie übersprang mehrere Klassen, kam mit 14 aufs College und schloss mit 18 als Bachelor of Science ab. Das war ihr erster Griff nach den Sternen. Doch weitere sollten folgen.

Von der Schule zur NASA

Denn auf der Highschool bemerkte der Direktor Johnsons mathematische Fähigkeiten. Als sie 15 war, belegte sie Kurse in höherer Mathematik, ihr Interesse für die Astronomie hatte das Mädchen da schon entwickelt. Nach dem Uniabschluss – mit 18 Jahren! – nahm Katherine zunächst einen Job als Lehrerin an, und schon 1940 wollte ihre frühere Uni sie zurück. Das postgraduale Studium dort musste sie jedoch abbrechen, da ihr Mann, den sie 1939 geheiratet hatte, an Krebs erkrankte. 1953 schließlich kam Katherine Johnson zur NASA – zunächst als „Computer im Rock“, wie die schwarzen Mathematikerinnen dort genannt wurden. Jetzt startete Katherines Karriere erst so richtig durch, und die NASA sollte ihr letzter Arbeitgeber werden.

Schnell hatte sich Johnson mit einer gewissen Renitenz innerhalb ihrer Abteilung Ansehen erworben. Dass sie fachlich exzellent war, merkten die Vorgesetzten natürlich schnell. Aber dass sie auch darauf bestand, an Meetings und Briefings teilzunehmen, war bis dato ungewöhnlich. „Ich hakte nach, ich wollte wissen, warum. Sie gewöhnten sich daran, dass ich Fragen stellte und dass ich die einzige Frau war.“ So wurde Katherine Johnson 2013 in einer Online-Kurzbiografie auf der Website der NASA zitiert. Als sie sich das Innenleben der Organisation ein paar Jahre lang angeschaut hatte, landete sie einen Coup. Und der öffnete ihr sämtliche Türen innerhalb der National Aeronautics and Space Administration.

Ohne Katherine Johnson keine Mondlandung?

Es war ein weiterer Griff nach den Sternen, dieses Mal gar nicht so sehr im übertragenen Sinn. Katherine Johnson gelang es nämlich, eine Abhandlung zu verfassen, die fortan als theoretische Grundlage der bemannten Raumfahrt dienen sollte. Ohne diesen Beitrag wäre Alan Shepards Ausflug in den Orbit womöglich nicht realisierbar gewesen. Shepard war Teil der Mission Mercury-Redstone 3 – und nur 23 Tage nach Juri Gagarin der zweite Mensch im All. Durch diesen Erfolg hatte sich Katherine einen Namen in der NASA gemacht. Doch zur Legende wurde sie erst später.

Katherine Johnson mit der Medal of Freedom

Katherine Johnson 2015 nach der Verleihung der mit der Medal of Freedom. Quelle: Wikimedia Commons/NASA

Denn Katherine Johnson war es, die die richtige Umlaufbahn für die Mission Apollo 11 berechnete. An Bord waren damals (1969) neben dem Piloten des Kommandomoduls, Michael Collins, die beiden Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin. Die beiden ersten Menschen auf dem Mond. Ohne Katherines mathematisches Genie hätte die Mondlandung womöglich erst ein paar Jahre später erfolgen können. Schließlich, ein Jahr später, sollte ihre Genialität – wie eingangs erwähnt – den Astronauten Lovell, Swigart und Haise das Leben retten. Bis zu ihrem Renteneintritt 1986 blieb Katherine Johnson der NASA treu.

Ein ungewöhnliches Leben

Das Leben von Katherine Johnson als gewöhnlich zu bezeichnen, das wäre ein Fehler. Dieser Meinung war auch US-Regisseur Ted Melfi, der 2016 den Film „Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen“ drehte. Dabei handelt es sich gewissermaßen um die Verfilmung von Katherines Leben in der NASA und ihren ebenfalls afroamerikanischen Kolleginnen (von denen es jedoch keine zweite soweit brachte wie die Protagonistin selbst).

Am 26. August 2018 wird Katherine Johnson 100 Jahre alt. Das wird ein weiterer Meilenstein in ihrem bewegten Leben. Wenn Du das nächste Mal den Mond anschaust und dir leise denkst, dass da oben schon mal Menschen waren – dann denk‘ dran, dass das ohne Katherine vielleicht nie soweit gekommen wäre.


Eine Story, die benachteiligten Frauen auf der ganzen Welt Mut machen sollte, gewiss. Hast Du vielleicht schon mal etwas Vergleichbares gehört? Wir sind gespannt auf weitere inspirierende Geschichten.

Quelle Titelbild: Wikimedia Commons/NASA


Zum Bluefacts Buch

Nicht vergessen: Bluefacts gib es jetzt auch als Buch! Gefallen Euch unsere Fakten? Dann holt Euch jetzt unser Buch 1.000 unglaubliche Fakten und unnützes Wissen. Wir freuen uns auf Euch.




Share.

About Author

Freier Journalist und Texter. Recherchiert und schreibt über alles, was nicht 08/15 ist und Eindruck hinterlässt. Ist gern unterwegs in der Weltgeschichte.