Obwohl die USA mit Barack Obama acht Jahre lang einen schwarzen Präsidenten hatten, hat sich die Situation der Afroamerikaner noch immer nicht gebessert. Zwar haben sie formal immerhin dieselben Rechte, doch die gleiche Wahrnehmung in der Gesellschaft ist ihnen nicht gewiss. Das zeigt schon allein die Polizeigewalt, die vor allem Schwarze trifft. Doch wenn man nur einige Jahrzehnte zurückblickt, wird einem gleichzeitig klar, wie viel doch bereits erreicht worden ist. Ein imposantes Beispiel stellt die Geschichte der kleinen Ruby Bridges dar. Sie war das erste schwarze Kind, das im Süden der USA in eine bis dahin rein weiße Schule gehen durfte.

Kindheit in den Südstaaten

Am 8. September 1954 erblickte Ruby Bridges das Licht der Welt. Zunächst wuchs sie gemeinsam mit ihren drei jüngeren Geschwistern in Tylertown im US-Bundesstaat Mississippi auf. Im Süden der USA hatten es Afroamerikaner zu dieser Zeit alles andere als leicht – insbesondere wenn es eine sechsköpfige Familie zu ernähren galt. Da die Kleinstadt Tylertown kaum noch Möglichkeiten bot, zog es die Familie nach New Orleans in Louisiana als Ruby vier Jahre alt war. Dort fand ihr Vater Abon einen Job als Tankwart, während ihre Mutter Lucille verschiedene Nachtjobs übernahm, um die Familie durchzubringen.

Seinerzeit herrschte im Süden der USA noch die Rassentrennung, die bereits 1876 – wenige Jahre nach dem Ende der Sklaverei – durch die Jim-Crow-Gesetze ratifiziert wurde. Darin wurde das Prinzip festgeschrieben, dass öffentliche Einrichtungen getrennt aber gleichwertig zu sein hatten. Da dies jedoch kaum überprüft wurde, lagen die Standards von Einrichtungen für Afroamerikaner stets unter denen, die für Weiße gedacht waren.

Barack Obama sitzt in dem berühmten, in dem Rosa Parks verhaftet wurde und der im Henry Ford Museum ausgestellt ist.

In den 50er Jahren bekam deshalb die Bürgerrechtsbewegung immer größeren Zuspruch und mediale Aufmerksamkeit. Weltbekannt ist ein Vorfall geworden, der heute als Geburtsstunde diese Bewegung genannt wird. Die afroamerikanische Schneiderin Rosa Parks weigerte sich, ihren Sitzplatz in einem Linienbus für einen Weißen zu räumen. Für den zivilen Ungehorsam wurde sie zwar zunächst verhaftet und mit einer Geldstrafe belegt, aber er ermutigte viele weitere Menschen, sich ihrem Vorbild anzuschließen.

Aufhebung der Rassentrennung an Schulen

Ein weiterer Meilenstein war der Fall Brown v. Board of Education. Esther Brown, eine weiße Frau aus Kansas City in Missouri bemerkte die miserablen Bedingungen an der Schule für Schwarze in der nahe gelegenen Stadt South Park, als sie ihre afroamerikanische Haushaltshilfe heimfuhr. Gleichzeitig plante die Stadt jedoch den Bau einer weiteren Schule nur für Weiße: die William Frantz Elementary School.

Die Misere mündete in einen dreiwöchigen Boykott der Schule und daraufhin in eine Klage durch eine Zweigstelle der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP). Die Organisation wollte gemeinsam mit Brown erreichen, dass auch schwarze Kinder Zugang zur neuen Schule erhielten. Tatsächlich bekamen sie vor Gericht recht, sodass die Rassentrennung für diese Schule aufgehoben wurde.

Rubys Schule, die William Frantz Elementary School, Quelle: Wikipedia/Infrogmation of New Orleans

Von der Entscheidung ermutigt, klagten weitere Eltern gegen die noch immer herrschende Rassentrennung an Schulen. In der letzten Instanz stimmte der Oberste Gerichtshof den Klägern zu, sodass infolgedessen die Rassentrennung an Schulen 1954 aufgehoben wurde.

Widerstand in der weißen Bevölkerung

Obwohl das Urteil gesprochen worden war, weigerten sich viele Schulen dieses auch umzusetzen. So hatte die Rassentrennung zunächst de facto weiterhin Bestand. Auch der Kindergarten, den Ruby Bridges in New Orleans besuchte, war nur für Schwarze. Doch das oberste Bundesgericht ordnete an, dass diese Ungleichbehandlung nun auch in Louisiana ein Ende finden möge.

Widerwillig beugte man sich dem Urteil, verpflichtete afroamerikanische Kinder aber vor dem Eintritt in eine weiße Schule, an einem Eignungstest teilzunehmen. Wahrscheinlich war man der Hoffnung, dass sich die Vorurteile bewahrheiteten und die Trennung aufgrund mangelnder Eignung weiterhin Bestand hätte. Doch natürlich täuschte man sich. So kam es, dass die kleine Ruby den Test gemeinsam mit anderen Kindern bestand und 1960 als erstes schwarzes Kind eine Schule im Süden der USA gemeinsam mit Weißen besuchen durfte. 

Ruby Bridges kommt in die Schule

Obwohl Ruby nun niemand mehr das recht auf den Besuch einer gemischtrassigen Schule verwehren konnte, sträubten sich die Menschen dagegen. Der erste Tag an dem scheinbar privilegierten Ort muss furchtbar für das kleine Mädchen gewesen sein. Als sie auf die Schule zufuhr sah sie bereits die wütende Menschenmenge, die mit Gegenständen warf und rassistische Parolen skandierte. Doch Ruby blieb standhaft, weinte nicht und marschierte wie ein kleiner Soldat in die Schule, wie sich einer der begleitenden US-Marshalls später erinnert.

Ruby Bridges

US-Marshalls begleiten Ruby Bridges zur Schule.

Die weißen Eltern wollten sich diese vermeintliche Frechheit nicht bieten lassen und nahmen ihre Kinder von der Schule. Auch Lehrer fühlten sich beleidigt und weigerten sich, Ruby zu unterrichten. Ein ganzes Jahr lang blieb Ruby deshalb das einzige Kind in ihrer Klasse. Doch immerhin eine Lehrerin, Barbara Henry, erbarmte sich ihrer und unterrichtete das kleine Mädchen aller Widrigkeiten zum Trotz.

Morddrohungen, Jobverlust und Enteignung

Doch nicht nur der Schulalltag gestaltete sich nervenaufreibend. Bereits auf dem Weg dorthin drohte man, sie zu vergiften. Eine Frau hielt ihr sogar eine schwarze Babypuppe in einem Sarg entgegen. Die von Präsident Eisenhower angeordnete Eskorte bestand deshalb darauf, dass Ruby nur mitgebrachte Speisen verzehren durfte.

Auch das Leben von Rubys Familie wurde durch deren mutige Entscheidung beeinträchtigt. Rubys Vater verlor seinen Job bei der Tankstelle und ihren Großeltern wurde die Pacht für ihr Ackerland entzogen. Selbst im örtlichen Lebensmittelgeschäft war die Familie nicht länger erwünscht.

Das Gute obsiegt

Aber es gab auch Unterstützung von der Bevölkerung. Sowohl einige schwarze als auch weiße Familien begleiteten Ruby auf ihren Schulweg, bewachten das Haus der Familie und ein Nachbar gab dem Vater sogar einen neuen Job.

Mit der Zeit begannen einige Eltern, ihre Kinder wieder zur Schule zu bringen und der Alltag normalisierte sich wieder in New Orleans. Heute lebt Ruby Bridges immer noch in der Hafenstadt am Mississippi-Delta. Sie arbeitete mehrere Jahre als Reiseverkehrskauffrau, zog vier Söhne groß und gründete die Ruby Bridges Foundation, die sich mit der Förderung von Toleranz, Respekt und gegenseitiger Wertschätzung beschäftigt.


Ein unglaublich mutiges Mädchen, wenn man bedenkt unter welchen Umständen sie die Hürden der Schule zu meistern hatte. Kennt Ihr ähnlich inspirierende Geschichten? Wir sind gespannt auf Eure Kommentare!


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About Author

Mich faszinieren besonders politische sowie wirtschaftliche Zusammenhänge in der Welt. Dazu recherchiere ich gern selbst und werde euch die Früchte meiner Arbeit regelmäßig präsentieren. Außerdem liebe ich Filme, sodass ihr euch auch auf das ein oder andere Review freuen dürft.