Eine Ameise wiegt so gut wie nichts. Aber das Gewicht aller Ameisen auf der Welt zusammen ist größer als das aller Menschen. Die kleinen Krabbler haben wenige natürliche Feinde. Doch sie sind chancenlos, wenn sie ein Parasit befällt. Zum Beispiel ein Pilz, der mit einem Speisepilz nun wirklich kaum etwas gemein hat.

Gegen Ophiocordyceps unilateralis hat die Ameise keine Chance

Eine Ameise spaziert in einer tropischen Region durch den Urwald. Sie schleppt ein Blatt Richtung Nest, das weit mehr wiegt als sie selbst. Ein starkes Tier, unsere Ameise. Schon sieht sie den Baum, in dem sich in luftiger Höhe das Nest ihres Staates befindet. Da, ein Windhauch, einige Pilzsporen treiben durch die Luft und setzen sich auf unserer Ameise fest. Was so banal klingt, ist der Anfang vom schnellen Ende für das Tier.

Tote Ameise, aus der der Pilz herausragt.

Tote Ameise, aus der der Pilz herausragt. Foto: Wikipedia/plosone.org

Die Sporen arbeiten sich zum Exoskelett vor und docken dort an. Sie keimen dort und wandern schließlich weiter ins Gehirn. Was nun geschieht, könnte sich kein schlechter Drehbuchautor für einen drittklassigen Horror-Schocker besser ausdenken. Der Pilz übernimmt schleichend die Kontrolle über die Ameise, die jetzt nicht mehr Herrin ihrer Sinne ist. Nach einer knappen Woche befiehlt der Eindringling dem Insekt, sich festzubeißen. In der Regel sind das die Blätter oder die Rinde bestimmter Pflanzen.

Die Ameise ist komplett ferngesteuert

Völlig besinnungslos und ferngesteuert torkelt die Ameise also an den Ort, wo sie das Zeitliche segnen wird. Dafür sucht sich die Ameise, oder besser gesagt der Pilz, ein schattiges, feuchtes Plätzchen, an dem er gut gedeihen kann. Nachdem sich die Ameise dort an einem Blatt festgebissen hat, wird Ophiocordyceps unilateralis – so der Name des parasitären Pilzes – weiter mit Nährstoffen versorgt. Die Ameise wird zu einer leblosen Hülle, bis der Fruchtkörper des Pilzes neue Sporen erzeugt. Diese werden mit dem Wind nicht fortgetragen, weil sie ganz einfach zu schwer sind.

Darum fallen sie einfach auf den Waldboden und harren der nächsten unaufmerksamen Ameise, die ihnen als Wirtin dienen wird. Doch das kann dauern. Die Ameisen bauen ihre Nester nämlich nicht umsonst in den oberen Baumregionen, die sie nur selten verlassen müssen. Und die Sporen benötigen eine hohe Luftfeuchtigkeit, wie sie nur am Boden des Waldes herrscht.

Friedhof der Krabbeltiere

An einigen Stellen im Dschungel jedoch gibt es regelrechte Ameisenfriedhöfe. Hier haben die Pilze oft ganze Kolonien dahingerafft. Beobachtet worden sind diese Vorgänge bis dato nur in tropischen und subtropischen Regionen – und in Hessen. Doch warum ausgerechnet dort?

So kann es aussehen, wenn eine Ameise von einem Pilz befallen wird. Foto: Wikipedia/David P. Hughes, Maj-Britt Pontoppidan

Ganz einfach. In der Grube Messel haben Forscher versteinerte Ameisen entdeckt – alle in Blätter verbissen. Die Fossilien sind etwa 48 Millionen Jahre alt. Das sagt einiges aus. Zum einen, dass es damals in Hessen – das aufgrund der Plattentektonik ganz woanders lag – immer warm gewesen sein muss. Und zum anderen, dass die Strategie von Ophiocordyceps unilateralis seit dem Eozän besteht und aufgeht.

In der Natur gibt es unzählige Beispiele, in denen Parasiten ihre Wirte zu Zombies machen. Manche Tiere ertränken sich sogar (zum Beispiel Grillen), weil sich die Parasiten im Wasser besser vermehren können.


Die Natur kann bisweilen ganz schön grausam sein. Es gibt zum Beispiel Videos, auf denen zu sehen ist, wie Insektenlarven in kürzester Zeit einen Frosch von innen her auffressen. Kennt ihr vielleicht ähnlich gruslige Szenarien aus der freien Wildbahn? Dann viel Freude bei der Diskussion!

Titelbild: Wikipedia


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About Author

Freier Journalist und Texter. Recherchiert und schreibt über alles, was nicht 08/15 ist und Eindruck hinterlässt. Ist gern unterwegs in der Weltgeschichte.