Sie sind in ihren Särgen gefesselt, im Tod entstellt und sollen für alle Zeiten den Menschen fernbleiben: Vermeintliche Untote. Ein Phänomen, vor dem sich die Menschheit schon immer gefürchtet hat. Jetzt rücken Archäologen dem Spuk zu Leibe.

Die Forscher entdecken immer mehr sogenannte Untote

Ob Vampire, Werwölfe oder Zombies, all diese Wesen bieten genug Potenzial, uns seit unzähligen Generationen das Gruseln zu lehren. Und seit der Mensch das Kino erfunden hat, erhält der Horror regelmäßig neuen Nachschub. „Nosferatu“ mit Max Schreck als Graf Orlok aus dem Jahr 1922 oder in der Klaus-Kinski-Version von Werner Herzog (1979). „Die Nacht der lebenden Toten“ (1968) oder „Dawn of the Dead“ (1978), die ersten Zombie-Schocker. „American Werewolf“ oder „Das Tier“ (beide 1981). Und natürlich Klassiker wie „From Dusk Til Dawn“ (1996), „Tanz der Vampire“ (1967), „Bram Stoker’s Dracula“ (1992), „Interview mit einem Vampir“ (1994) oder „Durst“ (2009).

Und dann natürlich die Serien: „The Walking Dead“, „Buffy“ und wie sie alle heißen und hießen. Nur braucht niemand zu glauben, dass das Schaudern erst mit dem irischen Schriftsteller Bram Stoker und seinem Dracula, veröffentlicht im Jahr 1897, seinen Anfang genommen hat. Nein, der Aberglaube an Vampire, Zombies, Werwölfe und Co. wurzelt viel tiefer und reicht in der Zeit weit zurück. Wo die einen den Ursprung der Untoten-Gläubigkeit gern nach Südosteuropa verlegen, etwa nach Transsilvanien, haben andere herausgefunden, dass auch auf deutschem Boden Leichen gepfählt, Köpfe von Toten abgeschlagen, Beine vom Rumpf der Verblichenen abgetrennt und die kalten Körper im Grab mit Steinen beschwert worden sind. Und weil immer mehr gebaut wird, werden auch immer mehr Untote entdeckt – oder solche, die dafür gehalten wurden.

Verbreitet auch schon seit Jahrhunderten Angst und Schrecken - der Werwolf, noch so ein Untoter

Verbreitet auch schon seit Jahrhunderten Angst und Schrecken – der Werwolf, noch so ein Untoter, Quelle: Wikipedia

Verhindern untote Bestien die BER-Fertigstellung?

Es könnte kaum einen treffenderen Ort geben für einen Fund dieser Art. Als das Dorf Diepensee bei Königs Wusterhausen dem Neubau des Flughafens BER weichen und umgesiedelt werden musste, fanden Archäologen ausgerechnet hier die grausam zugerichteten Leichen von 25 Menschen. Zwischen dem frühen 13. und der Mitte des 14. Jahrhunderts wurden sie genau hier – dem damaligen Dypensey – von ihren Nachbarn, Freunden und Verwandten so entstellt, nachdem sie vermutlich von der Pest dahingerafft und von den Überlebenden als potenzielle Untote eingestuft worden waren. Erstaunlich genug. Bleibt die Frage, ob tatsächlich Untote durch einen Fluch die Fertigstellung des Flughafens verhindern. Wundern würde es einen nicht.

Doch selbst an der im Jahr 1854 vermeintlich recht aufgeklärten Ostküste der USA, nämlich in Connecticut, verübten Menschen Gräueltaten an verstorbenen Artgenossen. Diese wurden verdächtigt, an einer Tuberkulose-Welle Schuld zu sein, weil sie angeblich immer mehr Lebendige nachholen würden. Also brachen die Übriggebliebenen die Gräber auf, zerrten die nicht immer frischen Leichname heraus und bearbeiteten sie nach allen Regeln der Kunst, um ihnen ihr Unwesen auszutreiben.

Hausgemachter Aberglaube

Dass derlei Aberglauben immer neue Nahrung erhielt, erklärt sich durch die zunehmende Zahl der Gruselbücher, die zu dieser Zeit erschienen. In früheren Jahrhunderten hingegen war der Aberglaube gern noch hausgemacht. Ein Untergebener stahl eine Goldmünze seines verstorbenen Herrn? Die Magd vergaß, das Totenfeuer zu löschen? Die Stricknadel, mit der das Hemd des Toten gefertigt wurde, fiel herunter und verschwand im Sarg? Dem Sarghersteller entfiel, sicherheitshalber ein paar Späne mit in den Totenschrein zu legen? In all diesen Fällen bestand damals die Ansicht, dass eine große Gefahr bestünde, dass der Tote als Untoter zurückkehren würde.

Untote mitten in London - allerdings treiben sie ihr Unwesen hier nur zum Spaß

Untote mitten in London – allerdings treiben sie ihr Unwesen hier nur zum Spaß, Quelle: Wikipedia

Alles, was angeblich helfen konnte, war zu allen Zeiten die brutale Bearbeitung der Leichen auf die genannten Arten und Weisen. Doch waren die Menschen noch viel, viel kreativer. Die Beine zu fesseln war noch das geringste Leid, das sie ihren Verstorbenen zufügen konnten. Oft nagelten sie die Verwesenden mit langen Eisenstiften von innen an den Sarg, damit diese ja nicht auferstehen konnten. Am sichersten schien es einigen, den Verblichenen das Herz herauszureißen und es im Feuer zu verbrennen.

Religion hilft nicht

Aber wo blieb die religiöse Symbolik? Reichte es nicht, Weihwasser, Kreuze oder Gebete zu verwenden, um Zombies, Vampire und Werwölfe zu bannen? Nein, beileibe nicht immer. Es gibt Beispiele, die zeigen, dass Menschen und Mönche glaubten, dass die Untoten selbst dann durch die Nacht geisterten, wenn sie in einem Kloster beerdigt waren (in Niedersachsen war das angeblich der Fall). Und auch im modernen Horrormärchen wie „The Walking Dead“ helfen die christlichen Insignien nicht. Denn hier ist die Gottesgeißel eine Seuche, die biologischer Natur ist. Da helfen Kreuze, Gebete oder Weihwasser auch nicht weiter. Genau wie beim Großflughafen in Berlin.


Verrückte Sachen, mit denen Menschen da die Totenruhe stören. Hast Du vielleicht schon mal von vergleichbaren Fällen gehört? Oder bist Du Fan von Vampirbüchern oder Zombiefilmen? Dann hinterlass‘ gern Deine Beiträge hier!

Quelle Titelbild: Wikipedia


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About Author

Freier Journalist und Texter. Recherchiert und schreibt über alles, was nicht 08/15 ist und Eindruck hinterlässt. Ist gern unterwegs in der Weltgeschichte.