Stealth-Games hatten schon immer etwas Besonderes an sich. Das Genre wird von vielen Spielern geliebt, da es nicht nur eine coole Spielmechanik darstellt, sondern auch eine unvergleichbare Herausforderung für Gamer ist. Gleichzeitig befriedigt es einen Jahrtausende alten Instinkt in uns – wer hat es als Kind nicht geliebt sich vor den eigenen Freunden zu verstecken und diese dann von hinten zu überraschen. Stealth-Games geben uns also die Möglichkeit einen inneren Trieb der menschlichen Natur auszuleben und das in den verschiedensten Settings und den unmöglichsten Situationen. Kein Wunder, dass es unzählig viele Stealth-Games auf dem Videospiele-Markt gibt. Aber nur einer Hand voll ist es gelungen, die Videospielbranche über Jahrzehnte oder sogar für immer zu beeinflussen. Wir haben deshalb hier für euch die Entwicklung der Schleich-Spiele und die wichtigsten Meilensteine der Branche.

 Die ersten Schritte in einem Stealth-Game

Das Schleich-Genre ist keine Erfindung der modernen Videospielgeneration sondern ist schon seit den ersten Jahren ein fester Bestandteil des Gamings. Als erstes Stealth-Game kann man dabei „Castle Wolfenstein“ bezeichnen. Nicht das allseits bekannte „Return to Castle Wolfenstein“ sondern der 2D-Spieleklassiker aus dem Jahr 1981. Dieses Spiel hat wenig mit dem 3D-Abenteuer von 2001 gemein. Anstatt sich wild durch eine Schar von Nazis zu schießen, musste sich der Spieler in diesem Apple II Klassiker auf den Weg durch Schloss Wolfenstein machen und taktisch gut planen, welche Wache er erschießen, an welcher er sich besser vorbeischleichen und wen er gefangen nehmen sollte. Diese simple und auf das Nötigste heruntergebrochene Spielmechanik half dem Spiel zum Erfolg und machte Stealth-Games in einer einfachen Variante salonfähig.

Der erste große Durchbruch der Schleich-Spiele kam allerdings erst 1987 mit einem Videospiel, das ein neues Genre etablieren sollte: Hideo Kojimas Meisterwerk „Metal Gear“. Das Spiel wurde auf dem MSX2-Heimcomputer veröffentlicht und wird – nicht unbegründet – als der Ursprung aller Stealth-Games bezeichnet. Das Besondere an „Metal Gear“ war dabei, dass es nicht aus einem Zweck heraus entstanden ist, sondern aus purer Notwendigkeit. Die Hardware des MSX2-Heimcomputers war alles andere als leistungsstark und so war Metal-Gear-Erfinder Hideo Kojima gezwungen, sein Konzept eines Action-Shooters aufzugeben. Zur damaligen Zeit ermöglichte die Spielekonsole gerade einmal das gleichzeitige Rendern von drei Spielfiguren, sodass sich Kojima und Konami dazu entschied, ein Schleich-System für das Spiel zu entwickeln. Anstatt die Wachen somit zu erschießen, war der Spieler gezwungen, an ihnen vorbei zu schleichen. Es stellte sich heraus, dass die Gamer diese simple aber trotzdem herausfordernde Spielemechanik liebten.

Das Stealth-System in „Metal Gear“ war dabei noch sehr einfach gehalten. Man musste sich von den Wachen fernhalten, da sie sonst einen Alarm auslösen würden oder dem Ganzen gleich vorbeugen, indem man die Wachen tötet. 1990 wurde dann sogar schon der Nachfolger „Metal Gear 2: Solid Snake“ veröffentlicht und hob hierdurch das Stealth-Genre direkt auf die nächste Stufe. Es wurden zahlreiche neue Spielmechaniken in das Game implementiert und völlig verdient trug das Spiel den Titel „Tactical Espionage Game“. Der Spieler konnte nun kriechen, um sich unentdeckt von A nach B zu bewegen und es wurde auch das aus der Spielreihe bekannte Radar-System zum ersten mal eingefügt. Auf einer kleinen Karte konnte der Spieler nun die Position der Gegner erkennen und Sichtkegel zeigten die Blickrichtung der Gegner. Zahlreiche Spieleelemente wurden dann auch später in den ersten 3D Ableger der Reihe – „Metal Gear Solid“ – übertragen aber dazu kommen wir später.

Wie „Metal Gear Solid“ das Stealth-Genre revolutionierte

Einer der nächsten Meilensteine der Stealth-Game-Geschichte, den viele gern übersehen, ist das 1997 auf dem N64 erschienene „Golden Eye“. In dessen Single-Player wurden nämlich zahlreiche Stealth-Konzepte eingeführt, die für einen First-Person-Shooter zur damaligen Zeit etwas ganz Besonderes waren. Dem Spieler war es möglich, relativ frei darüber zu entscheiden, wie er mit den Wachen umgehen möchte. So konnte man sich laut durch die Scharen von Gegner schießen oder leise und taktisch mit einem Schalldämpfer vorgehen. Ja sogar Überwachungskameras konnten aus der Entfernung ausgeschaltet werden, um einen möglichen Alarm zu verhindern. Das besondere an Golden Eye war allerdings, dass es überhaupt nicht als Stealth-Game konzipiert war, dem Spieler aber so viele Freiräume gab, um auch taktisch und schleichend durch die Level voranzukommen.

Einen weiteren großen Sprung machte das Genre dann im Jahr 1998. Dies war eine großartige Zeit für Gamer. Mit dem Nintendo 64, der PlayStation und dem Computer gab es zahlreiche Möglichkeiten, 3D-Spiele zu zocken und für Entwickler somit auch die Chance, neue Spielkonzepte auszuprobieren. Mit dem PlayStation-Klassiker „Tenchu“ sollte nun eines dieser neuen Spielkonzepte das Genre revolutionieren. Spieler hatten hierbei die Wahl zwischen unterschiedlichen Charakteren, diversen Gadgets und verschiedenen Möglichkeiten, ihr Ziel zu erreichen. Und das coolste dabei war, dass man mithilfe eines Wurfhakens sogar ganz schnell auf die Dächer von Gebäuden gelangen konnte. Durch das Hinzufügen dieser zusätzlichen Spielebene erhöhten sich nun die Möglichkeiten des Spielers, seinen Auftrag zu erfüllen und der Wiederspiel-Faktor von „Tenchu“ stieg dramatisch.

Neben „Tenchu“ erschien 1998 aber auch die Mutter aller Stealth-Games „Metal Gear Solid“ auf der PlayStation. Nicht nur, dass dieses Spiel die komplette Gaming-Industrie mit seinem Gameplay und der tiefgehenden Story verändert hat, so schaffte es „Metal Gear Solid“ auch, das Stealth-Game-Genre salonfähig für jedermann zu machen. Vor diesem Meilenstein waren Schleich-Konzepte in Spielen relativ simpel und meist nur kleines Nebenwerk des eigentlichen Spiels aber mit „MGS“ änderte sich alles. Der Spieler musste durch Luftschächte kriechen, an Wänden entlangschleichen, Wachen durch Geräusche anlocken, sich in Kartons verstecken und vieles vieles mehr. „Metal Gear Solid“ war dabei ein sehr herausforderndes Spiel, dass es dem Gamer nicht zu leicht machte einzelne Passagen zu erreichen.

„Thief“ stellt alles in den Schatten

Mit dem 1998 veröffentlichten „Thief“ sollte nun auch das First-Person-Genre sein erstes echtes Stealth-Game erhalten. Zwar waren First-Person-Shooter zu dieser Zeit schon sehr beliebt aber mit „Thief“ sollte die Stealth-Mechanik nun auch in dieses Genre einziehen. Der Charakter des Schleich-Spiels war – anders als bei üblichen Ego-Shooter – extrem schwach, sodass der Spieler alles tun musste, um vor Wachen und anderen Personen im Spiel unentdeckt zu bleiben. Wurde man doch erwischt, wurde es für den Spieler wirklich gefährlich und es half meist nur noch die Flucht.

Ähnlich wie bei „Metal Gear Solid“ besaß der Spieler in „Thief“ auch fast unendlich viele Möglichkeiten, ein Level zu meistern. Das wirklich Einzigartige an „Thief“ war jedoch – und sollte später auch in „Splinter Cell“ zur Perfektion gebracht werden – das Spiel mit Licht, Schatten und Geräuschen. Dank fantastischer Grafik-Engine besaß das Spiel zahlreiche Stufen an Licht und Dunkelheit. Um voran zu kommen, musste der Spieler sich im Schatten verstecken, um so der Wahrnehmung der Wachen zu entkommen. Eine Lichtleiste am unteren Rand des Bildschirms zeigte dem Gamer dabei, wie gut bzw. wie schlecht er zu sehen ist und wo er sich am besten verstecken kann. Gleichzeitig musste man aber auch darauf achten, wohin man tritt, welche Gegenstände man fallen lässt und wer sich alles in der Nähe befindet, um nicht, durch ungewollte Geräusche, Wachen auf sich zu lenken.

Zahlreiche dieser Elemente haben es später auch in andere Spiele geschafft. Darunter auch der Spieleklassiker aus dem Jahr 2000 „Deus Ex“. Über dieses Spiel muss wenig gesagt werden, außer dass es ein First-Person-Shooter war, der Gamern eine Vielzahl an Wegen offenbarte, um das Spiel zu meistern. Natürlich konnte man sich durch die Welt von „Deus Ex“ hindurch ballern aber der Spieler wurde insbesondere belohnt, wenn es ihm gelang sich durch ein Level hindurch zu schleichen.

Jahre später waren Stealth-Games so beliebt, dass nahezu jedes Game, egal ob Shooter oder Rennspiel mindestens eine Stealth-Passage enthielt. Die Schleichmechanik wurde in immer mehr Spiele aufgenommen und so auch in das 2002 erschienene „Morrowind“. In einer Open-World-Umgebung, in der der Spieler tun konnte was er wollte, wurde nun ein Schleich-Button eingefügt, der Rollenspiele von nun an verändern sollte. Gamer konnten sich nun in Gebäude schleichen und etwas stehlen oder sich an Gegner heranpirschen und diese von hinten verletzen. Eine Spielmechanik die in Rollenspielen mittlerweile so üblich ist, dass man sich so ein Game kaum mehr ohne Schleich-Funktion vorstellen kann. Auch der 2008 veröffentlichte Ego-Shooter/Rollenspiel Fallout 3, sowie dessen Nachfolger aus dem Jahr 2015 – Fallout 4 – ermöglichen dem Spieler nun, zu schleichen anstatt sich wütend durch die Welt zu schießen.

„Splinter Cell“ und seine bombastische Grafik

Der nächste große Sprung in der Entwicklung von Stealth-Games gelang allerdings erst „Splinter Cell“ in 2002. Das Besondere an diesem Game war dabei, dass es das Licht- und Tonsystem von „Thief“ nahm und dabei auf ein vollkommen neues Level hob. Als Sam Fisher musste der Spieler Aufträge im Namen seiner Regierung unternehmen und dabei die größten Verbrecher der Welt umbringen. Dabei konnte man sich, wie auch schon in „Thief“, in der Dunkelheit verstecken oder aber auch mit lauten Geräuschen den Gegner zu sich locken. Wie gut bzw. wie schlecht der Spieler zu sehen war, zeigte dabei ebenfalls ein „Lichtmesser“ am unteren rechten Rand des Bildschirms.

Anders als in „Thief“ konnte der Spieler aber auch seine eigene Dunkelheit erschaffen, um somit für den Feind unsichtbar zu werden. Dank der fantastischen Grafik-Engine konnte der Spieler Lichtquellen ausschießen, um die Umgebung somit in vollkommene Dunkelheit zu tauchen. Der Nachfolger des Spiels aus dem Jahr 2004 beschenkte dem Stealth-Genre allerdings einen weiteren Meilenstein. Der Multiplayer von „Splinter Cell: Pandora Tomorrow“ ermöglichte dem Gamer nämlich, interaktiv gegen eigene Freunde „Verstecken“ zu spielen. Es war ein fantastisches Spielerlebnis und drehte sich komplett um das klassische Hide-And-Seek. Zwei Spieler mussten dabei im Splinter-Cell-Style in ein Gebäude eindringen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, während zwei andere Spieler die beiden Feinde daran hindern mussten. Wie auch im Singleplayer konnten dabei die beiden Eindringlinge auch von Schusswaffen gebraucht machen, um mögliche Lichtquellen auszuschalten. Fans der Spieleserie liebten den Spielmodus aber leider reichte es nicht aus, dass andere Spieleentwickler die Idee in ihre Games mit aufnahmen. Erst das 2014 erschienene „Watch Dogs“ – ein GTA-Klon im Hackeruniversum – griff die Idee wieder auf. Als Teil des Multiplayerspiels mussten Gamer nichts anderes tun, als sich vor anderen Spieler zu verstecken und deren Smartphone zu hacken. Ein tolles Mini-Game in einem sonst relativ langweiligen Spiel.

Die Zukunft des Stealth-Genre

Zu dieser Zeit waren Stealth-Games mittlerweile so beliebt und bekannt, dass nahezu jedes Spiel einen Schleich-Part besaß. So muss man in „Beyond Good & Evil“ vor Feinden unentdeckt bleiben, sich in „Battlefield 3“ in einer Mission an Gegner heranschleichen oder in „Final Fantasy 9“ sich so langsam wie möglich an einen Riesenfrosch annähern. Nahezu jeder Gamer hat bereits schon ein Schleich-Spiel gespielt aber dennoch gibt es immer wieder neue Stealth-Games, die mit neuen und interessanten Spielmechaniken überraschen. In „Hitman“ konnte man sich z.B. ein Level ganz genau anschauen, bevor man sich für einen von zahlreichen Lösungswegen entscheiden musste. Dabei war der Fantasie keine Grenze gesetzt. Egal ob als Pizzabote, als Sniper oder ganz leise aus dem Fenster: Der Spieler konnte tun und lassen was er wollte.

Im Jahr 2007 erschien dann allerdings ein Spiel, das – ähnlich wie Hitman – den Spieler zum Auftragskiller machte und mittlerweile eines der erfolgreichsten Games aller Zeiten geworden ist: Assasin’s Creed. Auch hier musste der Spiele einen Gegner nach den anderen umbringen und am erfolgreichsten war er dabei, wenn er sich unentdeckt durch die Straßen des Mittelalters bewegte.

Jahre Später nach dem ersten Stealth-Game aus dem Jahr 1981 gibt es so viele Spiele dieses Genres, dass man schnell den Überblick verlieren kann. Unter der Vielzahl an Spielen gibt es allerdings nur wenige, die ihr Genre nachhaltig geprägt haben. Die hier erwähnten Spiele stellen dabei nur eine Auswahl der vielen Meilensteine des Stealth-Genres dar. Aber es gibt auch heute noch moderne neue Games, die immer wieder neue Spielemechaniken entwickelt, und somit immer wieder für Überraschungen sorgen. So erschien 2014 das Spiel „Alien: Isolation“, in dem der Spieler nichts anderes tun musste, als sich vor einem Alien zu verstecken. Ein ganzes Spiel, in dem man sich nur verstecken muss. Wer hätte vor 20 Jahren einmal gedacht, dass so eine Spielmechanik ein ganzes Game füllen kann. Auch das 2015 veröffentlichte „Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain“ brachte mit seinem Open-World-Ansatz frischen Wind in das Genre. Und ohne Schleich-Mechanik wäre sicherlich auch die „Batman: Arkham Asylum“-Reihe nie so erfolgreich gewesen.


Für die Zukunft darf man also gespannt sein, was sich Spielentwickler an neuen Mechaniken überlegen, um Abwechslung in ein so vielfältiges Genre zu bringen. Wie findet ihr aber Stealth-Games und in welchem Spiel schleicht ihr am liebsten herum? Schreibt uns eure Meinung doch einfach in die Kommentare und lasst uns darüber kommentiere


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