Forscher haben herausgefunden, dass menschliche Nasen beim Lügen tatsächlich wachsen – der sogenannte Pinocchio-Effekt. Doch was steckt genau dahinter? Wir sagen’s euch!

Lügen sind ein Fest für Psychologen

Was ist der Unterschied zwischen Bill Clinton und Pinocchio? Keiner! So oder so ähnlich lauteten vor 20 Jahren ja die Witzchen, als der damalige Präsident der USA vor der Grand Jury zu seiner Affäre mit Monica Lewinsky aussagen musste. Und es gab eindeutige Widersprüche zwischen Ton und Bild. Für jeden deutlich vernehmbar sagte Clinton, dass er keine Affäre mit der Praktikantin gehabt habe. Für jeden Emotionspsychologen aber sagten die dazu gehörenden Bilder etwas anderes. Clinton log.

Und er musste seine Falschaussage ziemlich oft wiederholen, für Psychologen ein Traum, für den beklagten Präsidenten ein Trauma. Denn William Jefferson „Bill“ Clinton, 42. Präsident der Vereinigten Staaten, zeigte eine Übersprungshandlung, die ihn entlarvte: Er fasste sich an die Nase. Bei jeder Beteuerung, dass er mit Lewinsky nicht intim geworden sei.

Der Pinocchio-Effekt: Beim Lügen juckt‘s

Doch was war der Grund? Warum fasste Clinton sich ständig an die Nase? Wissenschaftler haben das untersucht und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass der Grund ziemlich simpel ist. Bei der Lüge stehen Menschen nämlich unter Stress und der führt dazu, dass die Nase tatsächlich zu jucken beginnt. Und das rührt daher, dass der Stress eine Vielzahl an Hormonen produziert, die für einen erhöhten Puls sorgen.

Bill Clinton am Tag seiner zweiten Inauguration

Bill Clinton am Tag seiner zweiten Inauguration, Quelle: Wikipedia/White House Photo

Dieser Puls und die zusätzliche Reaktion einer stärkeren Durchblutung sorgen für den von Forschern tatsächlich so genannten Pinocchio-Effekt. Dabei wird die Nase wärmer, sie juckt und – sie wächst! Zwar nur in einem Bereich, der für das menschliche Auge nicht sichtbar ist, aber sie schwillt wirklich ein bisschen an. Mit Wärmebildern haben Wissenschaftler diese Reaktionen bereits festhalten können.

Haben Emotionspsychologen ausgedient?

Sind Emotionspsychologen aufgrund dieser Erkenntnisse nun eine aussterbende Spezies? Nein, wohl nicht. Denn den Wissenschaftlern stehen in freier Wildbahn schließlich keine Bedingungen wie im Labor zur Verfügung, um das Wachsen der Nase beim Lügen und ihre erhöhte Durchblutung nachzuweisen.

Pinocchio-Effekt

Wächst beim Lügen: die menschliche Nase, Quelle: Wikimedia/Klaus D. Peter

Und ein wenig beruhigend ist in diesem Zusammenhang auch ein anderer Umstand: Psychologen wissen zwar, dass wir lügen. Doch sie wissen nicht warum. Denn wer könnte schon mit Sicherheit sagen, warum ein Beschuldigter schwindeln könnte? Das kann ja unterschiedliche Gründe haben. Natürlich könnte er schuldig sein und seine Schuld mit Lügen zu vertuschen suchen. Aber er könnte auch zu Lügen greifen, wenn er in Wahrheit unschuldig ist – beispielsweise um einer Bestrafung für ein Verbrechen zu entgehen, das er nicht begangen hat.

Immerhin wäre nachgewiesen, dass nicht nur bei Pinocchio, sondern auch bei uns Menschen die Nase beim Lügen wächst. Dass hingegen das geflügelte Wort, wonach Lügen auch kurze Beine haben, jemals nachgewiesen werden wird, darf getrost bezweifelt werden.


Welche spektakulären Lügen der Geschichte fallen dir außer Clinton noch ein? Kleiner Hinweis: Der aktuelle US-Präsident gilt hier nicht als Antwort. Das wäre zu einfach… Viel Spaß beim Diskutieren!

Quelle Titelbild: Wikimedia/Alejandro Linaras Garcia


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About Author

Freier Journalist und Texter. Recherchiert und schreibt über alles, was nicht 08/15 ist und Eindruck hinterlässt. Ist gern unterwegs in der Weltgeschichte.