Start Politik & Wirtschaft Politik Boko Haram - Nigeria im Würgegriff der Terrorgruppe

Boko Haram – Nigeria im Würgegriff der Terrorgruppe

Nicht nur im Irak und Syrien gehen islamistische Terroristen gegen die Regierung und die Zivilbevölkerung vor. Wir haben bereits über den Islamischen Staat berichtet und wollen nun die Terrorgruppe Boko Haram genauer unter die Lupe nehmen. In den Medien nahm die Berichterstattung über Terroranschläge in Nigeria stetig zu, doch was steckt eigentlich dahinter? Vermeintlich religiöse Motive spielen dabei eine große Rolle, wobei aber auf den Unterschied zwischen Islam und Islamismus verwiesen sei.

Was ist Boko Haram?

Die in Nigeria agierende islamistische Terrorgruppe findet ihre Ursprünge zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Nachdem das heutige Nordnigeria unter die Kontrolle des Britischen Empires fiel, stellten sich einige Muslime gegen die westlichen Lehren. Da dieser Umstand bis heute fortbesteht, entstand 2002 die Terrorgruppe Boko Haram in der Stadt Maiduguri. Aus der Landessprache Hausa übersetzt, steht der Name für „Westliche Lehren sind verboten“.

Vor diesem Hintergrund verbietet ihre Auslegung des Islam jegliche Teilnahme an politischen oder sozialen Aktivitäten, die mit dem Westen assoziiert werden können. Boko Haram fußt auf einem vermeintlich religiösen Hintergrund. Der damalige Gründer Mahammed Yusuf errichtete eine Moschee und eine islamische Schule in Maiduguri. Da sich noch heute einige Muslime weigern, ihre Kinder auf die staatlichen Schulen zu schicken, schrieben zahlreiche Eltern aus Nigeria und angrenzenden Ländern ihre Kinder in der islamischen Schule der Boko Haram ein.

Nigeria in Afrika
Nigerias Lage auf dem afrikanischen Kontinent, Quelle: http://www.travelnotes.org

Doch die Schule diente der Gruppe vor allem zu Rekrutierungszwecken. Durch sie konnte Boko Haram neue Anhänger gewinnen, um für die Errichtung eines islamischen Staates unter der Gesetzgebung der Scharia zu kämpfen. So führte das Terrornetzwerk 2009 zahlreiche Anschläge auf Polizeistationen und andere Regierungseinrichtungen durch. Darauf reagierte das nigerianische Militär und tötete bei einem Einmarsch in das Hauptquartier das Oberhaupt von Boko Haram.

Der Landesdirektor der Organisation Action Aid Nigeria macht unter anderem die schlechte wirtschaftliche Situation im Land für den Zulauf zu der Terrorgruppe Boko Haram verantwortlich. Boko Haram sei zum Sammelbecken für junge Leute ohne Bildung und Arbeit geworden. Denn obwohl Nigeria ein erdölreiches Land ist, komme der Wohlstand nicht überall in der Bevölkerung an. Denn die Ölfelder befinden sich im christlich geprägten Süden des Landes, wo der geförderte Reichtum auch bleibt. Im Norden herrschen dagegen Armut und Arbeitslosigkeit, die den Islamisten in die Karten spielt. Denn viele Bewohner sehen, laut dem Nigeria-Experten Johannes Harnischfeger, in der Religion das letzte Mittel, um das korrupte System zu moralischem Verhalten zu bewegen. Weitere Hintergründe zu der Gruppe findet ihr hier.

Radikalisierung seit 2009

Nach dem Tod Yusufs formierten sich die Kämpfer von Boko Haram unter der Führung von Abubakar Shekau neu. Die BBC charakterisierte den in Maiduguri geborenen Mann sowohl als Verbrecher als auch als Theologen. Wie Die Zeit berichtete, studierte er islamische Theologie, spricht drei Sprachen und wird als skrupelloser Ideologe beschrieben. Das US-Außenministerium stufte ihn als Terroristen ein und setzte eine Belohnung von 7 Millionen US-Dollar für Hinweise zu seinem Aufenthaltsort aus.

Boko Haram-Führer Abubakar Shekau
Abubakar Shekau im Oktober 2014, Quelle: Wikipedia/Tan Khaerr

Seit der Machtübernahme hat sich das Vorgehen der Boko Haram zunehmend radikalisiert. Infolgedessen wurde 2013 in den drei Regionen Adamawa, Boro und Jobe, in denen Boko Haram am stärksten war, der Ausnahmezustand erklärt und zusätzliche Sicherheitskräfte in die Region geschickt. Dennoch gelang es den Terroristen, Militärbasen zu attackieren, zwei Bombenanschläge am Busbahnhof der Hauptstadt durchzuführen und 200 Schulmädchen aus Chibok zu entführen.

Aktuelle Anschläge

In den letzten Wochen und Monaten machte die Terrororganisation Boko Haram immer wieder durch abscheuliche Taten von sich reden. Anfang des Jahres ereignete sich ein Blutbad in der Stadt Baga. Dort fielen Hunderte Islamisten mit Sturmgewehren bewaffnet ein und töteten Schätzungen zufolge etwa 2.000 Menschen. Anschließend brannten sie die Stadt nieder, wodurch die vormals 10.000 Einwohner zählende Gemeinde praktisch ausgelöscht wurde. Ebenso sollen 15 weitere Ortschaften im Norden des Landes überfallen und eingeebnet worden sein. Durch das radikale Vorgehen gelang es Boko Haram inzwischen bis zu 70 Prozent des Bundesstaates Borno im Nordosten Nigerias unter ihre Gewalt zu bringen.

Mittag Januar 2015 kam es erneut zu einer Attacke – dieses Mal auf die Regionalhauptstadt Gombe im Nordosten Nigerias. Auch hier fuhren die Terroristen von Boko Haram schwer bewaffnet in den Ort ein und schossen wahllos um sich. Zudem soll eine Polizeistation niedergebrannt worden sein. Zum Nachmittag zogen sich die Islamisten allerdings wieder zurück. Auch Nachbarländer sind vor Boko Haram nicht sicher: Ende Januar ereignete sich ein Angriff auf eine Militäreinheit in Kamerun, wobei die Terroristen große Verluste hinnehmen und sich zurückziehen mussten. Darüber hinaus wurden die Anschläge auch auf die angrenzenden Staaten Tschad und Niger ausgeweitet.

Am 17. Februar ereigneten sich zwei Selbstmordanschläge im Nordosten Nigerias. Zuerst sprengten drei Extremisten einen Checkpoint vor der Stadt Biu in die Luft und rissen 36 Menschen mit in den Tod – hauptsächlich Kinder und Bettler. Eine zweite Attacke galt einem Restaurant in der Wirtschaftsmetropole Potiskum, die zwei Todesopfer und mehrere Verletzte forderte. Besonders erschreckend ist, dass immer öfter Frauen und Mädchen als Todesboten eingesetzt werden. Zuletzt sprengte sich ein 8-jähriges Mädchen bei einer Routinekontrolle zum Eingang eines Marktes in die Luft und nahm damit fünf Menschen das Leben.

Verhinderung der Wahlen

Aufgrund der anhaltenden Gewalt durch Boko Haram, sah sich die Regierung veranlasst, die für den 14. Februar geplanten Wahlen auf den 28. März zu verschieben. Begründet wurde der Schritt damit, dass der Kampf gegen die Islamisten zu viele Soldaten binde und eine Wahl derzeit nicht ausreichend gesichert werden könne.

Logo der Terrororganisation Boko Haram
Offizielles Logo der Boko Haram

Dem amtierenden Präsidenten Goodluck Jonathan, der natürlich auf eine weitere Amtszeit schielt, kommt die Verschiebung insofern gelegen, dass sein Konkurrent in den letzten Umfragen zulegen konnte. Eine Niederlage Jonathans wäre daher nicht ausgeschlossen. Mit der zusätzlich gewonnenen Zeit könnte es ihm allerdings gelingen, weitere der 175 Millionen Einwohner auf seine Seite zu ziehen. Kritiker – darunter auch die USA – sehen in der Verschiebung deshalb auch einen Schachzug, der allgemein auf Ablehnung stößt.

Indes boykottiert der Anführer der Boko Haram den neuen Wahltermin mit den Worten „Diese Wahl wird nicht stattfinden, auch wenn wir tot sind“. „Allah wird euch niemals erlauben, dies zu tun“ ergänzte der Islamist seine Botschaft. Damit spielt er auf das Ziel der Boko Haram an, in Nigeria einen Gottesstaat unter der Gesetzgebung der Scharia zu installieren.

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