Start Unterhaltung Kommentar Der Unterschied zwischen Islam und Islamismus

Der Unterschied zwischen Islam und Islamismus

Seitdem Terroristen einen Anschlag auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ am 7. Januar 2015 verübten und 12 Menschen zu Tode kamen, mehren sich erneut Islam-kritische Stimmen. Die beiden mutmaßlichen Attentäter sollen Islamisten gewesen sein. Während des Attentats riefen sie „Allahu akbar“, was übersetzt „Gott ist am größten“ bedeutet, und weitere religös anmutende Parolen. Doch bei allen Meldungen, die derzeit in den Medien über terroristische Anschläge und den Kampf gegen den Islamischen Staat kursieren, wird stets vergessen, dass die Religion Islam und Islamismus nicht dasselbe sind. Bei uns erfahrt Ihr, wo die Unterschiede liegen.

Quelle: flickr/Maxx GETTLIFFE

Was macht den Islam aus?

Der Islam ist nach dem Christentum mit etwa 1,6 Milliarden Anhängern – Muslime genannt – die zweitgrößte Religion der Welt. So wie sich das Christentum auf die Bibel als Heilige Schrift stützt, existiert im Islam der Koran. Dieser soll die Offenbarung Gottes an den Propheten Mohammed beinhalten. Auf ihm beruht auch das religiöse Gesetz des Islam – die Scharia. Sie enthält alle Gesetze, die jeder Gläubige nach islamischer Vorstellung zu befolgen hat. So regelt sie nicht nur rituelle Vorschriften sondern auch die Beziehungen der Menschen untereinander, wie zum Beispiel das Strafrecht.

Ein Muslim hat die folgenden fünf Hauptpflichten zu erfüllen:

  1. Glaubensbekenntnis: Man erkennt an, dass es keine Gottheit außer Gott gibt.
  2. Rituelles Gebet: Fünf Mal täglich wird das Gebet verrichtet.
  3. Armengabe: Nach dem muslimischen Recht hat jeder, der dazu in der Lage ist, eine Pflichtabgabe zu leisten, die unter anderem für Arme und Bedürftige zu verwenden ist. Auch zur Verteidigung islamischer Staaten (Dschihad) kann die Abgabe eingesetzt werden, was nicht allein auf militärisches Handeln zu reduzieren ist. Dennoch lassen die Passagen über den Dschihad großen Interpretationsspielraum. Zudem finden sich sogar in der Bibel Formulierungen, die den Kampf gegen Ungläubige thematisieren.
  4. Fasten: Im islamischen Monat Ramadan sollen Muslime von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang weder essen, trinken, rauchen noch Sex haben.
  5. Pilgerfahrt: Jeder Muslim soll mindestens einmal in seinem Leben eine Pilgerfahrt nach Mekka unternehmen.

Da diese Prinzipien keineswegs den Heiligen Krieg lehren, sondern vielmehr auf ein friedliches, maßvolles und gottesfürchtiges Leben abzielen, distanziert sich die Mehrheit der Muslime von den Taten radikaler Islamisten.

Wie entstand der Islamismus?

Um zu verstehen, was Islamisten antreibt, werfen wir einen Blick in die Geschichte. Ende des 19. Jahrhunderts zerfiel langsam das osmanische Reich, das sich von Südosteuropa über die Türkei bis hin zu Persien im Osten und Ägypten im Süden erstreckte. Der damit einhergehende Identitätsverlust führte zur Rückbesinnung auf die koranischen Werte.

Nach dem ersten Weltkrieg wurde das osmanische Reich von den Siegermächten in eigenständige Staaten aufgeteilt und teilweise unter europäische Führung gebracht. Auch nach Erlangung der Unabhängigkeit kollidierten die religiösen Überzeugungen der Menschen mit den neu installierten politischen Strukturen. Erst ab den 1960er Jahren gelang es auch radikalen Islamisten ihren Einfluss zu mehren und zum Dschihad, als Kampf für das Gesetz Gottes, aufzurufen.

Zu einer weiteren Verschärfung der islamistischen Strömungen führten die drei Golfkriege in den 80ern, 90ern und 2003. In dieser Zeit weiteten sich allerdings auch Auseinandersetzungen zwischen Muslimen aus, sodass der Ruf nach einer religiösen Einheit lauter wurde. Die zunehmende Radikalisierung verschiedener Gruppierungen mündete in der Entstehung von Terrorgruppen wie Al-Qaida, denen der Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 zugeschrieben wird.

Osama bin Laden, Quelle: Wikipedia/StanMan87
Osama bin Laden, Quelle: Wikipedia/StanMan87

Was ist das Ziel des Islamismus?

Aber die wahren Absichten vor allem der radikalen Islamisten kann man wohl nur mutmaßen. Da Koran und Scharia sämtliche Bereiche des Lebens regeln, sehen sie diese als Grundlage für einen islamischen Staat an. Dabei wird die Demokratie durch einige Strömungen ausgeschlossen, durch andere wiederum integriert. Doch die Entstehung eines auf den koranischen Prinzipien aufgebauten Staates scheint eine generelle Zielsetzung zu sein.

Gerade die im Irak kämpfende Terrorgruppe Islamischer Staat setzt dieses Ziel mit großer Brutalität durch und konnte bereits staatsähnliche Strukturen in den von ihnen kontrollierten Gebieten etablieren. Neben einem gewaltigen Militärapparat existieren Krankenversicherung, Heiratsbeihilfen und Unterstützungszahlungen für die Familien getöteter oder inhaftierter Kämpfer.

Und die Moral von der Geschicht‘

Die Ursprünge islamistischer Bestrebungen sind daher durchaus nachvollziehbar – insbesondere wenn man sich vor Augen führt, dass sich die Menschen in einer Stadt wie Dresden, die einen Ausländeranteil von knapp 5% aufweist, bereits vor einer Überfremdung fürchten und sich auf nationale Interessen besinnen. Die radikale Durchsetzung religiöser Interessen ist aber in aller Schärfe zu verurteilen, womit das Problem natürlich nicht gelöst ist.

Vielmehr gilt es, den Terrorismus mit Muslimen gemeinsam zu bekämpfen. Sicherlich sollten dabei Toleranz, eine Intensivierung außenpolitischer Beziehungen sowie eine schrittweise Steigerung des Bildungsniveaus in den muslimisch geprägten Ländern die besten Waffen sein. Eine vorschnelle Verurteilung einer ganzen Glaubensgemeinschaft, wie es derzeit teilweise den Anschein hat, wird hingegen nur für weitere Konflikte sorgen.

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