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Wie die USA den Islamischen Staat erschufen

Schlug man in den letzten Monaten die Zeitung auf, konnte man häufig Meldungen über die Eroberungszüge der Terrorgruppe Islamischer Staat lesen. Da diese kurz nach dem durch die USA geführten Irakkrieg von 2003 gebildet wurde, wollen wir die Hintergründe der Entstehung näher beleuchten.

Situation vor dem Irak-Krieg

Der heutige Irak existiert seit 1920 und wurde durch Großbritannien aus verschiedenen Regionen des Osmanischen Reiches gegründet. Bis zur Unabhängigkeit im Jahre 1958 und der damit ausgerufenen Republik Irak war das Land von britischen Truppen besetzt und kontrolliert. Nach einer Reihe von Regimewechseln übernahm Saddam Hussein Ende der 70er Jahre die Macht über den Irak. Dabei war insbesondere die Anfangszeit durch zahlreiche Menschenrechtsverletzungen geprägt.

Die erste Kampfhandlung des neuen Machthabers richtete sich gegen das Nachbarland Iran und dauerte von 1980 bis 1988 an. Dabei wurde das Hussein-Regime von den USA und weiteren westlichen Staaten unterstützt. Dennoch konnte der Krieg nicht gewonnen werden, sodass ein Waffenstillstand vereinbart wurde. Beim Krieg gegen Kuwait 1990 wiederum stellten sich die Truppen der Vereinten Nationen unter der Führung der USA entschlossen gegen das Regime von Saddam Hussein.

George H. Bush rief das irakische Volk sogar zur Rebellion gegen den Diktator auf, welches allerdings niedergeschlagen werden konnte. Internationale Sanktionen wurden als Folge des Kuwait-Einmarsches verhängt und führten – unterstützt durch Misswirtschaft – zur landesweiten Verarmung der Bevölkerung. Eine weiterführende Betrachtung, könnt Ihr hier nachlesen.

Die Besetzung des Irak durch die USA 2003

Nachdem die Invasion der USA und Großbritanniens 2003 vollzogen und Saddam Hussein entmachtet wurde, teilte man den Irak in drei Besatzungszonen auf. Die darauffolgende Zeit war geprägt von bewaffneten Aufständen seitens der Bevölkerung gegenüber den Besatzern. Auch offiziellen Umfragen zufolge lehnte der überwiegende Teil der Bevölkerung die Präsenz der ausländischen Truppen strikt ab. Auch deshalb wurde das Land langsam auf die Rückkehr in die Souveränität vorbereitet, sodass 2011 der letzte US-Truppenabzug erfolgte. Wer sich genauer für den Kriegsverlauf und die folgenden Probleme interessiert, dem sei dieses Werk empfohlen.

Das Ende der Besatzung bedeutet allerdings nicht, dass sich der Irak zu dieser Zeit in einer stabilen Situation befand. Denn neben einer stagnierenden Wirtschaft hoher Arbeitslosigkeit sowie Inflation war auch die Sicherheitslage weiterhin beunruhigend.

Die Entstehung des Islamischen Staates

Der Ursprung der Terrorgruppe ist in den 1980er Jahren zu finden. Nachdem sich in Afghanistan ein flächendeckender kommunistischer Aufstand manifestierte, intervenierte die Sowjetunion militärisch und installierte ein kommunistisches Regime. Dadurch formierten sich Widerstandsgruppen, die sich der roten Armee in einem zehn Jahre dauernden Kampf entgegenstellten. Unter anderem wurde 1984 Al-Qaida durch Osama bin Laden und seinen Mentor gegründet.

Diese Gruppe wurde im Rahmen der Operation Cyclone durch den US-amerikanischen Geheimdienst unterstützt und damit einhergehend afghanische, islamistische Widerstandskämpfer – die Mudschaheddin – bewaffnet, ausgebildet und finanziert. Ironischerweise dankte Osama bin Laden dem saudischen Botschafter für die USA – Prince Bandar – Mitte der 80er dafür, dass er die gemeinsamen Freunde – die Amerikaner – nach Afghanistan brachte, um sie im Kampf gegen die Sowjets zu unterstützen.

Die CIA kümmerte sich allerdings nicht nur um Kriegsgerät, sondern sorgte sogar selbst für eine religiöse Rechtfertigung. Die Washington Post deckte auf, dass die USA Millionen US-Dollar ausgaben, um Schulbücher zu produzieren, die gewaltverherrlichende Texte und Bilder sowie aus dem Zusammenhang gerissene Verse des Koran enthielten. Die gefährlichen Lehren waren so gut präsentiert, dass sie sogar von den Taliban eingesetzt wurden, um die Ideologie zu verbreiten. Der heute fanatisch ausgelebte Islamismus kann folglich zumindest teilweise den USA zugeschrieben werden.

Der Islamische Staat trat erstmals 2004 als Teil von Al-Qaida unter dem Namen Islamischer Staat im Irak (ISI) in Erscheinung – knapp ein Jahr nach dem Einmarsch der USA in den Irak. Es folgten Entführungen, die Ermordung von Geiseln und Bombenanschläge, die sich größtenteils gegen ausländische Zivilisten später auch alle am demokratischen Prozess Beteiligten richteten. Seit 2005 schreckte die Organisation auch vor größeren Anschlägen nicht mehr zurück und die zunehmende Radikalisierung – sowohl in ihren Ansichten als auch Handlungen – nahm ihren Lauf. So überzog die Terrororganisation 2007 den gesamten Irak mit einer Anschlagsserie, die fast 2.000 Todesopfer forderte.

Ohne dies mit Sicherheit sagen zu können, ist davon auszugehen, dass die Expansion des Islamischen Staates im Irak ohne die Invasion der Amerikaner in diesem Ausmaß vermutlich nicht hätte stattfinden können. Letzten Endes haben sich die USA also bereits das zweite Mal ihren Feind selbst geschaffen. Das erste Mal, als sie Saddam Hussein im Kampf gegen den Iran mit Waffen unterstützten und das zweite Mal im Zuge des afghanisch-sowjetischen Krieges sowie des Einmarschs in den Irak.

Interview mit dem Islamischen Staat

Selbst Deutsche finden sich unter den Kämpfern des Islamischen Staates. Der Journalist Jürgen Todenhöfer konnte einen von ihnen in einem Interview zur Ideologie der Terrororganisation befragen.   Beitrag von Jürgen Todenhöfer.

Die im Video geschilderten Beweggründe haben wir für Euch zusammengefasst. Dabei sei ausdrücklich erwähnt, dass die Ansichten des Islamischen Staates eine sehr extreme Interpretation des Islams darstellt – wenn man das überhaupt noch so nennen kann – und von fast allen Muslimen verurteilt wird. Die Gelehrten der al-Azhar Universität in Kairo, einer der ältesten islamischen Hochschulen der Welt, kommentierten die jüngsten Ereignisse mit den Worten „Der Islam lehnt jedwede Gewalttaten ab“.

Der Islamische Staat vertritt hier leider eine ganz andere Meinung. Ziel des Islamischen Staates ist es, die Scharia – das Gesetz des Islam – in den kontrollierten Gebieten in Kraft zu setzen. Zunächst werden der Irak und Syrien als Anfangspunkte genannt doch weitere Länder sollen folgen – auch die europäischen. Der Westen stelle sich gegen den Islam und müsse deshalb fest mit Kämpfen rechnen.

Hierzu soll zunächst allen Ungläubigen die Angst vor dem Islamischen Staat gelehrt werden und Enthauptungen von Journalisten sowie Terroranschläge werden als probates Mittel angesehen, weil Gott es ihnen vorgibt. Und jeder der sich ihnen in den Weg stellt, wird getötet. So viele es auch sein mögen. Das heißt aber nicht, dass jeder Andersgläubige automatisch den Tod findet.

Geheimdienste und Macht der Medien

Christen und Juden beispielsweise haben die Möglichkeit, eine Kopf- und Schutzsteuer zu zahlen. Dann sind sowohl sie als auch ihre Religionsfreiheit geschützt. Die freie Auslebung ihres Glaubens ist ihnen dann gestattet, nicht jedoch der Aufruf dazu. Schiiten hingegen, werden als Abtrünnige des Islam betrachtet und dürfen sich deshalb nicht freikaufen. Zeigen sie jedoch Reue und schließen sich dem Islamischen Staat an, so werden sie verschont – andernfalls getötet.

Jürgen Todenhöfer kommentierte das beklemmende Interview mit folgenden Worten.

„Für mich hat das, was Abu Qatadah vertritt, nichts mit dem barmherzigen Islam zu tun, den 99,9% unserer muslimischen Mitbürger vertreten. Mit diesen gemäßigten Muslimen sollten wir uns verbünden, um das ideologische Kidnapping ihrer großen Religion durch Extremisten zu beenden. Der Islam ist eine Religion der Gerechtigkeit und der Barmherzigkeit. Mit Terrorismus hat er nichts zu tun.“

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10 KOMMENTARE

  1. […] Wie die USA den Islamischen Staat erschufen Nach so vielen Jahren hätte sicherlich niemand mehr mit einer Verurteilung eines ehemaligen KZ-Wärters gerechnet. Erst recht nicht der Angeklagte selbst. Nun muss sich der Angeklagte (der Name ist aufgrund des deutschen Datenschutzes leider nicht bekannt) aber für die Hilfe bei der Ermordung von 170.000 Menschen im KZ Ausschwitz rechtfertigen. […]

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