Es ist wieder soweit: Junge Männer rennen bei der Europameisterschaft zur besten Sommerszeit auf grünen Rasenplätzen umher, immer auf der Suche nach dem Ball, dem Schuss, dem Tor. Und vor dem Fernseher wir, oder wie fußballaffine Medien sagen: 80 Millionen Bundestrainer. Den hätte er doch machen müssen, der Müller! Guck dir an, wie der Özil wieder rumschleicht! Jogi, du Null! Was aber sind die zehn wirklich interessanten und nicht ganz ernst gemeinten Dinge rund um die EM, vom Fußball selbst mal abgesehen? Ein Überblick.

Ein Farbtupfer weniger bei der Europameisterschaft

Zehntens: 99,9 Prozent der deutschen Fans finden es super. Haha, die Holländer! Sind!! Nicht!!! Dabei!!!! Sich nicht zu qualifizieren war dieses Mal schwerer, als die Quali zu packen. 53 Nationalteams haben um 23 Plätze gespielt, da musste man schon San Marino sein, Gibraltar oder Andorra, um es zu vergeigen. Oder eben Holland. Irgendwie schade, weil die Fans mit ihren Oranje-Shirts ein schöner Farbtupfer sind und immer lustig drauf. Jedenfalls dann, wenn Holland gerade nicht spielt.

Neuntens: Die EM ist eine Veranstaltung der UEFA, die mindestens so sauber ist wie die FIFA. Sogar so sauber, dass sie derzeit nicht einmal einen Präsidenten hat, seit Platini abgesägt worden ist. Der kann sich die Heim-EM jetzt auch am Fernseher angucken. Vielleicht mit den Holländern zusammen.

fast alle sind dabei

Jene UEFA-Länder, die dabei sind, sind blau eingefärbt

Achtens: Apropos Skandale und Frankreich. Dass Trainer Deschamps auf seinen besten Stürmer verzichten muss, ist nicht ganz freiwillig. Aber wer wie Karim Benzema einen Mit-Nationalspieler erpresst, hat das mit dem „Mannschaftssport“ wohl irgendwie falsch verstanden. Probleme, die die Holländer wohl nur zu gern hätten!

Zehn Spielorte

Siebtens: Gespielt wird in zehn Stadien in zehn Städten, wobei St. Etienne und Lyon gerade mal 50, Lille und Lens keine 30 sowie Saint-Denis nicht mal Paris neun Kilometer voneinander entfernt liegen. Aber seit es das Stade de France gibt, zählt für die Franzosen kein anderes Stadion mehr. Es fasst 81.338 Zuschauer und ist Ort des Eröffnungsspiels wie auch des Finales. Kleiner Tipp: Holland ist bei keinem dieser Spiele dabei!

Sechstens: Rekord-Europameister sind Spanien und Deutschland, die den Titel bereits jeweils drei Mal holen konnten. Frankreich trägt zum dritten Mal nach 1960 und 1984 eine EM aus – Rekord! Eine Mannschaft, die noch nie bei einer Europameisterschaft in Frankreich mit dabei war: Holland! Scheint ein Fluch zu sein. Dafür haben es Albanien und Island dieses Mal geschafft. Auch schön.

Fünftens: Ronaldo? Özil? Buffon? Pogba? Neinneinneinnein. Der größte und einzige Star dieser EM ist der Schwede Zlatan Ibrahimović. Jedenfalls dann, wenn es nach Zlatan Ibrahimović geht. Der Mann hat weder Helden noch Idole („Es gibt nur den Zlatan-Stil“) noch leidet er unter einem zu kleinen Selbstbewusstsein. In die schwedische Liga könne er nicht wechseln nach der EM – für die sei er „zu gut“.

Viertens: Pechvögel kristallisieren sich normalerweise erst während eines Turniers heraus. 2016 aber hat die EM ihren Unglücksraben schon lang vor dem ersten Anpfiff: Marco Reus. Während er 2012 bei der Europameisterschaft kaum zum Einsatz kam, rissen ihm 2014 im letzten Testspiel vor der WM in Brasilien die Bänder. Löw ließ ihn zuhause, das Team wurde ohne Reus Weltmeister. Jetzt, 2016, rechnete alle Welt damit, dass Reus sicher nach Frankreich dürfe – Pustekuchen. Erneut eine schwerere Verletzung, die ihm einen Strich durch die Rechnung macht. Besonders schlimm: Löw musste Reus die Hiobsbotschaft an dessen Geburtstag übermitteln…

90 Minuten, 90 Schiris

Drittens: Ein Spiel dauert 90 Minuten, klar. Und eine EM hat 90 Unparteiische, auch klar – wobei: hä? 90 Schiris? Ja! 18 Schiedsrichtergespanne reisen nach Frankreich, jedes besteht aus fünf Mann: ein Hauptschiedsrichter, zwei Linienrichter und zwei Torrichter. Wer richtig Glück hat, darf in der Vorrunde vielleicht Albanien gegen Rumänien, Österreich gegen Island oder Ukraine gegen Nordirland pfeifen und danach ab in den Sommerurlaub. Vielleicht nach Holland.

Weltmeister 2014

Jubelt die deutsche Elf auch in Frankreich wieder? Quelle: Wikipedia/Agência Brasil

Zweitens: Schaulaufen. Ein Begriff, der sich seit einigen Jahren bei Europa- und Weltmeisterschaften etabliert hat. Warum? Weil sich alle Nationalspieler Vereinen präsentieren können, die noch mehr Geld bezahlen, Betonung auf noch. Und die sich im Schaufenster EM für diese Clubs präsentieren können. Der blanke Irrsinn in einem sowieso schon völlig überhitzten Umfeld, wo aus Millionen längst Milliarden geworden sind.

Erstens: Gary Lineker. Begnadeter englischer Stürmer mit viel Pech bei Europameisterschaften: Sechs Spiele mit England, kein Sieg (1988 und 1992). Landet heute bei Twitter einen Treffer nach dem anderen. Wenn du zu langweiligen Spielen ein wenig Unterhaltung möchtest, dann schau‘ dir Linekers Twitter-Account an. Seine Tweets sind meist richtig lustig. Und jetzt viel Spaß bei der Europameisterschaft 2016!


Was denkst du, wer wird Europameister? Zum dritten Mal in Folge die Spanier? Gastgeber Frankreich? Der aktuelle Weltmeister? Oder jemand ganz Anderes, vielleicht mal wieder ein Überraschungssieger? Sag‘ uns deine Meinung und diskutiere mit anderen Usern!

Quelle Titelbild: Wikicommons/Poudou99


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About Author

Freier Journalist und Texter. Recherchiert und schreibt über alles, was nicht 08/15 ist und Eindruck hinterlässt. Ist gern unterwegs in der Weltgeschichte.