Im Jahr 2018 soll das Weltraumteleskop Hubble ausrangiert werden – jetzt hat es entdeckt, dass da draußen zehnmal mehr Galaxien existieren, als bisher vermutet. Wissenschaftler sind von dieser Nachricht komplett verblüfft.

Hubbles Galaxien-Entdeckung ist eine Sensation

Erst einmal die schlechte Nachricht: Der Nachfolger steht schon in den Startlöchern. Das James Webb Space Telescope wird, wenn alles nach Plan läuft, ab 2018 noch tiefer ins All schauen, als es die Menschheit jemals getan hat. Die Wissenschaft erwartet dabei eine Blickschärfe, die jene von Hubble in den Schatten stellt. Fragt man sich, was James Webb sehen können soll – Aliens auf Planeten, die Tausende von Lichtjahren entfernt sind? Wohl nicht ganz. Aber jene Sterne, die nur kurz nach dem Urknall geboren wurden, soll das neue Superteleskop schon aufspüren.

Mehrere Galaxien, die miteinander kollidieren, aufgenommen von Hubble

Mehrere Galaxien, die miteinander kollidieren, aufgenommen von Hubble. Bild: Wikipedia

Allerdings hat Hubble selbst soeben eine sensationelle Entdeckung gemacht, die mal wieder entlarvt, dass auch die schlausten Wissenschaftler – und von denen tummeln sich einige in der Astrophysik – danebenliegen können, wenn es um das Universum geht. Zehnmal so viele Galaxien wie bisher angenommen befinden sich wohl da draußen, wie jüngst auf der Website des Teleskops zu lesen war. Damit schlägt Hubble sich selbst, und zwar mit seinen eigenen Waffen. Bereits der vorher vermutete Wert von 100 Milliarden schien schwer vorstellbar.

Mehr als eine Billion Galaxien im Kosmos

Einhundert Milliarden, das ist eine eins mit elf Nullen. Klingt nach wenig? Dann muss man sich nur mal vorstellen, dass jede Galaxie im Durchschnitt wohl 150 Milliarden Sterne enthält. Und jetzt sollen es sogar eine Billion Galaxien sein! Wenn man aus den Zahlen die – vermutete – Anzahl aller Sterne im Weltall ausrechnet, kommt eine bizarre Zahl heraus: 150.000.000.000 Sterne in 1.000.000.000.000 Galaxien, das ergibt 150.000.000.000.000.000.000.000 Sterne. In Worten sind das einhundertfünfzig Trilliarden Sterne. Mindestens. Vermutlich sind es sogar noch mehr.

Aber woher stammt diese neue Vermutung? Forscher von der Universität im englischen Nottingham werden wohl noch im Herbst 2016 einen Text im „Astrophysical Journal“ veröffentlichen, in dem sie ihre Methode vorstellen. Grob gesagt haben sie Daten von Hubble und anderen Teleskopen in eine 3D-Ansicht des Alls umgemodelt. Mithilfe komplexer Modelle aus der Mathematik haben sie hochgerechnet, wie viele Galaxien dabei wohl existieren, die nicht direkt sichtbar sind. So kamen sie auf die erwähnte Billion. Eine Zahl jenseits jeder Vorstellung. Galaxien wie Sand am Meer.

Die Milchmädchenrechnung hat ausgedient

Lange Zeit übrigens hat die Wissenschaft vermutet, dass es eine Milchmädchenrechnung ist, wenn man die Sternenzahl mit der Floskel wie „Sand am Meer“ vergleicht. Sie waren davon ausgegangen, dass es wesentlich mehr glühende Feuerbälle im Universum gibt als Sandkörner hienieden. Ein Deutscher aus dem hohen Norden hat sich vor ein paar Jahren die Mühe gemacht, diese These zu überprüfen. Allerdings galt damals noch, dass es allerallerhöchstens 70 Trilliarden Sterne gibt. Ein australischer Wissenschaftler hatte diese Zahl als absoluten Höchstwert errechnet.

Das Hubble Extreme Deep Field, das auch Galaxien in 13 Milliarden Lichtjahren Entfernung zeigt

Das Hubble Extreme Deep Field, das Galaxien in 13 Milliarden Lichtjahren Entfernung zeigt. Bild: Wikipedia

Ob jetzt 70, 150 oder gar 300 Trilliarden ist egal – der Mann von der dänischen Grenze hatte eine Idee. Er legte sich normalen Spielsand zu und trocknete ihn im Backofen. Einige Körner waren so fein, dass sie nicht einmal im Pudersieb hängenblieben. Also zählte er nur die groben Körner. Und wog am Ende exakt 1,1855 Gramm bei tausend Sandkörnern. Über dieses Verhältnis errechnete er das Volumen des Sands und kam zu dem Resultat, dass die Sahara mit ihren neun Millionen Quadratkilometern nur sechs Meter hoch mit Sand bedeckt sein müsste, um auf 70 Trilliarden Körner zu kommen. Damit ist auch klar, dass selbst 200 oder 300 Trilliarden Galaxien von der Zahl der Sandkörner auf der Erde übertroffen werden. Immerhin gibt es so viele Wüsten, Sandstrände, Sand am Meeresboden und Sand in normalem Boden.

Galaxien, die verschmelzen

Natürlich sind die Zahlen unvorstellbar hoch. Aber wenigstens haben sie durch das Experiment einen realen Bezugspunkt. Im Universum gibt es aber noch viele andere Dinge, die unvorstellbar sind. Die Größe des Weltalls etwa. Oder die Zeit, die vom Urknall bis jetzt vergangen ist (etwa 13,8 Milliarden Jahre). Dank Hubble können Forscher schon jetzt sehr weit hinausgucken ins All, und damit auch weit zurück in die Vergangenheit. Schon sind sie dem Urknall auf der Spur.

Mit den Hubble-Fotos können die Wissenschaftler jetzt sehen, dass die ersten kleinen Sternhaufen im All nach und nach miteinander verschmolzen sind und große Galaxien gebildet haben. Aus einer von ihnen wurde schließlich die Milchstraße. Und selbst hier, in unserer unmittelbaren kosmischen Nachbarschaft, gibt es wahrscheinlich mehr als 200 Milliarden Sterne. All das sind Entdeckungen, wie wir Hubble verdanken. Kaum vorstellbar, dass das Super-Teleskop in zwei Jahren nur noch ein Haufen Weltraumschrott sein könnte.


Sandkörner, Galaxien und wahnsinnige Zahlen. Was findest Du paradox? Etwa die Anzahl der Bakterien, die ein Mensch beherbergt? Die Benzinpreise? Viel Spaß beim Diskutieren!

Das Titelbild zeigt übrigens das Hubble-Teleskop, fotografiert von der Raumfähre Columbia

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About Author

Freier Journalist und Texter. Recherchiert und schreibt über alles, was nicht 08/15 ist und Eindruck hinterlässt. Ist gern unterwegs in der Weltgeschichte.