Harry Potter ist womöglich die erfolgreichste Buchreihe unserer Zeit und hat unsere Popkultur auf vielfache Art und Weise geprägt. Die in den Büchern vorkommende Sportart „Quidditch“ stellt dabei keine Ausnahme dar. Seit mehreren Jahren wird dieser Sport als Muggel-Quidditch weltweit gespielt und erfreut sich größter Beliebtheit. Wie es überhaupt zu der Sportart kam, wo und wie man es ohne fliegenden Besen spielen kann und was der Goldene Schnatz ist, erfahrt ihr hier.

Die Geschichte des Muggel-Quidditch

Im Jahr 1997 erschient der erste Harry Potter Roman „Harry Potter und der Stein der Weisen“ und war weltweit sofort ein großer Erfolg. Neben der Geschichte um den kleinen Zauberlehrling erfand die Buchautorin J.K. Rowling gleichzeitig auch den Fantasy-Sport Quidditch, der in der Harry-Potter-Welt einen ähnlich hohen Rang wie Fußball in unserer realen Welt hat. 2005 entschlossen sich die zwei Studenten Xander Manshel und Alex Benenne vom Middlebury College in Vermont allerdings, den Sport in die Wirklichkeit zu holen.

In Anlehnung an das Fantasy-Wort „Muggel“ aus dem Harry-Potter Universum, das einen nichtmagischen Menschen beschreibt, hielten sie es für angebracht die Sportart „Muggel-Quidditch“ zu taufen. Dabei konnten sie nicht ahnen, welche Trendsportart sie gerade ins Leben gerufen hatten. Was zunächst nur als Fun-Sportart gedacht war, entwickelte sich schnell zu einem ernsten Geschäft. Bereits 2007 wurde die erste offizielle Muggel-Quidditch-Partie gespielt und noch im selben Jahr wurde der zugehörige Sportverband – die Intercollegial Quidditch Association – gegründet.

Muggel-Quidditch Spieler zu Beginn einer Runde.

Muggel-Quidditch Spieler zu Beginn einer Party. Quelle: Flickr / Daniel Breitenbach.

Wie der Name vermuten lässt, wurde das Muggel-Quidditch zu Beginn hauptsächlich an US-amerikanischen Universitäten gespielt, aber es dauerte nicht lange, bis der Sport weltweit begeisterte Anhänger fand. 2008 kam es deshalb zur ersten offiziellen – wenn auch kleinen – Muggel-Quidditch-Weltmeisterschaft mit insgesamt zwölf verschiedenen Teams (elf aus den USA und eines aus Kanada – die Amerikaner haben scheinbar ein komisches Verständnis, was als „Welt“ bezeichnet werden kann). Im Jahr 2011 konnte man die Quidditch-Weltmeisterschaft allerdings bereits mit 96 Teams aus den USA, Kanada und Finnland vor mehr als 10.000 Zuschauern austragen, was die beiden Gründer Manshel und Benenne natürlich mit viel Stolz erfüllte.

2012 fanden dann das erste Mal auch die Quidditch-Summer-Games im englischen Oxford statt, mit den Nationalmannschaften von Australien, Großbritannien, Kanada, den USA und Frankreich. Mittlerweile findet die Muggel-Quidditch-Weltmeisterschaft nur alle zwei Jahre statt und jedesmal konnte sich das US-Team den Titel holen. Wer jetzt Lust bekommen hat, selbst einmal bei einem realen Quidditch-Spiel dabei zu sein, der sollte sich den 23. und 24. Juli ganz rot im Kalender markieren. Dann wird nämlich wieder einmal die Weltmeisterschaft ausgetragen und das im wunderschönen Frankfurt am Main hier in Deutschland.

Die Regeln des Muggel-Quidditch

Um mit anderen professionellen Sportarten wie Fußball, Basketball oder American Football mithalten zu können, gibt es beim Muggel-Quidditch natürlich auch ein festes Regelwerk, das vorschreibt, was getan werden darf und was nicht. Mit der 9. Auflage hat der US-amerikanische Quidditch-Verband „US Quidditch (USQ)“ ein äußerst komplexes Regelwerk aufgestellt, das international als Spielregelung anerkannt wird. Wer die Harry Potter Bücher gelesen haben sollte, der dürfte sich natürlich schnell zurechtfinden aber für alle anderen sei das Spiel und seine Regeln hier noch einmal zusammengefasst.

Beim Muggel-Quidditch treten zwei Mannschaften mit jeweils sieben Spielern gegeneinander an. Ziel des Spiels ist es mit dem „Quaffel“ (Ein Volleyball) einen Punkt zu machen (genauer gesagt sind es sogar immer 10 Punkte), indem man den Ball in eines von drei Toren schießt. Zusätzlich gibt es drei weitere Bälle – die Klatscher – die zwar nicht für die Erzielung von Toren genutzt werden können aber dafür, um den Spielfluss der gegnerischen Mannschaft zu stören. Wird ein Spieler nämlich von einem Klatscher getroffen, gilt er als ausgeknockt und muss den von ihm festgehaltenen Ball sofort loslassen und zu den eignen Toren zurückrennen.

Die offizielle Spielfeldbeschreibung des Muggel Quidditchs nach USQ Regelwerk

Das offizielle Spielfeld beim Muggel-Quidditch nach Regelwerk des USQ. Quelle: USQ.

Neben diesen schon komplexen Regeln teilt das Muggel-Quidditch ebenso auch noch die Spieler in verschiedene Positionen ein. So sind lediglich drei der sieben Spieler „Jäger“, die das Recht haben, mit dem Quaffel einen Punkt zu machen. Der „Hüter“ fungiert wiederum als Torwart und versucht die eigenen drei Tore zu verteidigen. Hinzu kommen noch zwei „Treiber“, die mithilfe der Klatscher versuchen, den gegnerischen Spielfluss zu unterbrechen. Der siebte Spieler im Team ist der „Sucher“, der ab der 18. Spielminute versucht den „Schnatz“ – ein unparteiischer Spieler, der an seinem Po eine mit einem Ball befüllte Socke trägt und vor den Suchern flieht – zu fangen, um somit Extrapunkte für das eigene Team zu erhalten. Früher gab es dabei keine Regelung, wie der Schnatz vor den Suchern zu fliehen hat, sodass es sogar einmal vorgekommen sein soll, dass der Schnatz-Spieler sich ein Fahrrad geschnappt haben soll und damit die Sucher in den Wahnsinn trieb. Eine genauere Erklärung zu den Regeln des Muggel-Quidditch könnt ihr außerdem im dazugehörigen Wikipedia-Artikel finden.

Was macht Muggel-Quidditch so besonders?

Natürlich darf beim Real-Life-Quidditch auch der Besen nicht fehlen. Dieser muss von den Spielern während der gesamten Party zwischen den Beinen gehalten werden. Damit können die Spielern natürlich nicht fliegen aber nähern sich umso mehr der Buchvorlage des Spiels. Natürlich besitzt Muggel-Quidditch nicht die Zuschauerzahlen oder die mediale Aufmerksamkeit wie Fußball oder andere etablierte Sportarten aber dennoch freut sich die Kult-Sportart aus dem Harry-Potter-Universum immer größer werdender Beliebtheit.

Mittlerweile gibt es über 18 Nationalverbände wie z.B. in Indien, Neuseeland, Deutschland, Russland, Australien, Frankreich, Kanada oder den USA. Lediglich Afrika verweigert sich im Moment noch dem Quidditch-Trend aber dank Länder wie Uganda und Südafrika, in denen mittlerweile die ersten Teams gegründet wurden sind, kann sich das womöglich bald ändern. Muggel-Quidditch ist dabei nicht nur unter Harry-Potter-Fans beliebt. Immer mehr Nichtleser erfreuen sich an der lustigen Sportart und auch Hollywood hat sich der Thematik in der Komödie „Prakti.Com“ mit Owen Wilson und Vince Vaughn bereits angenommen. Unter dem Titel „Mudblood“ (Schlammblüter) wurde sogar schon ein Dokumentarfilm über die neue Trend-Sportart gedreht, der aktuell bei Netflix erhältlich ist. Wenn ihr aber selbst einmal Quidditch spielen wollt, dann schaut doch auf der Seite des Deutschen Quidditchbunds vorbei und informiert euch, ob es in eurer Stadt ein Quidditch-Team gibt.


Wir in der Redaktion können uns von der kultigen Sportart aus Harry Potter nicht sattsehen und freuen uns schon auf die Weltmeisterschaft im Juli diesen Jahres. Was sagt ihr aber zum Muggel-Quidditch und könntet ihr euch vorstellen, die Sportart einmal live mitzuverfolgen? Eventuell sogar bei der Weltmeisterschaft in Frankfurt am Main? Schreibt uns eure Meinung zu diesem Thema doch einfach in die Kommentare und lasst uns darüber diskutieren.

Titelbild: Wikipedia / BenHollandPhotography (von uns bearbeitet)


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