Start Unterhaltung Kommentar Private Wojtek: Wie ein Braunbär Soldat wurde

Private Wojtek: Wie ein Braunbär Soldat wurde

Wenn es um Krieg geht, war der Mensch schon immer erfinderisch. Das galt für die Erschaffung von Waffen aber ebenso für die Nutzung von Tieren. So ritten Soldaten auf Pferden, bepackten Esel und Ochsen mit schwerem Gerät, setzen Hunde als Wachen ein und nutzten Brieftauben zur Nachrichtenübermittlung. Selbst Delfine fanden einst Verwendung im Krieg, nämlich als Spion mit Kamera! Doch in Polen gab es den wohl ungewöhnlichsten Helfer beim Militär: einen Braunbären. Wie Wojtek zum Soldaten wurde, lest Ihr im folgenden Artikel.

Als Junges ans Militär verkauft

Emblem der 22. Kompanie zu Ehren Wojteks. Quelle: Wikipedia/Pernambuko

Der Syrische Braunbär Wojtek hatte einen harten Start ins Leben. Noch als Junges musste er miterleben, wie seine Mutter durch einen Jäger erschossen wurde und war plötzlich auf sich allein gestellt. Doch glücklicherweise fand ihn ein iranischer Junge und versorgte ihn einstweilen, bis beide einige Zeit später, am 8. April 1942, nahe eines Bahnhofs auf Soldaten des 2. Polnischen Korps trafen, die seinerzeit im Iran stationiert waren.

Damals wurden die Soldaten von tausenden polnischer Flüchtlinge begleitet, die nach der Besetzung Ostpolens durch die Sowjetunion dorthin deportiert worden waren. Eine von ihnen war Irena Bokiewicz, die Großnichte eines hochrangigen Generals. Sie war derart begeistert von dem pelzigen Begleiter, dass sie einen Leutnant vom Kauf des Tieres überzeugen konnte. Die nächsten drei Monate lang kümmerte sich Irena in einem Flüchtlingscamp nahe Teheran um ihren neuen Schützling. Doch da die Versorgung eines Bären in diesem Umfeld kein leichtes Unterfangen ist, wurde er der späteren 22. Artillerie-Versorgungskompanie geschenkt, die sich fortan um ihn kümmerten.

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Die Soldaten versorgten ihn liebevoll, obwohl er zunächst nicht richtig fressen und schlucken konnte. Zunächst stand Milch auf dem Programm, doch bald schon bereicherten Früchte, Marmelade, Honig und Sirup den Speiseplan des jungen Bären. Sogar Bier fütterten die Soldaten mit der Zeit zu, was später zum Lieblingsgetränk des Zöglings avancierte – ein echter Soldat! Später rauchte er sogar Zigaretten, genoss morgens seinen Kaffee und salutierte, wenn er gegrüßt wurde. Aber ein Soldat braucht natürlich auch einen Namen, also tauften seine Ziehväter ihn auf den Namen Wojtek, was so viel wie glücklicher Krieger bedeutet.

Der Soldat Wojtek

Während seiner Zeit beim Militär reiste Wojtek gemeinsam mit der 22. Kompanie in den Irak, nach Syrien, Palästina und Ägypten. Manchmal marschierte er dabei sogar auf den Hinterbeinen neben seinen Kameraden. Auch als die 22. Kompanie nach Neapel abkommandiert wurde, um die Alliierten beim Italienfeldzug zu unterstützen, sollte der Bär sie begleiten. Doch da die Hafenbehörde von Alexandria keine Tiere an Bord zuließ, wurde er prompt ins Korps aufgenommen, erhielt den militärischen Rang Gefreiter sowie ein Soldbuch und wurde damit offizielles Mitglied der polnischen Armee.

Wojtek

Seinen ersten großen militärischen Erfolg konnte Wojtek in Palästina feiern, als sich ein arabischer Spion in der Dusche der Kompanie versteckte. Als dieser auf den haarigen Soldaten traf, schien ihm die Flucht aussichtslos – ganz zu schweigen von einer körperlichen Auseinandersetzung – sodass er Dank des Bären gestellt werden konnte.

Die Schlacht von Monte Cassino

Zur Legende wurde Wojtek als er aktiv an einer der längsten und opferreichsten Kämpfe des Zweiten Weltkriegs beteiligt war. Vier Monate lang dauerte die Schlacht um Monte Cassino, ein wichtiger Stützpunkt der Wehrmacht in Italien, der letztlich zum Rückzug der Achsenmächte führte. Fast schon heldenhaft unterstützte der Bär den Kampf, indem er seinen Kameraden wichtige Versorgungsdienste leistete.

Wojtek

Dank seiner Masse und seiner Kraft fiel es ihm leicht, immer wieder 45 Kilogramm schwere Kisten mit Mörsergranaten über das Schlachtfeld zu tragen, wozu sonst vier Soldaten nötig gewesen wären. Er stellte sich hinter die Ladefläche des Trucks, der die Ladung transportierte, stellte sich auf seine Hinterbeine und streckte die Arme aus, bis man ihm die Kisten reichte. Dann leistete er tapfer seinen Dienst und brachte das fragile Gut jedes Mal sicher an sein Ziel. Diese Leistung brachte ihm sogar den Rang des Unteroffiziers ein und sorgte später für den Bau mehrerer Statuen, um Wojteks Einsatz zu gedenken.

Wojtek als Zivilist

Gemeinsam mit dem Rest der 22. Kompanie wurde Wojtek nach Ende des Zweiten Weltkrieges im Winfield Camp in Schottland untergebracht. Zwei Jahre später – nach der Demobilisation der polnischen Streitkräfte – übergab man den heldenhaften Bären schließlich dem Zoo von Edinburgh, wo er aufgrund seiner äußerst ungewöhnlichen Geschichte natürlich unzählige Besucher anzog und seinen Lebensabend bis 1963 verbrachte.


Was sagt Ihr zu der Geschichte und zum Einsatz von Tieren im Krieg? Wir sind gespannt auf Eure Kommentare und freuen uns auf die Diskussion.

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