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Klimaerwärmung: Im Zeitraffer

Es soll ja immer noch Menschen geben, die behaupten, dass die Klimaerwärmung noch gar nicht begonnen habe, ganz ausfalle oder zumindest nicht vom Menschen zu verantworten sei. Dass das alles großer Käse ist, ficht sie nicht an. Die Temperaturen auf der Erde steigen rasant an, das lässt sich einfach nicht leugnen. Der April 2016 war der wärmste Monat, der je gemessen wurde. Für die Tierwelt heißt das nichts Gutes. Manche Arten aber profitieren sogar von den steigenden Temperaturen.

Zehn Jahrtausende war es stabil

Seit ungefähr 10.000 Jahren hatte die Tierwelt jetzt Zeit, sich auf die herrschenden Gegebenheiten einzustellen. Doch jetzt geht es vielen Arten sprichwörtlich an den Kragen, weil die Wetterextreme unter der Erhitzung immer stärker zunehmen – und die Tiere sich nicht einfach im Handumdrehen anpassen können. Schlechte Nachrichten also. Doch wohl nicht für alle, wie Thomas Lovejoy von der George-Mason-Universität gegenüber der Zeitung „National Geographic“ sagt. Demnach gibt es auch Gewinner der Klimaverschiebung, zumindest vorläufig.

Bullfrog
Der Nordamerikanische Ochsenfrosch wird sich vermutlich gut anpassen, Quelle: Wikipedia/Carl D. Howe

Die ganze Problematik läuft im Zeitraffer ab. Da ist es nur logisch, dass es Profiteure gibt – und zwar sind das immer die Tierarten, die sich entweder schnell an neue Bedingungen gewöhnen können oder die ganz einfach genügsam sind. In unseren Breitengraden sind etwa Vögel eine solche Spezies. Warum? Nun, sie profitieren in erster Linie von einem größeren Angebot an ihrer Hauptnahrung. Wenn Winter kürzer werden, die Frühjahre immer früher einsetzen und die Temperaturen dabei praktisch von Jahr zu Jahr steigen, so überleben immer mehr Insekten. Diese ernähren wiederum die Vögel. Auch Nagerarten zeigen derzeit weltweit, dass sie sich rasch an neue Bedingungen wie große Hitze anpassen können – genauso wie Zecken, und das sehr zum Leidwesen der Menschen. Nordamerikanische Ochsenfrösche lassen sich von der Klimaverschiebung ebenfalls nicht stören.

Das Tempo der Veränderung ist surreal

Die hohe Geschwindigkeit, mit der sich die Umweltbedingungen ändern, wirkt surreal. Anpassen werden sich also jene Arten, die man als Generalisten bezeichnet, die also von Natur aus unterschiedliche Klimabedingungen vertragen. Aber auch jene Spezies, die invasiv sind und neue Umgebungen erobern, dürften von den sich rapide ändernden Voraussetzungen vielleicht nicht profitieren, sich aber zumindest mit ihnen arrangieren. Und dann gibt es noch die Arten von Tieren, die sich schnell vermehren und die dank dieser Eigenschaft einen großen Genpool aufweisen. Dieser Genpool selektiert rasch jene Gene heraus, die für die Anpassung und das Überleben unter neuen Bedingungen unwichtig sind.

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Bevor aber ein allzu positiver Eindruck entsteht: Die rasante, vom Menschen stark beeinflusste Klimaverschiebung ist für die meisten Arten gefährlich bis existenzbedrohend. Besonders jene Arten, die ein ganz bestimmtes Klima zum Überleben benötigen, werden sich sehr schwer tun, das beste Beispiel hierfür ist wahrscheinlich der Eisbär. Auch Tieren, die direkt von diesen Spezies abhängen, wird es schlecht ergehen – beispielsweise den Polarfüchsen, die sich von dem ernähren, was Eisbären nicht auffressen. Der Königstiger (auch: Bengaltiger), der nur in bestimmten Biotopen überleben kann, wird es ebenfalls schwer haben. Denn wenn der Wasserspiegel in den Mangrovenwäldern von Bangladesch ansteigt, zerstört das seinen Lebensraum.

Königs- bzw. Bengaltiger
Der Königstiger ist schon jetzt stark gefährdet, Quelle: Wikipedia/Rishabh25794

Am Existenzminimum

Besonders übel dran sind jene Arten, die bereits in einer feindlichen Umgebung am Rande des Existenzminimums leben. Zu ihnen gehört beispielsweise der Niederkalifornische Gabelbock. Die nicht einmal mehr 100 Tiere, die in freier Wildbahn auf der mexikanischen Halbinsel Baja California leben, sind zwar an die Wüste angepasst. Aber eine weitere Klimaerwärmung würde noch weniger Regen und damit noch weniger Nahrung bedeuten. Die Tage dieser Gabelbockarte scheinen gezählt. Und die Plüschkopfente, die an der Beringsee überwintert, wo es aktuell noch genügend Nahrung gibt, ist gefährdet, weil das Eis zurückgeht und sich das Wasser erwärmt. Das vertreibt Muscheln und andere Bewohner des Meeres, die die Nahrungsgrundlage für den farbenfrohen Vogel bilden.

Die globale Klimaerwärmung steht erst am Anfang. Sie wird Folgen haben, die wir heute noch nicht einmal annähernd abschätzen können. Und Profiteure gibt es dabei immer – nur nicht auf lange Sicht. Denn irgendwann kommt es unweigerlich zu Effekten, die sich negativ auswirken müssen. In der Natur reicht es oft, wenn nur eine einzige, vordergründig unscheinbare Art ausstirbt, etwa eine Insektenart. Wenn diese allerdings Hauptnahrungsquelle für eine größere Art ist, die ebenfalls Hauptnahrungsquelle für eine größere Art ist, und wenn das immer so weiter geht, dann wird klar, dass die Nahrungskette ein für alle Mal unterbrochen ist. Und das gefährdet eben nicht nur eine Art, sondern unter Umständen zahlreiche. Denn Ochsenfrösche, Zecken, ein paar Nager und einige Vogelarten allein können die Diversität der Fauna nicht retten.


Was denkst Du, ist die vom Menschen gemachte Klimaerwärmung noch zu stoppen oder zumindest in Grenzen zu halten? Reicht das ausgegebene Ziel von einer maximalen Erwärmung um zwei Grad aus, um Tierarten zu schützen und das Abschmelzen der Gletscher und der Polkappen zu verlangsamen? Sag‘ uns Deine Meinung in den Kommentaren und diskutiere mit anderen Lesern.

Quelle Titelbild: wikicommons/NASA

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