Montag, der 10. Februar 1994. Ein Mann im weißen Shirt und schwarzen Mantel betritt das Dach. In seiner Hand trägt er einen Gitarrenkoffer. Er stellt ihn ab. Er öffnet ihn und holt ein Scharfschützengewehr heraus. Er positioniert es auf dem Dach und zielt. Er holt tief Luft – und drückt ab.

Eine Studie über Auftragskiller

Die Geschichte könnte direkt aus dem Film „Leon – der Profi“ von Luc Besson stammen. Im Film wirken Auftragskiller immer cool und allmächtig. Wer sich in der Wirklichkeit aber hinter diesen Menschen verbirgt, ist zumeist ungewiss, da dieser Wirtschaftszweig sehr – sagen wir einmal – unreguliert ist. Niemand gibt schließlich zu, dass er Auftragskiller ist oder für welchen Geldbetrag er Menschen tötet. Ob sich diese Berufswahl überhaupt lohnt – vom rechtlichen und zwischenmenschlichen Aspekt einmal abgesehen – hat jetzt die School of Social Science von der Universität von Birmingham City zu beantworten versucht.

Für ihre Studie untersuchten sie deshalb Artikel der verschiedensten britischen lokalen Zeitschriften und elektronischen Archiven und versuchten hierbei herauszufinden, bei welchen Mordfällen es sich um eine Auftragstötung gehandelt haben könnte. Insgesamt entdeckten sie in der Zeit von 1974 bis 2013 immerhin 27 Fälle der Auftragstötung, die durch 36 Auftragskiller ausgeführt wurden.

Project Zero - Googles eigene Hacker Armee

Mit diesen Fällen beschäftigten die Forscher sich nun weiter und nahmen sich der verschiedenen Gerichtsprotokolle und Interviews mit den Mördern an, um mehr über deren Arbeitsweise und Psyche zu erfahren. Dabei beschäftigten sie sich ebenso mit den Opfern, deren Verbindung zum Täter, dem soziologischem Umfeld der Auftragskiller und – ganz wichtig – der Bezahlung.

Was verdient ein Auftragskiller?

Die britischen Hitmen waren dabei zwischen 15 und 63 Jahre alt. Das Durchschnittsalter betrug 38 Jahre, während die Opfer im Durchschnitt 36 Jahre alt waren. Der Preis einer Auftragstötung variiert dabei genauso stark wie das Alter der Killer. Von 200 Pfund Tötungen bis 100.000 Pfund Tötungen, die für den Mord an einem stadtbekannten Autohändler gezahlt wurden, war alles dabei. Im Durchschnitt verdient ein Hitmen jedoch nur 15.180 Pfund für jede Ermordung. Der Preis eines Menschenlebens. Nicht unbedingt viel, wenn man sich überlegt, dass man sein Leben mit der Gewissheit einer Tötung verbringen muss. Aber was interessiert einen Auftragskiller schon sein Gewissen. Man wird bestimmt kein Mörder, wenn man Mitgefühl und Empathie besitzt.

Anders als es uns Hollywood auch einreden möchte, sind nicht die Dächer dieser Welt oder verrauchte Clubs und Diskotheken im Untergrund der Stadt der Schauplatz solcher Tötungen. Vielmehr macht es sich ein echter Auftragskiller leicht, indem er seine Opfer einfach beim Spaziergang mit dem Hund heimsucht.

Der absolute Wirtschaftsstandard ist jedoch, dass auch in der Killer-Szene Frauen weniger verdienen als Männer. Während das Durchschnittsgehalt, wie erwähnt, bei 15.180 Pfund lag, erhielt die einzige Frau in der Liste der Hitmens lediglich 7.000 Pfund Bezahlung für die Tötung ihres Opfers im Jahr 1992.


Bei solch niedrigen Gehältern bleibt es also weiterhin unklar, was Menschen dazu bewegt andere Menschen zu töten. Selbst nach vielen Gesprächen mit den verschiedenen Auftragskillern erkannten die Forscher der Universität von Birmingham keine Ursächlichkeit für die Verhaltensweisen der Hitmen. Sicherlich spielten finanzielle Probleme eine wichtige Rolle aber nichtsdestotrotz befanden sich unter der Liste der Mörder auch gut ausgebildete Militärangehörige, die über einen ausreichenden Lebensunterhalt verfügten. Der Spaß am töten scheint hier also das vorrangige Motiv zu sein.


Zum Bluefacts Buch

Nicht vergessen: Bluefacts gib es jetzt auch als Buch! Gefallen Euch unsere Fakten? Dann holt Euch jetzt unser Buch 1.000 unglaubliche Fakten und unnützes Wissen. Wir freuen uns auf Euch.




Share.

About Author

Gründer und Autor von bluemind.tv. Ich versuche euch alles Interessante aus Politik, Wirtschaft und dem Rest der Welt näher zu bringen.