Man stelle sich vor, man überlebt eines der dramatischsten Schiffsunglücke des 20. Jahrhunderts und anstatt, dass sich alle Menschen mit einem freuen, erfährt man nur Erniedrigung und Demütigung. So ging es zumindest dem Japaner Masabumi Hosono, der zuerst den Untergang der Titanic überlebte und dann in seinem Heimatland als Feigling und Schande für sein Land bezeichnet wurde. Die ganze Geschichte des Mannes erfahrt ihr hier.

Wie Masabumi Hosono auf die Titanic gelang

Das Leben von Masabumi Hosono hätte so einfach sein können. 1870 kam er in Japan auf die Welt, 1896 machte er seinen Schulabschluss und 1910 begann er für das japanische Verkehrsministerium zu arbeiten. Um sich auch neben dem Beruf weiterzubilden, belegte er russische Sprachkurse, die es ihm schon bald ermöglichten für seinen Arbeitgeber Reisen nach Russland zu unternehmen. Eine Reise führte ihn von Russland jedoch über London und von dort nach Southampton (England), wo er am 10. April 1912 als Passagier der zweiten Klasse auf der RMS Titanic an Bord ging. Zum damaligen Zeitpunkt wusste er jedoch noch nicht, dass dieses Schiff sein Leben verändern sollte. Die ersten Tage auf dem Schiff waren für alle Passagiere noch ein großes Abenteuer. Das damals noch größte Schiff der Welt sollte zum Aushängeschild der „White Star Line“ Reederei werden und überzeugte deshalb mit noch nie da gewesenem Komfort und Service. Niemand hätte jedoch damit gerechnet, was vier Tage später – am 14. April 1912 – geschah.

Die Route der Titanic von England in die USA, Quelle: Wikipedia/Prioryman

Der Untergang der Titanic

Als Masabumi Hosono in der Nacht vom 14. zum 15. April von einer der Stewardessen geweckt wurde, dachte er zuerst an einen Probealarm. Es handelte sich jedoch um alles andere als einen Test, denn gegen 23.40 Uhr kollidierte das Schiff im Nordatlantik, etwa 300 Seemeilen südöstlich von Neufundland, mit einem Eisberg und lief daraufhin stetig mit Wasser voll.

Ein Foto von Masabumi Hosono

Masabumo Hosono vor seiner Abfahrt auf der Titanic.

Auf seinem Weg an das obere Deck wurde Hosono jedoch schnell gehindert, da ein Crewmitglied ihn für einen Passagier der dritten Klasse hielt und die Rettungsbote zuerst mit den Passagieren der ersten Klasse gefüllt werden sollten. Nur durch Glück gelang es ihm dennoch bis auf das oberste Deck. Doch oben angekommen, musste er schnell feststellen, dass die zur Verfügung stehenden Rettungsboote niemals für alle Passagiere ausreichen würden.

Als er jedoch zu Rettungsbot 10 hinüberblickte, konnte er hören, wie einer der Offiziere laut schrie, dass noch zwei Plätze frei wären und er nutzte die Chance und sprang ins Boot. Die Offiziere auf dem Rettungsboot beachteten ihn nur wenig und konnten in der Dunkelheit sicherlich auch kaum etwas erkennen, sodass Masabumi Hosono vorerst in Sicherheit schien. Über 8 Stunden dauerte es von da an, bis die Passagiere im Rettungsboot durch das nahe liegende Schiff RMS Carpathia gerettet werden konnten. Von den ca. 2.200 Passagieren der Titanic starben in dieser Nacht 1.514. Hosono gehörte glücklicherweise nicht dazu.

Hosonos Rückkehr nach Japan

Wieder in Japan angekommen, blieb Masabumi Hoson jedoch nur wenig Gelegenheit, sich über sein neu gewonnenes Leben zu freuen. Die Geschichte über den einzigen japanischen Passagier der Titanic, der auch noch überlebte, verteilte sich schnell im ganzen Land und es dauerte nicht lange, bis sich die ersten größeren Persönlichkeiten zu Hosonos Fall äußerten. Von der Presse wurde er als Feigling denunziert, der sich unter falschen Tatsachen auf dem Schiff als Frau ausgegeben haben muss, um überhaupt auf das Rettungsschiff kommen zu können und sein Arbeitgeber kündigte ihm sogar, da man keinen unehrenhaften Mann beschäftigen wollte.

Das Bild zeigt das Sinken der Titanic, nachdem sie mit einem Eisberg kollidiert ist.

Der Untergang der Titanic

Später wurde der Fall von Hosono sogar in japanischen Schulbüchern aufgenommen und als Beispiel für unehrenhaftes Verhalten dargestellt und ein Professor der Ethik bezeichnete sein Verhalten sogar als unmoralisch und unethisch. Hauptargument aller Kritiker war stets, dass Masabumi Hoson den Samurai-Kodex der Selbstopferung verletzt und damit Schande über ganz Japan gebracht habe.

Bis zu seinem Tod wurde Masabumi Hoson und seine ganze Familie als Schande für das Land betrachtet und bis zu seinem letzten Atemzug sprach Hosono nie mehr über die tatsächlichen Geschehnisse. Lediglich einige Briefe, die er seiner Frau schrieb und den Untergang der Titanic schilderten, sind das einzige, das von seiner Geschichte übrig geblieben ist.


Was sagt ihr aber zu Masabumi Hosonos Geschichte? Hat er sich unehrenhaft Verhalten, weil er den freien Platz auf einem Rettungsschiff nahm, anstatt ihn einer Frau oder einem Kind anzubieten? Wie hättet ihr euch in seiner Situation verhalten? Schreibt uns eure Meinung dazu doch einfach in die Kommentare.

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